APA - Austria Presse Agentur

Anschober will in stark betroffenen Regionen "Notbremse" ziehen

21. März 2021 · Lesedauer 3 min

Gesundheitsminister Rudolf Anschober spricht sich einen Tag vor den Gesprächen zur Corona-Situation für regionale Maßnahmen aus. Das verkündet Anschober in einer Aussendung am Sonntag. Er will in stark betroffenen Regionen die "Notbremse" ziehen. Damit will Anschober einen Kollaps in den Intensivstationen verhindern.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hat einen Tag vor den Beratungen zur Corona-Situation im Bundeskanzleramt für regional unterschiedliche Maßnahmen plädiert. "Die Situation in vielen Intensivstationen wird dramatisch, wenn nicht sehr rasch in den hauptbetroffenen Regionen starke und effektive Gegenmaßnahmen gesetzt werden. Wir müssen den Mut haben, in einzelnen besonders stark betroffenen Regionen die Notbremse zu ziehen", sagte er in einer Aussendung am Sonntag.

Ostösterreich "besonders stark betroffen"

Die Politik müsse am Montag "alle erforderlichen Maßnahmen setzen, damit es nirgendwo zum Kollaps in den Intensivstationen kommt", so der Minister. Anschober verwies auf die vor allem im Osten schwierigere Lage: "Aktuell ist Ostösterreich durch die starke Dominanz der britischen Variante besonders stark betroffen." In Niederösterreich etwa sei der Höchststand im vergangenen Herbst bei 115 Patienten gelegen, "heute werden 80 schwer an COVID-Erkrankte in ICU (Intensivstationen, Anm.) betreut". Wien, das immer auch Behandlungszentrum für weite Teile Ostösterreichs sei, melde mittlerweile 152 COVID-Patienten in Intensivbehandlung - im Herbst lag der Höchststand bei 162, so der Minister.

Harte Triagen "dürfen niemals Wirklichkeit werden"

"Die Infektionszahlen und auch die Belastungszahlen in den Intensivstationen sind regional extrem unterschiedlich. Daher wird es morgen maßgeschneidert sehr unterschiedliche Maßnahmen für unterschiedliche Regionen brauchen." Es dürfe zu keinem Kollaps der Intensivstationen kommen: "Harte Triagen dürfen in Österreich niemals Wirklichkeit werden." In einzelnen Regionen erinnere die Lage nicht nur an den Herbst, sondern sie "könnte sogar dramatischer werden, wenn kein ausreichendes Gegensteuern beschlossen werden würde".

Anschober verwies auch darauf, dass am Sonntag insgesamt 410 schwer erkrankte COVID-PatientInnen intensivmedizinisch behandelt werden mussten - "das sind 16 mehr als gestern". In der vergangenen Woche bedeute das einen weiteren Zuwachs von rund 14 Prozent. "Die Prognose geht von einem weiteren Zuwachs bis Monatsende auf 515 ICU-PatientInnen aus. Der sogenannte Bremsweg, die Zeitdauer der Wirksamkeit von gesetzten Maßnahmen auf den Belag in den Intensivstationen wird auf fast drei Wochen geschätzt."

Zahlen "steigen stark an"

Österreich befinde sich "wie viele europäische Staaten mittlerweile mitten in der dritten Welle", wiederholte der Ressortchef seine Warnung. Die Infektionszahlen in Österreich würden zwar nicht so schnell wie im Herbst steigen, "aber sie steigen stark an". Der entscheidende Unterschied zum Herbst sei, dass das Infektionsgeschehen jetzt von der britischen Variante dominiert werde. Diese sei ansteckender, dynamischer und führe vor allem zu deutlich schwereren Krankheitsverläufen "und auch stärker zu schweren Erkrankungen bei jüngeren Betroffenen führt".

Die Ausbreitung der britischen Variante (B.1.1.7.) liege im Burgenland bereits bei 95 Prozent, in Kärnten bei 84 Prozent, in Wien bei 80 Prozent und in Niederösterreich bei 75 Prozent. Im österreichischen Durchschnitt habe sie einen Anteil von bereits 74 Prozent, so Anschober.

Verweis auf Deutschland

Auch verwies der Minister auf "die aktuelle Diskussion in Deutschland, das ebenfalls Zuwächse aufweist, aber im Bundesschnitt nicht einmal die Hälfte der Sieben-Tages-Inzidenz Österreichs aufweist". Dennoch würden dort nun "vielfach wegen der Zuwächse Verschärfungen eingefordert, über die morgen entschieden werden soll".

Quelle: Agenturen / Redaktion / pea