Karner: Dritter russischer Oberbefehlshaber macht Risse sichtbar

13. Jan. 2023 · Lesedauer 2 min

Russland hat bei seiner "militärischen Spezialoperation" in der Ukraine mit einigen Problemen zu kämpfen. Der bereits dritte Oberbefehlshaber seit Ausbruch des Krieges soll nun die gewünschten Fortschritte bringen. Für PULS 24 Militärexperte Gerald Karner deutet dies auf Risse in der russischen Führung hin.

Seit 324 Tagen (Stand: 13.01.2023) dauert der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine schon an. Nach anfänglichen Erfolgen ringt Russland vermehrt, um weitere territoriale Fortschritte. Das Verteidigungsministerium Russlands gab am Freitag bekannt, dass die schwer umkämpfte Stadt Soledar im Osten der Ukraine eingenommen sei. Der Chef der Wagner-Gruppe, Jewgeni Prigoschin, verkündete das bereits am Mittwoch. Die Militärführung in Kiew hatte dies damals noch dementiert.

Laut PULS 24-Militärexperte Gerald Karner habe diese verzögerte Bekanntgabe mit den Rissen in der russischen Militärführung zu tun. Die Söldner-Truppe von Prigoschin nimmt eine "sehr selbstständige Operationsführung" ein. Das macht die Koordination der regulären Streitkräfte und der Wagner-Gruppe "schwierig". "Zu viele Köche, die den Brei kochen", beschreibt es Karner im PULS 24 Interview. 

Dritter Oberbefehlshaber in der Ukraine

Moskau versuche dieses Problem nun in den Griff zu bekommen, indem erneut der Oberbefehlshaber in der Ukraine ausgetauscht wird. Generalstabschef Waleri Gerassimow übernimmt den Posten von Sergej Surowikin aka "General Armageddon". Dieser wird zukünftig als sein Stellvertreter fungieren. Gerassimow ist ein enger Vertrauer des russischen Verteidigungsministers Sergei Schoigu. Mit der Ernennung Gerassimows erhoffe sich Schoigu eine engere Koordination zwischen den regulären Streitkräften, den Soldaten von Prigoschin und Truppen des Tschetschenen-Führers Ramsan Kadyrow, sagt Karner. 

Der Militärexperte meint, es sei "bemerkenswert", dass "in so kurzer Zeit" bereits drei Oberkommandierende eingesetzt und wieder abgesetzt wurden. Er meint, das deute darauf hin, dass in der sogenannten "Spezialoperation" nicht alles "nach Plan läuft".

Putins Zirkel will "brutaleres" Vorgehen

Der stattgefundene Wechsel in der militärischen Armee wird in der russischen Öffentlichkeit nicht diskutiert, so Karner. Eine Öffentlichkeit, wie es sie in Österreich gibt, gebe es in Russland nicht. In den Staatsmedien, wo es zu Diskussionen über das politische Geschehen kommt, dominieren vor allem sogenannte "Silovikis". Diese Vertreter des Geheimdienstes oder des Militärs gehören zum inneren Zirkel von Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Sie fordern ein "härteres, heftigeres und brutaleres" Vorgehen gegen die Ukraine. 

Astrid PozarekQuelle: Redaktion / poz