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G7-Gipfel: Auch Cobra und WEGA bei "enttäuschenden" Groß-Demos

25. Juni 2022 · Lesedauer 4 min

Beim G7-Gipfel im bayerischen Elmau sorgen am Wochenende auch Einsatzkräfte aus Österreich für Sicherheit. Das Interesse an der Demo enttäuschte. Am Samstagabend waren etwa 4.000 Leute laut Polizeischätzungen, 6.000 - 7.000 laut Veranstalter dort, bis zu 20.000 Demonstranten wurden erwartet.

Nachdem die bayrische Polizei Unterstützung aus Österreich angefordert hat, werden laut Innenministerium 53 Polizistinnen und Polizisten der Sondereinheit Wega und 25 Cobra-Kräfte ins Nachbarland entstand. Weiters werden vier Drohnenoperatoren und einige Bedienstete aus dem Kriminaldienst am Tagungsort bei Schloss Elmau eingesetzt.

20.000 Einsatzkräfte anwesend

Im Einsatz sind am Wochenende insgesamt 20.000 Einsatzkräfte aus ganz Deutschland. "Das Einsatzkommando Cobra und die Wega genießen über die Grenzen Österreichs hinaus höchstes Ansehen. Die Anforderung durch die bayerische Polizei zur Unterstützung bei einer Hochsicherheitsveranstaltung wie dem G7-Gipfel ist ein Zeichen, wie sehr die Professionalität dieser Spezialisten auch in anderen Staaten geschätzt wird", so Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) in einer Aussendung.

Bei dem G7-Gipfel kommen von Sonntag bis Dienstag in Süddeutschland die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden westlichen Industriestaaten - USA, Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Italien, Kanada und Japan - zusammen.

Österreich verstärkt Kräfte an deutscher Grenze

Geplant ist der Einsatz der österreichischen Kräfte vom 24. bis 29. Juni. Zugleich werden auch in Tirol aus mehreren Bundesländern Ordnungskräfte bereit gehalten - dazu zählen etwa 200 Angehörige der Einsatzeinheiten aus Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark und Vorarlberg. Wega und Cobra verfügen bereits über Einsatzerfahrung in Deutschland. Sie waren schon beim G20-Gipfel in Hamburg im Jahr 2017 dabei.

G7-Großdemonstration blieb hinter Erwartungen

Die angekündigte Großdemonstration zum G7-Gipfel in München hat am Samstag deutlich weniger Teilnehmer angezogen als erwartet. Die Polizei sprach mehr als zwei Stunden nach Beginn der Veranstaltung von etwa 4000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die Veranstalter gaben zu diesem Zeitpunkt 6000 Protestierende an.

Später sprach Martin Geilhufe vom mitorganisierenden Bund Naturschutz in Bayern von 7000 Menschen. Auf jeden Fall war dies nur etwa ein Drittel der erwarteten Demonstrantenzahl, denn ursprünglich war mit mindestens 20.000 Menschen gerechnet worden. 

"Komplett friedlich": Zwei Polizisten verletzt

Nach dem Protestzug durch die Landeshauptstadt kam es gegen Ende der Versammlung im Bereich der Theresienwiese laut Polizei zu einer Festnahme und in der Folge zur kurzzeitigen Konfrontation zwischen einigen Demonstranten und Einsatzkräften. Polizeisprecher Andreas Franken berichtete von einer Solidarisierungsaktion des "schwarzen Blocks". Dabei seien auch Schlagstöcke eingesetzt worden. 

Zwei Beamte seien leicht verletzt worden, teilte die Polizei mit. Die Situation habe sich aber recht schnell wieder entspannt. Der Grund für die Festnahme des einen Teilnehmers war zunächst unklar. Insgesamt zog die Polizei ein positives Fazit der Demonstration. "Die Versammlung war komplett friedlich", sagte ein Sprecher.

Aktivisten: "Wir sind enttäuscht"

Die Aktivisten zeigten sich bereits auf der Theresienwiese verwundert und überrascht über den geringen Zulauf. "Wir sind enttäuscht", sagte die 46-jährige Andrea von Greenpeace aus Hannover. Es wirke so, als ob nur Organisationen vor Ort seien, aber niemand aus der Bevölkerung. "So schlecht ist das Wetter ja auch nicht", sagte sie. Zur Demonstration in München haben 15 globalisierungskritische Verbände von Attac bis zur Umweltorganisation WWF aufgerufen

Geschäfte geschl0ssen, Außenbereiche abgesperrt

In dem Touristenort Garmisch-Partenkirchen schlossen zahlreiche Geschäfte und Gaststätten wegen des Gipfels. Einige Lokale hatten schon am Samstag, einen Tag vor Gipfelbeginn, geschlossen und ihre Außenbereiche abgesperrt. In vielen Geschäften und auch in einer Bankfiliale hingen Zettel mit Hinweisen auf Schließungen für die Zeit des Gipfeltreffens.

Anders als beim letzten G7-Treffen auf Elmau vor sieben Jahren fehlten große Absperrungen oder Barrikaden zunächst. 2015 hatten viele Einwohner vor allem Sorge um die farbenfrohen sogenannten Lüftlmalereien an den Fassaden ihrer Häuser. "Wir verlassen uns dieses Mal auf die Polizei", sagte der Besitzer eines Souvenirladens. Ein Auktionshaus, das sich auf Oldtimer spezialisiert hat, fuhr allerdings schwerere Geschütze auf. Davor wurden Schiffscontainer positioniert, um die alten Autos zu schützen.

G7 auf Schloss Elmau

Der G7-Gipfel ist wie schon im Jahr 2015 auf Schloss Elmau im Landkreis Garmisch-Partenkirchen zu Gast. Vom 26. bis zum 28. Juni treffen sich dort die Staats- und Regierungschefs von sieben führenden westlichen Industriestaaten und einigen Gastländern. Neben Deutschland gehören der G7-Gruppe die USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan an. 

Quelle: Agenturen / ddj