Für Russland sind getötete Soldaten selbst verantwortlich

04. Jan. 2023 · Lesedauer 3 min

Die russische Regierung macht ihre durch ukrainischen Beschuss in einer Kaserne bei Makijiwka getöteten Soldaten für den Angriff selbst mitverantwortlich.

Es sei laut Russland bereits offensichtlich, dass der Hauptgrund für das Geschehen die verbotswidrige, massive Nutzung von Mobiltelefonen durch die Soldaten in Reichweite feindlicher Waffen gewesen sei, teilte das Verteidigungsministerium am Mittwoch mit. Das Ministerium spricht inzwischen von mindestens 89 Toten.

Zahlen nach oben korrigiert

"Dieser Umstand ermöglichte es dem Feind, die Koordinaten des Standorts der Soldaten aufzuspüren und für einen Raketenangriff zu nutzen." Das Ministerium spricht von mindestens 89 Toten durch den Beschuss, bisher war von mindestens 63 die Rede gewesen. Russland hat seit seinem Einmarsch in die Ukraine nur selten größere Verluste eingeräumt. Nach ukrainischen Angaben wurden bei dem Angriff Hunderte russische Soldaten getötet.

Die Ukraine hatte die Unterkunft nahe der Stadt Makijiwka im Osten der Ukraine nach russischen Angaben in der Silvesternacht beschossen und mit vier Raketen getroffen. Es habe sich um Quartiere gehandelt, in denen russische Rekruten untergebracht gewesen seien. Russische Militärblogger hatten bereits am Dienstag kritisiert, die Soldaten seien in einem ungeschützten Gebäude neben einem Munitionslager und in Reichweite ukrainischer Raketen stationiert gewesen.

"Geschichte mit den Handys ist nicht sehr überzeugend"

Semjon Pegow, ein prominenter russischer Kriegsberichterstatter, der Ende 2022 vom russischen Präsidenten Wladimir Putin mit dem Tapferkeitsorden ausgezeichnet worden war, stellte am Mittwoch ebenfalls die Handy-Argumentation des Verteidigungsministeriums infrage. Die Ukraine hätte die Soldaten auch mit Hilfe von Drohnen und Nachrichtendiensten orten können, nicht unbedingt durch Mobiltelefone, schrieb er auf Telegram.

"Die Geschichte mit den 'Handys' ist nicht sehr überzeugend. (...) Ich sage das selten, aber in diesem Fall wäre es wahrscheinlich besser zu schweigen, zumindest bis zum Ende der Ermittlungen. So sieht es aus wie ein Versuch, die Vorwürfe wegzuwischen." Der Großteil der Kritik im Internet richtet sich dabei gegen die militärischen Befehlshaber und nicht gegen Präsident Putin. Dieser hat sich nicht öffentlich zu dem Angriff geäußert. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Angriff bisher ebenfalls nicht erwähnt.

Pegow schrieb zudem, die Zahl der Opfer des ukrainischen Angriffs auf die Unterkunft werde steigen. Die bisher genannten Zahlen bezögen sich wahrscheinlich auf diejenigen Soldaten, die sofort identifiziert werden konnten. "Die Liste der Vermissten ist leider deutlich länger." Einige prorussische Beamte in der Region hatten die endgültige Zahl auf mehrere hundert geschätzt. Wie viele Soldaten seit Beginn des russischen Einmarsches in die Ukraine im Februar 2022 insgesamt gestorben sind, ist öffentlich nicht bekannt. Aus dem US-Militär hatte es im November geheißen, wahrscheinlich gebe es jeweils mehr als 100.000 Tote oder Verwundete auf beiden Seiten.

Quelle: Agenturen / koa