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Frauen besitzen weniger Vermögen als Männer

Heute, 04:02 · Lesedauer 4 min

Frauen verdienen nicht nur weniger als Männer, sie besitzen auch weniger. Die Vermögenslücke zwischen den Geschlechtern beträgt in Paarhaushalten zwischen 15 und 21 Prozent. Geringer ist der Unterschied unter Single-Haushalten, wie Auswertungen der "Household Finance and Consumption Survey 2023" (HFCS) der Nationalbank (OeNB) zeigen. Mittelfristig schließt sich die Lücke, die eine Expertin im Interview mit geringerem Einkommen und sozialen Normen begründet, langsam.

Durchschnittlich verfügten in Paarhaushalten lebende Frauen 2023 um 51.900 Euro weniger Vermögen als Männer. Die OeNB bezifferte das Nettovermögen von Frauen mit durchschnittlich 193.600 Euro, jenes von Männern mit 245.500 Euro. Daraus ergibt sich ein Unterschied von 21 Prozent, den die OeNB im Rahmen der Studie erhob und Ende 2025 veröffentlichte. Geringer fiel demnach die Median-Lücke mit 15 Prozent bzw. 19.000 Euro aus.

Ökonomin Alyssa Schneebaum macht für diesen Unterschied im Gespräch mit der APA zwei Gründe verantwortlich. Erstens verdienen Frauen immer noch deutlich weniger als Männer. Je nach Berechnungsmethode macht der Gender Pay Gap zwischen 11,6 und 17,6 Prozent aus. Frauen verfügen daher über weniger Mittel, die sich etwa durch Investments vermehren könnten. Auch deren risikoscheuerer Umgang mit Finanzen spiele eine Rolle.

Als zweiten Grund führt Schneebaum für Frauen nachteilige soziale Normen und Glaubenssätze an: "Jede und jeder von uns hat als Kind einmal den Satz gehört, dass Mädchen schlechter in Mathematik sind." Aussagen wie diese führten dazu, dass in heterosexuellen Paarbeziehungen eher Männer für finanzielle Angelegenheiten zuständig sind. Dabei sei unerheblich, ob Frauen formell niedriger oder höher gebildet sind als ihre Männer, hält die Ökonomin mit Schwerpunkt Geschlechterfragen fest.

Große Unterschiede zwischen Singles und Paaren

Die Vermögenslücke ist Schneebaum zufolge größer als die Einkommenslücke, "weil es in Österreich schlicht und einfach viel mehr Vermögen als Einkommen gibt" und dieses gesamtgesellschaftlich gesehen ungleicher verteilt sei. Je wohlhabender der Haushalt, desto größer ist die Lücke. Dieses Ungleichgewicht entstehe etwa durch vererbtes Vermögen - vor allem Unternehmensbeteiligungen würden häufiger an Söhne als Töchter weitergegeben. Die Uni-Wien-Professorin meint dazu: "Fast niemand verdient alleine durch Erwerbsarbeit Millionen Euro. Trotzdem gibt es Haushalte mit Millionenbesitz."

Auffällig sind auch die wesentlich geringeren Unterschiede zwischen den Geschlechtern, vergleicht man jene Frauen und Männer, die in Single-Haushalten leben. Alleinlebende Frauen kommen durchschnittlich auf ein Vermögen von 151.400 Euro, Männer auf 165.900 Euro. Die Lücke belief sich daher in dieser Vergleichsgruppe auf nur neun Prozent. Allerdings klafft die Median-Lücke mit 24 Prozent deutlich stärker auseinander. Für den OeNB-Ökonomen Martin Schürz ein Indiz für die Benachteiligung alleinerziehender Frauen, die in dieser Studie zu den Single-Haushalten gezählt wurden, wie er bei der Präsentation der HFCS-Zahlen im Dezember 2025 ausführte.

Care-Arbeit für Männer, Finanzbildung für Frauen

Wie der Gender Pay Gap schließt sich auch die Vermögenslücke in Österreich langsam. Aussagekräftige Vergleichswerte sind rar, zuletzt und erstmalig wurde die Vermögenslücke von Schneebaum und ihrem Team 2017 auf Basis der HFCS-Daten von 2014 für die Arbeiterkammer Wien erhoben. Im Paarhaushalte-Vergleich ergab sich eine durchschnittliche Lücke von 28 Prozent, der Median lag bei 16,9 Prozent.

Um die Lücke weiter zu schließen, plädierte Alyssa Schneebaum im Interview für Maßnahmen, die Vermögen und Einkommen insgesamt gerechter verteilen und klassischen Rollenbildern entgegenwirken. Außerdem sollten Männer mehr unbezahlte Sorgearbeit im Haushalt leisten, die momentan fast doppelt so häufig von Frauen getragen wird. Auch geschlechtersensible Vermittlung von Finanzwissen sei wichtig, denn "Finanzbildung ist keine Raketenwissenschaft". Eine Auswertung der OeNB von Daten aus 2023 zeigte kürzlich auf, dass Frauen weniger gut über Finanzen informiert sind als Männer. Obwohl sich das Finanzwissen der Österreicherinnen und Österreicher insgesamt verbessert hat, bestand eine Lücke von 8,4 Prozent zum Nachteil der Frauen.

Vermögen minus Schulden

Um die Vermögenslücke - international als "Gender Wealth Gap" bekannt - zu berechnen, ist das Nettovermögen von Frauen und Männern ausschlaggebend. Darunter versteht man zum Beispiel Bargeld, Immobilien, Autos, Wertpapiere, Edelmetalle oder Unternehmensbeteiligungen, abzüglich Schulden. Diese Vermögenswerte privater Haushalte werden im Schnitt alle drei Jahre von der "Household Finance and Consumption Survey" der Europäischen Zentralbank im Euroraum erhoben.

Zusammenfassung
  • Frauen besitzen in österreichischen Paarhaushalten im Durchschnitt 51.900 Euro weniger Vermögen als Männer, was einer Lücke von 21 Prozent entspricht.
  • In Single-Haushalten beträgt die Vermögenslücke im Schnitt nur 9 Prozent, allerdings ist die Median-Lücke mit 24 Prozent deutlich höher, was besonders alleinerziehende Frauen benachteiligt.
  • Expertinnen führen die Unterschiede vor allem auf geringere Einkommen (Gender Pay Gap: 11,6–17,6 Prozent), traditionelle Rollenbilder und eine 8,4 Prozent niedrigere Finanzbildung bei Frauen zurück.