APA - Austria Presse Agentur

Frau von Kim Jong-un wieder in der Öffentlichkeit

17. Feb 2021 · Lesedauer 2 min

Die Frau des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un, Ri Sol-ju, ist erstmals seit mehr als einem Jahr wieder in der Öffentlichkeit aufgetreten. An der Seite ihres Mannes habe sie am Geburtstag dessen gestorbenen Vaters Kim Jong-il ein Konzert in Pjöngjang besucht, so die Staatsmedien am Mittwoch. Dazu wurden Bilder veröffentlicht, die das Paar lächelnd nebeneinander sitzend zeigen. Der Geburtstag Kim Jong-ils wird in Nordkorea als "Tag des leuchtenden Sterns" gefeiert.

Nach Berichten der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap hatte Ri, deren Alter auf 31 Jahre geschätzt wird, im Jänner vergangenen Jahres mit ihrem Mann ebenfalls ein Konzert besucht. Seitdem war sie nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetreten. Ihre Abwesenheit hatte im Ausland Spekulationen über ihren Verbleib ausgelöst - von einer möglichen Schwangerschaft bis zu einer angeschlagenen Gesundheit.

In einem Bericht vor Abgeordneten über die Aktivitäten in Nordkorea habe Südkoreas Geheimdienst am Dienstag die Vermutung geäußert, Ri habe möglicherweise wegen der Corona-Pandemie zurückgezogen gelebt, berichtete der TV-Sender Arirang. Nordkorea ist eines der wenigen Länder, die bisher keinen einzigen Infektionsfall mit SARS-CoV-2 gemeldet haben. Das Land hat aus Furcht vor einer Verbreitung des Virus jedoch strenge Schutzmaßnahmen beschlossen.

Vom Privatleben Kim Jong-uns und seiner Frau ist wenig bekannt, auch wenn beide vor der Pandemie oft zusammen auftraten. Ri soll aus einer privilegierten Familie stammen und früher als Sängerin aufgetreten sein. Der südkoreanische Geheimdienst vermutet, dass beide gemeinsam drei Kinder haben.

In den Berichten der Staatsmedien wurde neben seinem Titel als Generalsekretär der Arbeiterpartei an zweiter Stelle auch "Präsident für Staatsangelegenheiten" verwendet - einen Herrschertitel, den er bis vor einigen Wochen noch nicht hatte. Bisher wurde er als Vorsitzender der Kommission für Staatsangelegenheiten tituliert, die als wichtigstes Entscheidungsgremium des Landes gilt. Zudem wird er auch als "oberster Führer" und "verehrter Genosse" bezeichnet.

Die Bezeichnung "president" tauche in den englischen Berichten der Staatsmedien seit dem 12. Februar auf, sagte eine Sprecherin des südkoreanischen Vereinigungsministeriums. Der Titel werde aber offensichtlich noch anders verwendet als im Fall seines Großvaters Kim Il-sung, der als "ewiger Präsident" verehrt wird. Die Sprecherin wies darauf hin, dass in den koreanischsprachigen Berichten in Nordkorea bisher zwei verschiedene Wörter für Präsident verwendet werden, wenn von Kim Jong-un und Kim Il-sung die Rede ist.

Der in Nordkorea als Staatsgründer verehrte Kim Il-sung starb 1994. Der südkoreanische Geheimdienst vermutet nach einem Bericht der Zeitung "Chosun Ilbo", Kims Titel wurde von "Vorsitzender" zu "Präsident" geändert, um den Machthaber im Rahmen einer neuen "Menschen-Zuerst"-Doktrin "menschlicher" erscheinen zu lassen.

Quelle: Agenturen