APA - Austria Presse Agentur

Frankreich lockert ab Montag Corona-Auflagen weiter

14. Juni 2020 · Lesedauer 4 min

Frankreich lockert ab Montag seine Corona-Beschränkungen weiter. Das kündigte Staatspräsident Emmanuel Macron am Sonntagabend in einer Fernsehansprache an. So dürfen etwa alle Restaurants und Cafes in Paris und Umgebung zu Wochenbeginn wieder aufmachen - gut eine Woche früher als geplant. Macron sprach von einem "ersten Sieg gegen das Virus".

Frankreich lockert ab Montag seine Corona-Beschränkungen weiter. Das kündigte Staatspräsident Emmanuel Macron am Sonntagabend in einer Fernsehansprache an. So dürfen etwa alle Restaurants und Cafes in Paris und Umgebung zu Wochenbeginn wieder aufmachen - gut eine Woche früher als geplant. Macron sprach von einem "ersten Sieg gegen das Virus".

Macron sagte, die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus habe sich in Frankreich so stark verlangsamt, dass nun das ganze Land wieder zur "grünen" Zone werde. Dies gilt erstmals auch für den Pariser Großraum, der bisher noch unter verschärfter Beobachtung der Behörden stand. Nur die Überseegebiete Französisch-Guyana und Mayotte bleiben "orange Zonen".

Die Zahl der am oder mit dem Coronavirus in Frankreich Verstorbenen ist nach amtlichen Angaben binnen 24 Stunden um neun auf 29.407 gestiegen. Damit blieb die Zahl der Totenopfer den fünften Tag in Folge unter 30. Die Zahl der bestätigten Infektionen erhöhte sich um 407 auf 157.220.

In Paris und Umland dürfen Restaurants und Cafes erstmals wieder vollständig öffnen - bisher war dies nur für die Außengastronomie erlaubt. Zudem können Pensionisten- und Pflegeheime landesweit wieder Besucher empfangen. Ab dem 22. Juni sollen zudem wieder "alle Schüler" - außer an Gymnasien - in die Schule gehen können, wie Macron betonte. In Frankreich beginnen in der Regel allerdings Anfang Juli die Sommerferien.

Steuererhöhungen solle es nicht geben, um die Milliardenkosten der Krise zu bewältigen, sagte der Staatschef. Insgesamt kämpfe der Staat mit rund 500 Milliarden Euro gegen die Krise.

"Von morgen an können wir das Kapitel der ersten Phase der Krise schließen, die wir durchmachen", sagte der Staatschef. Der Kampf gegen das Virus sei damit aber nicht beendet, betonte Macron. Die Menschen müssten noch lange mit der Pandemie leben. Er rief gleichzeitig seine Landsleute zur Einheit auf, um den Wiederaufbau im Land zu meistern.

Seine Ansprache war die vierte seit Beginn der schweren Gesundheitskrise Mitte März. Frankreich ist mit über 29.000 Toten besonders stark von der Pandemie betroffen. Laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) könnte die französische Wirtschaft 2020 im schlimmsten Fall um über 14 Prozent schrumpfen.

Macron wies darauf hin, dass auch für Franzosen von diesem Montag an Reisen in viele europäische Länder wieder möglich seien. Von 1. Juli an könnten Menschen in außereuropäische Länder reisen, in denen die Pandemie unter Kontrolle sei.

Erneut lobte der Staatschef den gemeinsam mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgelegten Plan für ein EU-Wiederaufbaupaket von 500 Milliarden Euro als einen "historischen Wendepunkt". Auch Frankreich selbst habe einen "beispiellosen" Notfallplan für die Automobil-, Luftfahrt- und Tourismusbranche auf den Weg gebracht. Nun müsse es darum gehen, möglichst viele Arbeitsplätze zu retten. Dafür solle es "massive Investitionen" zugunsten von jungen Menschen geben. Die Regierung in Paris hatte zuletzt vergangene Woche Hilfen in Höhe von 45 Milliarden Euro beschlossen.

Macron äußerte sich auch zu den jüngsten Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt in Frankreich, denen sich in der Folge der US-Proteste Zehntausende Menschen angeschlossen hatten. Die Regierung werde "unerbittlich" gegen Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierungen vorgehen, betonte der Präsident und kündigte dazu neue Entscheidungen an. Gleichzeitig stellte er sich hinter die Sicherheitskräfte. In der internationalen Debatte um Kolonial- und Sklavereigeschichte sagte Macron: "Die Republik wird keine Spur und keinen Namen ihrer Geschichte löschen."

Nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd in den USA hatten auch in Frankreich viele Menschen gegen Rassismus und Polizeigewalt protestiert. Erst am Samstag waren Tausende in Paris auf die Straße gegangen. Aufgerufen zu dem Protest in der Hauptstadt hatte die Schwester des 2016 bei einer Festnahme gestorbenen Adama Traore. Sie verglich den Fall ihres Bruders mit dem gewaltsamen Tod Floyds in den USA. Das oberste Verwaltungsgericht Frankreichs hatte das Verbot zur Versammlung von mehr als zehn Menschen gekippt, das die Regierung zum Schutz vor Ansteckungen erlassen hatte. Gewerkschaften und Menschenrechtsorganisationen waren dagegen vorgegangen, da es de facto einem Demonstrationsverbot gleichkam.

Für Juli kündigte Macron eine weitere, derartige TV-Ansprache an.

Quelle: Agenturen