Finnland beschlagnahmt Schiff nach Schaden an Unterseekabel
Das vom finnischen Telekommunikationsunternehmen Elisa betriebene Kabel zwischen Helsinki und der estnischen Hauptstadt Tallinn war den Polizeiangaben zufolge am frühen Mittwochmorgen beschädigt worden. Ein Patrouillenboot der finnischen Küstenwache und ein Hubschrauber hätten das verdächtige Schiff mit herabgelassenem Anker geortet. Die Besatzung sei angewiesen worden, den Anker zu lichten und in finnische Gewässer einzufahren.
14 Besatzungsmitglieder wurden festgenommen, wie Polizeisprecher Ilkka Koskimaki vor Journalisten sagte. Die Verdächtigen stammen demnach aus Russland, Georgien, Aserbaidschan und Kasachstan. Die 132 Meter lange "Fitburg" soll sich auf dem Weg vom russischen St. Petersburg nach Haifa in Israel befunden haben.
Die finnische Polizei ermittelte nach eigenen Angaben in Kooperation mit internationalen Behörden wegen "schwerer Sachbeschädigung, versuchter schwerer Sachbeschädigung und schwerer Störung der Telekommunikation". Der Kabelbetreiber Elisa erklärte, die Dienste seien durch den Vorfall nicht beeinträchtigt worden, da sie umgeleitet worden seien.
Der finnische Zoll inspizierte am Mittwochabend die Ladung des Frachters und beschlagnahmte den russischen Stahl. Nach Einschätzung von Experten der Behörde falle diese Ware unter die von der EU gegen Russland wegen des Ukraine-Kriegs verhängten Sanktionen, erklärte der Zoll. Dies werde aber noch geprüft, unterdessen bleibe der Stahl beschlagnahmt.
Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor fast vier Jahren sind in der Ostsee immer wieder wichtige Telekommunikations- und Stromkabel beschädigt worden. Fachleute gehen davon aus, dass es sich um sogenannte hybride Angriffe im Auftrag Russlands handelt.
EU laut Außenbeauftragter Kallas "wachsam"
Als mutmaßlicher direkter Verursacher der Kabelschäden gilt die sogenannte Schattenflotte von oft veralteten und unter fremder Flagge fahrenden Schiffen, mit denen Russland die im Zuge des Ukraine-Kriegs verhängten Handelssanktionen umgeht. Die NATO verstärkte wegen der Serie mutmaßlicher Sabotageakte in der Ostsee ihre Patrouillen.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas erklärte am Donnerstag, die Europäische Union bleibe "wegen des hohen Risikos von Sabotage" gegen wichtige Infrastruktur "wachsam". Diese Infrastruktur solle besser geschützt werden, unter anderem durch Investitionen in neue Kabel, verstärkte Überwachung, einen Ausbau der Reparaturkapazitäten und das Vorgehen gegen die russische Schattenflotte, die "auch als Startrampe für hybride Angriffe dient", schrieb Kallas im Onlinedienst X.
Zusammenfassung
- Das Schiff transportierte russischen Stahl, der vom finnischen Zoll beschlagnahmt wurde, da er nach Einschätzung von Experten unter die EU-Sanktionen gegen Russland fallen könnte.
- Die EU und die NATO reagieren auf eine Zunahme mutmaßlicher Sabotageakte gegen kritische Infrastruktur in der Ostsee mit verstärkten Patrouillen und fordern besseren Schutz sowie Maßnahmen gegen die russische Schattenflotte.
