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Fieber und Isolationshaft: "Große Sorgen" um kranken Nawalny

13. Jan. 2023 · Lesedauer 3 min

Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny ist krank. Hilfe soll ihm in Haft aber verwehrt werden, kritisierte sein Anwalt.

Unterstützer und Angehörige äußerten sich besorgt über den Gesundheitszustand des in einem russischen Straflager inhaftierten Kreml-Gegners Alexej Nawalny.

Anwalt: Medizinische Hilfe verwehrt

Der 46-Jährige habe erneut einen Gerichtstermin nicht wahrnehmen können, weil er zu krank dafür sei, gab seine Sprecherin Kira Jarmysch auf Twitter bekannt. Nawalnys Anwalt kritisierte bereits vor wenigen Tagen, dass sein Mandant in eine Isolationszelle gesperrt unter Fieber, Schüttelfrost und Husten leide, ihm aber medizinische Hilfe verwehrt werde.

Auch Nawalny selbst schrieb kürzlich auf Twitter über seine Isolationshaft: "Alles, was Sie über die Schrecken und faschistischen Verbrechen unseres Gefängnissystems lesen, ist wahr. Es gibt nur eine Korrektur: Die Realität ist noch schlimmer", so der Kreml-Kritiker.

290 Ärzte fordern Behandlung für Nawalny

Die Frau des Kreml-Kritikers, Julia Nawalnaja, wandte sich an die Leitung der Strafkolonie in Melechowo mit der eindringlichen Bitte, ihrem Mann Medizin zukommen zu lassen. Außerdem hatten sich Anfang der Woche 290 russische Ärzt:innen in einem offenen Brief an Präsident Wladimir Putin gewandt und sich für die Behandlung Nawalnys eingesetzt. "Die Haftbedingungen und das äußere Erscheinungsbild von Alexej Nawalny bereiten uns große Sorgen um sein Leben und seine Gesundheit", hieß es in dem Schreiben unter anderem. "Wir fordern ein Ende der Misshandlung von Alexej Nawalny", betonen die Mediziner weiter. 

Deutsche Bundesregierung besorgt

Auch die deutsche Bundesregierung ist besorgt über den Gesundheitszustand des russischen Oppositionspolitikers. Der Zustand des 46-Jährigen sei angesichts unmenschlicher Haftbedingungen und Isolationshaft kritisch, sagte eine Regierungssprecherin in Berlin am Freitag. Nawalny brauche "dringend medizinische Hilfe". Sie forderte die russischen Behörden auf, dies "umgehend und vollumfänglich zu ermöglichen".

Die deutsche Regierung sei bemüht, sich für Nawalny einzusetzen, dies sei allerdings auch im Kontext des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine derzeit schwierig. Zudem halte die Bundesregierung an ihrer Forderung fest, Nawalny unverzüglich freizulassen, sagte die Sprecherin. Der Oppositionspolitiker setze sich für die Rechtstaatlichkeit und Freiheit und damit auch für die Werte der westlichen Welt ein. Das Vorgehen der russischen Behörden solle den Menschen im Land zeigen, dass das Schicksal Nawalnys allen blühen könne, die sich für solche Werte starkmachten. "Es geht um die Einschüchterung der eigenen Bevölkerung."

Nawalny war im Januar 2021 nach der Rückkehr aus Deutschland in seiner Heimat festgenommen und wegen Verstoßes gegen Bewährungsauflagen und Betrugs zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden.

Dijana DjordjevicQuelle: Agenturen / Redaktion / ddj