"Pro und Contra": "Sehe nicht ein, mich totzuschuften"

17. Jan. 2023 · Lesedauer 3 min

Im Talk-Format "Pro und Contra" diskutierte am Dienstag eine hochkarätige Runde mit kontroversen Positionen über den Arbeitsmarkt und Österreichs aktuellen Personalmangel.

Bei "Pro und Contra" diskutierten unter anderem Jugend-Staatssekretärin Claudia Plakolm (ÖVP) und der designierte Chef der sozialdemokratischen Gewerkschafter, Josef Muchitsch, über den heimischen Arbeitsmarkt und die Gründe für den Personalmangel.

ÖVP wollte Änderungen für Arbeitslose

Plakolm trauerte immer noch der gescheiterten Reform der Arbeitslosenversicherung nach. Zur Erinnerung: Anfang Dezember waren die Verhandlungen zwischen ÖVP und Grünen über die lange geplante Reform der Arbeitslosenversicherung endgültig geplatzt.

Die ÖVP wollte die Möglichkeiten des Zuverdienstes für Arbeitslose deutlich einschränken. Auch gab es seitens der ÖVP das Modell eines degressiven, also stufenweise sinkenden Arbeitslosengeldes. Das Arbeitslosengeld wäre den Staat anfangs teuer gekommen, aber dann gesunken. "Das wäre in Wahrheit das Herzstück der Arbeitlosenversicherungsreform gewesen, dass man Anreize setzt, Menschen, die derzeit nicht in Beschäftigung sind, in Beschäftigung zu bringen", sagte Plakolm.

Österreich habe derzeit viele offene Stellen, "und da braucht es auch Anreize, die zum Beispiel zu Weiterqualifizierung führen können", meinte Plakolm, die auch JVP-Chefin ist. Es sei der falsche Zugang, es weiter attraktiv zu halten, "noch mehr dazuzuverdienen, wenn man schon arbeitslos ist", so Plakolm. Die Reform hätte Österreich 165 Mio. Euro gespart und 15.000 Menschen in Beschäftigung gebracht, meinte sie.

Fachkräftemangel teilweise "hausgemacht"

Der SPÖ-Abgeordnete und Gewerkschafter Muchitsch hielt von den gescheiterten Reformplänen der ÖVP ohnehin nichts. Er warf der ÖVP-geführten Regierung einen teilweise "hausgemachten Fachkräftemangel" vor. Es gebe viele Branchen mit "schlechten Arbeitsbedingungen", ohne "planbare Freizeiten" und mit "einem niedrigen Einkommen". Gerade im Dienstleistungsbereich fehle es häufig an Wertschätzung für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Muchitsch wünschte sich auch einen schnelleren Zugang von Asylwerbern zum Arbeitsmarkt – "mit begleitenden Maßnahmen aus der Politik".  ÖVP-Staatssekretärin Plakolm erteilte der Forderung wie erwartet eine Absage. Dass die türkis-grüne Regierung das Drittstaaten-Kontingent erhöhe und Arbeitnehmer auf neun Monate befristet nach Österreich hole, sei keine Lösung, ärgerte sich Muchitsch. Der Steirer denkt bei einer Öffnung des Arbeitsmarktes für Asylwerber insbesondere auch an die Lehre.

Generationenkonflikt

Gert Kunze, Chef des berühmten Wiener Cafés Eiles, sagte über die Stimmung auf dem Arbeitsmarkt: "Es gibt auch keine Wertschätzung der Mitarbeiter mehr. Die Mitarbeiter kommen mit einem Forderungskatalog: 'Das will ich, das will ich.' Da hat sich viel verändert." Die junge Selbstständige Frederika Ferková sagte hingegen: "Es ist halt so, dass die Generation vor uns sich noch etwas erarbeiten konnte. Das geht jetzt nicht mehr. Und deswegen sehe ich nicht ein, dass ich mich zu Tode schuften soll."

Quelle: Redaktion / kap