APA - Austria Presse Agentur

Favorit Roland Weißmann ist neuer ORF-Generaldirektor

10. Aug 2021 · Lesedauer 3 min

Er ging als von der ÖVP favorisierter Kandidat ins Rennen um den Chefsessel am Küniglberg - nun ist er ab 1. Jänner 2022 ORF-Generaldirektor.

Der 53-jährige gebürtige Linzer Roland Weißmann wurde am Dienstag im Stiftungsrat mit türkis-grüner Unterstützung mit 24 Stimmen gewählt. Der amtierende ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz erhielt 6 Stimmen. ORF 1-Channelmanagerin Lisa Totzauer kam auf 5 Stimmen - davon zumindest drei von FPÖ-nahen Stiftungsräten. ORF-Vize-Technikdirektor Thomas Prantner als auch Harald Thoma erhielten keine Stimmen. "Der neue ORF-Generaldirektor Roland Weißmann verbindet journalistische, programmwirtschaftliche und digitale Kompetenz und er ist vor allem ein Teamplayer - genau das braucht der ORF für seine Zukunft", sagte Thomas Zach, Leiter des bürgerlichen "Freundeskreises".

Plaikner: Weißmann ist ORF-Chef mit "sehr viel Vorbehalt"

Weißmann hatte auch bisher schon mehrere gewichtige Positionen im ORF inne - nun führt er den größten heimischen Medientanker als Kapitän von der Brücke. Seinem Bewerbungskonzept zufolge darf sich das Publikum auf einen digitaleren, jüngeren und diverseren ORF einstellen, der die unter Wrabetz etablierte Direktionsstruktur (vorerst) beibehält und die Landesstudios mit mehr Ressourcen ausstattet. Weißmann agiert seit 2012 als "Chefproducer Fernsehen", womit er das größte Programmbudget im ORF verwaltet. Seit 2017 ist er zudem Vizefinanzdirektor. 2016 war er vom damals frisch wiederbestellten ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz zunächst sogar als Kaufmännischer Direktor vorgesehen. Nachdem der ÖVP-"Freundeskreis" im obersten ORF-Gremium den Preis für die Zustimmung zu Wrabetz' Direktorenteam aber immer weiter in die Höhe schraubte, wurde es doch nichts mit dem Posten des Finanzdirektors.

Weißmann ist seit 1995 im ORF

Wrabetz machte den am 16. März 1968 geborenen Weißmann schließlich zum stellvertretenden Finanzdirektor, auch weil Weißmann nach dem Ausscheiden des Wrabetz knapp unterlegenen Richard Grasl die Rolle als Verbindungsglied zum türkisen "Freundeskreis" im ORF-Stiftungsrat übernahm. Weißmann nahm etwa an Treffen bürgerlicher Stiftungsräte oder einem Seminar von "Freundeskreis"-Leiter Thomas Zach in Südfrankreich teil - nach vorheriger Genehmigung der Generaldirektion.

Weißmanns Karriere im ORF ist eng mit dem Namen Grasl verbunden. Nach dem Publizistik- und Geschichtsstudium landete er 1995 im aktuellen Dienst im ORF-Landesstudio Niederösterreich. Nach Zwischenstopps als Chef vom Dienst bei Ö3 und als stellvertretender Chronikressortleiter in der ORF-Radioinformation, zog es Weißmann, der in seiner Freizeit Ausgleich beim Laufen und Boxen sucht, erneut nach Niederösterreich, wo er ab 2003 stellvertretender Chefredakteur unter Richard Grasl war.

Weißmann gilt als gut vernetzt in der ÖVP

Ab 2007 war er als Fernsehchef dann für die tägliche Sendung "NÖ heute" mitverantwortlich. Beginnend mit 2010 war Weißmann Grasls Büroleiter in der ORF-Finanzdirektion und beschäftigte sich seitdem intensiv mit wirtschaftlichen und finanziellen Themen. ORF-intern wird dem gelernten Journalisten inzwischen hohe Sachkompetenz in Finanz- und Budgetthemen attestiert. Grasl machte seinen langjährigen Wegbegleiter auch zum "Chefproducer Fernsehen". In dieser Funktion hatte Weißmann ein rund 400 Millionen Euro schweres Budget zu verwalten. 2020 wurde Weißmann von Wrabetz dann auch noch zum dritten Geschäftsführer von ORF.at und Verantwortlichen für die geplante Streamingplattform ORF-Player bestellt.

Weißmann gilt als gut vernetzt ins bürgerliche Lager und in die ÖVP. Während ihm Kritiker dabei Willfährigkeit unterstellen, beschreiben ihn andere als verbindlich, verlässlich und professionell. "Die Unabhängigkeit der Redaktion ist für mich das Wichtigste", meinte er im Vorfeld der Wahl. Im ORF-Wahlkampf betonte er, nicht Kandidat einer Partei zu sein und möglichst viele Stiftungsratsstimmen hinter sich vereinen zu wollen. Dass er dennoch immer wieder als ÖVP-Wunschkandidat gehandelt werde, erklärte er mit: "Es ist die Zeit der Zuspitzung".

Quelle: Redaktion / koa