Experten fordern "kurzen, harten Lockdown" bei "Milborn"

17. Nov 2021 · Lesedauer 4 min

Andreas Valentin von der Klinik Donaustadt sieht bei "Milborn" Zustände, wie er sie sich mit 30-jähriger Erfahrung als Intensivmediziner niemals hätte vorstellen können. Er fordert genau wie Hotelier Schellhorn einen "kurzen, harten Lockdown" als Notfallmaßnahme.

"Wie schlimm kann es noch werden?", fragte Corinna Milborn in einem Milborn Spezial am Mittwoch. Die Antworten gaben Christiane Druml, Vorsitzende der Bioethik-Kommission, der Leiter der 1. Medizinischen Abteilung der Klinik Donaustadt, Andreas Valentin, Krone-Chefredakteur Klaus Hermann und Hotelier Sepp Schellhorn.

Valentin: Hätte mir jetzige Situation nicht vorstellen können

Mediziner Andreas Valentin bezeichnet die Lage in Österreichs Spitälern als "ernst", nämlich nicht nur für die, die auf der Intensivstationen liegen, sondern für alle. Allein am Mittwoch seien vier volle Intensivstationen dazugekommen, rechnet der Arzt vor. Die Ressourcen, das zeichnet sich ab, werden aber nicht reichen, zurzeit vor allem nicht in Salzburg. Wenn die Triage, die in Salzburg und Oberösterreich bereits vorbereitet wird, eintritt, sei das eine Lage, in der kein Mediziner in Österreich bisher war. Wenn Patienten eine Chance hätten, aber keine Ressourcen vorhanden seien, sei das "einen Schritt weiter" als alles, was Intensivärzte sonst entscheiden müssen. 

Mediziner Valentin verlangt nach einem "kurzen, harten Lockdown", sonst könne man die momentane Dynamik "in keiner Weise bremsen". Er sei seit über 30 Jahren Intensivmediziner und hätte sich eine Situation wie die derzeitige nicht vorstellen können. Wenn jemand sage, sein Immunsystem sei stark genug und er deshalb keine Impfung brauche, könne der Arzt nur erwidern, dass das "absoluter Blödsinn" sei. Das Warten auf den Totimpfstoff, was einige tun, könne tödlich sein, warnt er.

Hermann: Politisches Hickhack "schreckliches Schauspiel"

"Krone"-Chefredakteur Klaus Hermann macht die Wahlen in Oberösterreich und davor in Wien für das Zögern beim Verhängen von Maßnahmen verantwortlich. "Natürlich hat die Politik Rücksicht genommen und auf die Impfgegner geschielt." Das hätte aber sowieso nichts gebracht, wie die Wahlergebnisse in Oberösterreich zeigten. Dort sitzt die Impfgegner-Partei MFG im Landtag. Man zanke nun mehr herum in der Politik als im Frühling, als ebenfalls gezögert wurde. Es sei "ein schreckliches Schauspiel", wenn man der Politik zuschaue. 

Innerhalb der ÖVP gehen laut "Krone"-Chefredakteur Hermann die Meinungen weit auseinander. Nicht alle denken wie Oberösterreichs Landeshauptmann Haslauer. Der stehe in einem Eck, aus dem er nicht herausfinde. Er müsse sich mit einem Lockdown schön langsam anfreunden, um die Situation zu entschärfen. 

Hotelier Schellhorn: Jetzt Lockdown, um halben Winter zu retten

Ein Grund, warum sich die Regierung gegen den Lockdown sträubt, ist, um den Tourismus zu schonen. Doch Hotelier und Ex-NEOS-Mandatar sagt, aus unternehmerischer Sicht wäre ihm ein harter Lockdown lieber, um wenigstens den halben Winter zu retten. Solange eine Reisewarnung in Deutschland besteht, kämen die Urlauber nicht. Es werde storniert, Urlauber weichen nach Südtirol aus, wo die Inzidenzen niedriger sind. Ein Lockdown mache jetzt Sinn, wenn man zögere, seien auch Jänner und Feber kein Thema mehr. 

Intensivmediziner Valentin vermutet, dass die österreichische Impffaulheit zum Teil an einem Widerstand gegen die Obrigkeit liegt und man zum Teil die Menschen einfach nicht erreiche. Es würden Gerüchte existieren, die absolut nichts mit Rationalität zu tun haben. Die geplante Impfpflicht für Gesundheitspersonal sei richtig. Jede Impfung zähle, aber für die Zukunft. Jetzt helfe sie wenig, weil sie zu spät komme.

Impfpflicht ohne Sanktionen? 

Eine Impfpflicht - auch für alle - wäre laut Christiane Druml rechtlich in Österreich möglich und eine Pandemie keine Privatsache. Gerade "das Gesundheitspersonal trifft eine besondere Verantwortung". Es könne doch nicht sein, dass die geimpften 80 Prozent des Pflegepersonals die Arbeit der anderen machen müssen.

Impfgegner sind sehr laut - das merke der "Krone"-Chefredakteur auch an Mails nach impf-positiven Artikeln. Laut ihm könnte auch eine echt österreichische Lösung kommen - eine Impfpflicht ohne Sanktionen. Wer sich nicht impfen lässt, bekommt also keine Strafe. Wenn man aber zum Beispiel als Lehrer oder im Gesundheitswesen andere ansteckt, könne man so bestraft werden. 

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam