Europas Politiker gedenken der 9/11-Opfer

11. Sept 2021 · Lesedauer 5 min

Zum 20. Jahrestag der Anschläge am 11. September hat US-Präsident Joe Biden die USA zur nationalen Einheit aufgerufen. Das sei die größte Stärke der USA im Angesicht der Not, sagte Biden in einer im Weißen Haus aufgezeichneten Ansprache. Auch Europas Spitzenpolitiker gedenken den Opfern des Anschlags.

Zahlreiche europäische Spitzenpolitiker haben zum 20. Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 auf die USA an die Opfer und Helfer von damals erinnert. "Am 11. September gedenken wir derer, die ihre Leben verloren haben, und würdigen die, die alles riskiert haben, um ihnen zu helfen," schrieb EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Samstag auf Twitter.

Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen twitterte, dass der Anschlag ein "Schock" war, der "unendliches Leid über die Familien der Opfer gebracht" hat. In seinem Posting rief er zum Miteinander auf und dazu, die "unsere Werte" zu schützen und zu verteidigen. Denn "Terror will verunsichern und Streit säen. Der Anschlag galt unserer freien Gesellschaft, einem Leben in Gemeinschaft, in Toleranz, in Respekt füreinander. Dem Leben in einer liberalen Demokratie. Ein Leben, das Terroristen offenbar hassen", so Van der Bellen.

Auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) gedachte der Opfer von 2001: "Heute jähren sich zum 20. Mal die abscheulichen 9/11 Terroranschläge in den USA, darunter auf das World Trade Center in New York", schrieb Kurz bei Twitter. In einem weiteren Tweet meinte der Kanzler: "Wir müssen weiterhin gemeinsam mit den USA entschieden gegen islamistischen Terror & gegen Radikalisierung ankämpfen!"

Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) warnte auf Twitter vor der immer noch vorhandenen Gefahr des Terrorismus: "Wir werden auch weiterhin für unsere Werte Demokratie, Menschenrechte und Freiheit einstehen." Gerade an einem Tag wie dem 11. September müsse man geschlossen gegen Extremismus auftreten, schrieb Schallenberg während eines Besuchs in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate.

"Wir gedenken der Opfer", erklärte indes der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert am Samstag auf Twitter.

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak forderte anlässlich des Jahrestages eine Gedenkstätte für die Opfer der Anschläge auch in Deutschland. "Es ist Zeit, dass wir auch in Deutschland einen Gedenkort schaffen", erklärte er auf Twitter.

Europaparlaments-Präsident David Sassoli erklärte, die Anschläge auf das World Trade Center in New York und das US-Verteidigungsministerium seien "eine offene Wunde in unseren Herzen". 20 Jahre später sei der Kampf gegen den Terrorismus immer noch nicht beendet. "Wir werden immer wachsam bleiben", betonte der Italiener.

Borrell: 9/11 war "Wendepunkt in der Geschichte"

Die Attentäter der Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA schafften es nach Worten des britischen Premierministers Boris Johnson nicht, den Glauben an Freiheit und Demokratie zu untergraben. Mit den Angriffen auf die "größte Demokratie der Welt" hätten die Terroristen versucht, das Vertrauen freier Menschen in aller Welt in offene Gesellschaften zu zerstören, sagte Johnson in einer Videobotschaft zum 20. Jahrestag. Die Menschen hätten jedoch weder ihre Werte aufgegeben noch lebten sie in dauerhafter Angst. Die britische Königin Elizabeth II. schrieb in einer Nachricht an US-Präsident Joe Biden, sie sei mit Gedanken und Gebeten bei den Opfern, Überlebenden, betroffenen Familien und Rettungskräften.

Die Europäische Union stehe an der Seite der Vereinigten Staaten, um Freiheit und Mitgefühl gegen Hass zu verteidigen, schrieb auch Von der Leyen. EU-Ratspräsident Charles Michel versicherte ebenfalls die Solidarität der EU. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell nannte die Ereignisse vom 11. September einen "Wendepunkt in der Geschichte". Die EU selbst führe heute noch fünf Einsätze mit dem Mandat, den Terrorismus zu bekämpfen.

Auch der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban gedachte der Opfer. Ungarn war vor 20 Jahren eines der ersten Länder Europas, das sich für den Kampf gegen den Terror stark gemacht habe und werde auch weiterhin Europas Grenzen verteidigen, sagte Orban im Hinblick auf "die steigende Gefahr für Europa", die er von der aktuellen Lage in Afghanistan ausgehen sieht.

20 Jahre nach 9/11: Die Wunden sind noch nicht verheilt

Auch 20 Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 sind bei Angehörigen und Betroffenen die Wunden nicht verheilt.

USA gedenken der Opfer

Biden würdigt in der Ansprache die bei den Anschlägen Getöteten und Verletzten sowie die Feuerwehrleute, Krankenschwestern und vielen anderen Helfer, die bei ihren Rettungseinsätzen ihr Leben riskiert oder verloren haben. Am 11. September 2001 hatten radikal-islamische Attentäter vier Verkehrsflugzeuge entführt. Zwei Maschinen wurden in das World Trade Center in New York gesteuert. Die Doppeltürme des Gebäudes stürzten darauf ein. Insgesamt kamen 2.977 Menschen ums Leben. Tausende wurden verletzt. Zu den Anschlägen bekannte sich die Al-Kaida von Osama bin Laden.

Laut Raimund Löw, Journalist und ehemaliger US-Korrespondent, kam es nach 9/11 zum Vertrauensverlust, von dem sich USA nicht erholt haben.

Biden verwies auf die "dunkleren Kräfte der menschlichen Natur - Angst und Wut, Ressentiments und Gewalt gegen muslimische Amerikaner, gegen wahre und treue Anhänger einer friedlichen Religion". Dies habe die amerikanische Einheit gebeugt, aber nicht gebrochen. "Für mich ist dies die zentrale Lektion des 11. Septembers, dass dann, wenn wir am verletzlichsten sind, (...) im Kampf für die Seele Amerikas, die Einheit unsere größte Stärke ist", sagte Biden. "Einheit bedeutet nicht, dass wir dasselbe glauben müssen. Wir müssen einen grundlegenden Respekt füreinander und Vertrauen zueinander und in diese Nation haben."

Biden und seine Ehefrau Jill Biden werden am Samstag New York besuchen, wo beim Einsturz des World Trade Centers 2.753 Menschen ums Leben kamen. Ein drittes Verkehrsflugzeug war in das Verteidigungsministerium (Pentagon) im nahen Arlington (Virginia) gestürzt. In Shanksville (Pennsylvania) stürzte die vierte Maschine ab. Es wird angenommen, dass sie das US-Kapitol oder das Weiße Haus, den Sitz des Präsidenten, treffen sollte. Passagiere verhinderten dies und verloren ihr Leben.

Quelle: Agenturen