Europa in Öffnungs-Euphorie: So sperren die Länder auf

18. Mai 2021 · Lesedauer 7 min

Der Mai scheint in Europa der Monat der Lockerungen zu sein: Neben Österreich kündigen auch die Niederlande, Italien und Dänemark weitere Öffnungsschritte an. Auch Großbritannien setzt weiterhin auf Lockerungen, trotz der raschen Ausbreitung der indischen Corona-Mutation. Schweden hingegen verlängert die Maßnahmen bis Juni.

Genau 198 Tage ist es her, als am 3. November der harte Lockdown ausgerufen wurde. In der Zwischenzeit wurde Vorarlberg zur Gastronomie-Testregion. Ostösterreich begab sich in die "Osterruhe" - aus der zuerst das Burgenland, dann Niederösterreich und Wien gingen. Zudem galten für einige Gemeinden, u.a. in Salzburg und Tirol, Ausreisetestpflichten. Ab Dezember startete dann die Impfkampagne. Trotz holprigen Starts erhielten mittlerweile ein Drittel der Österreich ihre erste Corona-Teilimpfung.

Nun ist es aber soweit: Österreich öffnet wieder. Ab Mittwoch, den 19. Mai öffnen die Gastronomie, Hotellerie, Freizeit- und Sportstätten wieder für Gäste und Besucher. Zuvor durften bereits der Handel und die körpernahen Dienstleistungen wieder in ganz Österreich öffnen und die Schüler sind in den Präsenzunterricht zurückgekehrt.

Weitere Lockerungen in den Niederlanden

Nicht nur Österreich bereitet sich auf größere Öffnungsschritte vor, auch die Niederlande stehen vor weiteren Lockerungen. Ab dem 19. Mai dürfen Zoos, Vergnügungsparks und Fitnessstudios wieder öffnen. Für die niederländische Gastronomie ändert sich hingegen nur die Sperrstunde. Wirte dürfen dann im Außenbereich ihre Gäste zwischen sechs Uhr und 20 Uhr bedienen – bisher war dies nur zwischen 12 Uhr und 18 Uhr möglich. Auch Bordelle dürfen ab dem 19. Mai wieder öffnen – eine Besonderheit in den Niederlanden, da dadurch auch das bekannte Rotlichtviertel in Amsterdam wieder öffnen darf.

PULS 24 Reporterin Bettina Häberlin berichtet aus Amsterdam und spricht über die Corona-Lage vor Ort.

Geschlossen bleiben hingegen weiterhin Museen, Kinos und Theater. Auch Hollands Oberstufen-Schüler dürfen nicht zurück in den Präsenzunterricht. Für sie gilt weiterhin Homeschooling, wobei ein Mal pro Woche der Unterricht in der Schule stattfindet.

Möglich machen diese Lockerungen die sinkenden Infektionszahlen. Mit Stand 17. Mai wurden in den Niederlande 2.904 Neuinfektionen bestätigt. Dennoch zählen die Niederlande laut der EU-Gesundheitsbehörde ECDC damit zu den EU-Ländern mit den höchsten täglichen Neuinfektionen.

Schweden verlängert Maßnahmen

Ebenfalls im Spitzenfeld bei den täglichen Corona-Neuinfektionen liegt Schweden. In der ersten Maiwoche lag die 14-Tages-Inzidenz bei rund 558 Fällen pro 100.000 Einwohnern. Daher verlängerte Schweden die geltenden Corona-Maßnahmen bis Anfang Juni. Ursprünglich waren Lockerungen für den 17. Mai angedacht gewesen.

Für den 1. Juni angekündigt wurden Lockerungen für Sport- und Kulturveranstaltungen. Auch soll die Gastronomie dann bis 22:30 Uhr öffnen dürfen. Im Gegensatz zu Österreich waren Lokale in Schweden nicht geschlossen, allerdings dürfen sie seit März nur bis 20:30 Uhr geöffnet haben.

Schweden hat generell in der Corona-Krise einen viel beachteten Sonderweg gewählt. Die Skandinavier entschieden sich zu weniger strikten Beschränkungen und setzten mehr auf Empfehlungen und Appelle an die Vernunft der Bürger. Dennoch sind auch in Schweden bestimmte Maßnahmen eingeführt worden, darunter eine Teilnehmerobergrenze für Veranstaltungen und Zusammenkünfte von maximal acht Personen.

In Schweden setzte man bereits 2020 auf einen anderen Kurs, als die anderen europäischen Länder.

3G-Regelung auch in Dänemark Richtwert

Schwedens Nachbarländer hingegen folgen dem europaweiten Öffnungstrend. In Dänemark beispielsweise sind Fitness- und Sportstudios wieder geöffnet, ebenso wie Kinos, Theater und Lokale. Ähnlich wie Österreich, ermöglicht auch in Dänemark ein Nachweis der 3G (Getestet, Geimpft, Genesen) den Eintritt zu diesen Einrichtungen.

Finnland und Norwegen haben ebenfalls Lockerungen angekündigt. Zuletzt hat Norwegen seine Maßnahmen für Corona-Geimpfte und Genesene geändert. Wer einen Schutz gegen Covid-19 hat, dem wird nicht länger von nicht notwendigen Reisen innerhalb Norwegens abgeraten. Dadurch werden u.a. Familienbesuche wieder möglich. Auch bei private Zusammenkünften gibt es für diese Gruppen gewisse Erleichterungen. Aktuell sind nur Treffen von maximal fünf Personen erlaubt, die nicht in einem Haushalt leben. Künftig zählen Geimpfte oder Genesene nicht mehr zu diesen fünf Personen dazu.

Großbritannien: Öffnungen trotz Virus-Mutation

Trotz der drohenden Ausbreitung der indischen Virus-Mutation, genießen die Menschen in weiten Teilen Großbritanniens wieder deutlich größere Freiheiten. Erlaubt sind seit Montag, 17. Mai, Treffen von bis zu sechs Erwachsenen oder zwei Haushalten. Im Freien dürfen sich sogar bis zu 30 Personen treffen. Die Besonderheit: Es entfällt die Mindestabstandsregel. Auch Umarmungen und Küsse zwischen Freunden und Verwandten sind wieder erlaubt.

Am 12. April feierten die Briten das Ende des Lockdowns. Geöffnet wurden da die Außenbereiche von Pubs und Restaurants sowie Geschäfte, Fitnessstudios und Friseure.

Zudem sind auch Museen, Zoos, Kinos, Theater und Sportstätten wieder geöffnet, ebenso wie Hotels und die Innengastronomie. Speis und Trank dürfen allerdings nur am Tisch konsumiert werden. Bestehen bleibt jedoch die Quarantänepflicht für Heimkehrer aus dem Auslandsurlaub, denn nur wenige Länder – aus der EU nur Portugal – stehen auf der "grünen Liste". Die Quarantänepflicht entfällt nur für Personen, die in ein Land auf dieser Liste reisen.

Trotz all der Euphorie schließt der britische Gesundheitsminister Matt Hancock regionale Lockdowns nicht aus. Diese drohen aktuell Regionen wie Bolton oder Blackburn. Hier verbreitete sich die Corona-Mutation besonders rasch. Bisher plant die Regierung, am 21. Juni alle Corona-Restriktionen aufzuheben. Das soll nun aber am 14. Juni noch einmal überprüft werden.

Italien öffnet schrittweise

Öffnungs-Euphorie herrscht auch bei unserem südlichsten Nachbarland. Seit dem 16. Mai öffnet Italien schrittweise. Die Quarantänepflicht für Urlauber wurde bereits aufgehoben. Ab Samstag den 22. Mai werden dann Einkaufszentren sowie Seilbahnen wieder aufgemacht. Auch die nächtliche Ausgangssperre wird zukünftig um 23 Uhr beginnen, statt wie zuvor um 22 Uhr. Diese wird dann ab dem 7. Juni weiter nach hinten verlegt, und zwar auf Mitternacht. Komplett abgeschafft wird das Ausgangsverbot erst am 21. Juni.

Italien lockerte am 16. Mai die Einreiseregeln. Urlauber müssen beim Italien-Urlaub ab sofort nicht mehr in Quarantäne.

Für die Gastronomie soll es Anfang Juni zu weiteren Lockerungen kommen. Dann dürfen italienische Wirte ihre Gäste wieder in den Innenräumen ihrer Restaurants begrüßen. Zudem wird auch das Essen an der Bar-Theke von 5 Uhr bis 18 Uhr erlaubt. Danach dürfen Bars Gäste nur noch im Freien bedienen oder Takeaway-Dienste anbieten.

Erste Sportveranstaltungen und Wettbewerbe im Freien mit Zuschauern sollen ebenfalls ab 1. Juni wieder stattfinden. Ein Monat später dürfen 25 Prozent der Plätze in Stadien und Arenen bis zu maximal 1.000 Personen im Freien und 500 in Hallen besetzt werden. Sporthallen öffnen bereits ab dem 24. Mai, Hallenbäder ab dem 1. Juli. Dann können auch öffentliche und private Bildungskurse wieder in Präsenz erfolgen. 

Auch für Veranstaltungen hat Italien bereits einen Plan. Ab dem 15. Juni sind Feiern wie Hochzeiten, Taufen oder Schulabschlüsse wieder erlaubt. Freizeitparks und Kulturstätten öffnen erst im Juli wieder. Discos, Nachtklubs und andere Tanzlokale bleiben auch im Freien weiter geschlossen. 

Deutschland setzt auf "Notbremse" - Russland fürchtet Anstieg

In Deutschland zeigt man sich angesichts bundesweiter Öffnungsschritte weiterhin vorsichtig. Richtwert für regionale Öffnungsschritte ist eine Sieben-Tages-Inzidenz von 100. Ab dieser Schwelle gilt die bundesweit verabredete "Notbremse" mit Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen. Unterhalb dieses Wertes in Landkreisen und Städten können deutsche Bundesländer Öffnungsschritte setzen. Mittlerweile liegen nur mehr die Bundesländer Sachsen (105) und Thüringen (118) über dieser Schwelle.

Der Bundestag in Deutschland hat im April eine bundeseinheitliche Notbremse gegen die dritte Corona-Welle beschlossen. 

In Russland hingegen fürchtet man einen weiteren Anstieg der Corona-Neuinfektionen. In ganz Russland wurde vergangenen Freitag, 14. Mai, mit 9.462 Fällen die höchste Zahl von Neuinfektionen seit Ende März registriert. Ein strenger Corona-Lockdown galt in Russland nur im Frühjahr 2020. Die späteren - relativ milden - Corona-Einschränkungen wurden zu Beginn dieses Jahres größtenteils aufgehoben. Die wichtigste Maßnahme, die noch in Kraft ist, ist eine Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und Geschäften.

Angela PerkonigQuelle: Agenturen / Redaktion / pea