APA - Austria Presse Agentur

EU will 3,5 Mio. Euro für Flüchtlinge in Bosnien geben

03. Jan 2021 · Lesedauer 2 min

Die EU hat finanzielle Hilfe für hunderte Flüchtlinge im Nordwesten Bosniens in Aussicht gestellt, die nach dem Brand ihres Lagers obdachlos geworden sind. Der Außenbeauftragte Josep Borrell kündigte am Sonntag an, dass die EU bereit sei, zusätzliche 3,5 Millionen Euro für humanitäre Hilfe an Bosnien zu zahlen. Gleichzeitig forderte er das Land auf, ein neues Flüchtlingslager für die derzeit obdachlosen Menschen zu errichten.

Das ehemalige Flüchtlingslager nahe der Gemeinde Lipa war am 23. Dezember durch einen Großbrand zerstört worden. Seitdem gelang es der bosnischen Regierung nicht, eine neue Unterkunft für die Flüchtlinge bereitzustellen.

Borrell warnte, dass rund 900 Menschen immer noch auf dem Gelände des zerstörten Lagers Wind und Wetter ausgesetzt und 800 weitere in der Region ohne Obdach seien. "Winterfeste Unterkünfte sind eine Voraussetzung für menschenwürdige Lebensbedingungen, die jederzeit gewährleistet sein müssen", betonte er.

Die Infrastruktur des Lagers war bei dem Brand am 23. Dezember vollständig von den Flammen vernichtet worden. Die Polizei untersucht, ob ehemalige Bewohner das Lager angezündet hatten, um gegen eine Entscheidung der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zu protestieren.

Die Helfer der IOM hatten sich einen Tag vor dem Heiligen Abend aus dem Lager zurückgezogen, da es nicht ausreichend mit Strom, Wasser und Heizwärme versorgt wurde. Das Camp in Lipa war im April als provisorische Unterkunft eingerichtet worden.

Die EU-Kommission und die IOM fordern die Wiedereröffnung eines Flüchtlingslagers in einer verlassenen Fabrik in Bihac, doch die örtlichen Behörden sperren sich dagegen. Vergangene Woche hatten die Behörden versucht, die Flüchtlinge mit Bussen in eine ehemalige Kaserne im Süden des Landes zu bringen. Das Vorhaben scheiterte jedoch am Protest bosnischer Anrainer.

Bereits am Samstag hatte Brüssel die Bedingungen für die Flüchtlinge als "völlig inakzeptabel" bezeichnet. Der EU-Sondergesandte für Bosnien, Johann Sattler, warnte nach einem Treffen mit dem bosnischen Sicherheitsminister Selmo Cikotić, dass das Leben der Flüchtlinge ernsthaft in Gefahr sei.

Bei dem Treffen mit Cikotić waren auch die Botschafter Deutschlands, Italiens sowie Österreichs Botschafterin Ulrike Hartmann dabei. Österreich stellt der IOM eine Million Euro für die humanitäre Versorgung von Flüchtlingen und Migranten in Bosnien und Herzegowina zur Verfügung. Die Hilfe wird über die Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit - Austrian Development Agency (ADA) - für die Betreuung vor allem von Frauen, Kindern und unbegleiteten Minderjährigen bereitgestellt. Bereits in den nächsten Tagen werde der österreichische Beitrag zur Verfügung stehen, erklärte eine Sprecherin des Außenministeriums der APA am Sonntag.

Bosnien liegt auf der sogenannten Balkanroute. Die Menschen fliehen vor Krieg und Armut aus dem Nahen Osten, Asien und Afrika nach Westeuropa. In Bosnien leben derzeit etwa 8.500 Flüchtlinge.

Quelle: Agenturen