Enormes Medieninteresse am Spionage-Prozess gegen Egisto Ott
Aufgrund der laufenden Renovierung des Großen Schwurgerichtssaales steht nämlich der mit Abstand größte Verhandlungssaal derzeit nicht zur Verfügung. Zum Auftakt wird daher im Saal 401 verhandelt, einem provisorischen Saal, in dem aktuell auch die Causa Wienwert über die Bühne geht. Im so genannten 401er könnte es recht eng werden. Zahlreiche Medienschaffende aus dem In- und Ausland wollen dabei sein, wenn Egisto Ott zu den wider ihn gerichteten Vorwürfen - vor allem geheime nachrichtendienstliche Tätigkeit zugunsten Russlands, Missbrauch der Amtsgewalt und Bestechlichkeit - Stellung nimmt. Ott bestreitet sämtliche Anschuldigungen vehement.
"Aufgrund des großen Interesses von ausländischen und inländischen Medien ersucht das Landesgericht für Strafsachen Wien mit Wartezeiten beim Eingang zu rechnen und pro Medium nur eine Vertreterin bzw. einen Vertreter zu entsenden", verlautbarte Gerichtssprecherin Christina Salzborn am Dienstag. Ein Erscheinen deutlich vor 9.00 Uhr wird empfohlen, Geduld bei den Sicherheitskontrollen im Eingangsbereich dürfte gefragt sein. "Für private Besucherinnen und Besucher sind kaum Plätze vorhanden. Es wird ersucht, das zu berücksichtigen. Im Saal gibt es kein WLAN", hielt Salzborn fest.
Am ersten Verhandlungstag dürfte Ott spätestens zu Mittag zu Wort kommen, nachdem die Staatsanwälte ihre Anklage vorgetragen und Otts Rechtsvertretung repliziert haben. Die Staatsanwaltschaft Wien wird mit zwei Staatsanwälten - darunter dem Anklage-Verfasser - und einer Staatsanwältin an der Verhandlung teilnehmen. Ott hat eine neue Rechtsvertretung, nachdem seine bisherigen Verteidiger Mitte Dezember ihr Mandat zurückgelegt haben.
Für die Beschuldigteneinvernahmen sind die ersten beiden Verhandlungstage vorgesehen. Zeuginnen und Zeugen sind erst für die Termine im Februar geladen. Ausgeschrieben ist die Verhandlung gegen Ott und einen mitangeklagten Polizisten vorerst bis Anfang März, wobei insgesamt zehn Verhandlungstage anberaumt sind.
Die 172 Seiten starke Anklageschrift geht mit dem mittlerweile 63-jährigen Ott hart ins Gericht. Ott habe den russischen Nachrichtendienst unterstützt und russische Interessen gefördert, wird ihm vorgeworfen: "Er tätigte die Unterstützungshandlungen als österreichischer Polizeibeamter des BVT (...) und zuletzt als suspendierter Polizeibeamter des BMI." Die inkriminierten Handlungen hätten "die nationale Sicherheit der Republik Österreich beeinträchtigt."
Zusammenfassung
- Das enorme Medieninteresse führt aufgrund von Renovierungsarbeiten zu Platzproblemen im provisorischen Saal 401, weshalb das Gericht pro Medium nur eine Person zulässt und mit langen Wartezeiten sowie fehlendem WLAN rechnet.
