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Durchhalteparolen in der Ukraine am 100. Kriegstag

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Mit Durchhalteparolen hat die Ukraine den 100. Tag der russischen Invasion begonnen. "Heute kämpfen und halten wir jeden Meter der Region Luhansk", sagte Regionalgouverneur Serhij Gajdaj am Freitag.

Schwer umkämpft ist die Stadt Sjewjerodonez. Das russische Militär hat nach eigenen Angaben in der Nacht bei massiven Luftschlägen mehr als 360 ukrainische Soldaten getötet. Nach Einschätzung britischer Geheimdienste kontrolliert Russland schon über 90 Prozent der Luhansk-Region.

"Insgesamt sind durch Schläge der Luftwaffe mehr als 360 Nationalisten sowie 49 Waffensysteme und Militärfahrzeuge vernichtet worden, darunter eine Funkstation für die Luftraumüberwachung in Slowjansk in der Donezker Volksrepublik", sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow. Neben Kampf- und Schützenpanzern seien auch mehrere Raketenwerfer vom Typ "Grad" und vier Munitionsdepots für die ukrainischen Artillerie- und Raketenstreitkräfte im Donbass-Gebiet beschossen worden. Daneben seien Dutzende Gefechtsstände und im südukrainischen Gebiet Mykolajiw auch ein Punkt zur Steuerung von Drohnen getroffen worden, sagte Konaschenkow.

Es sei wahrscheinlich, dass Moskau dort in den kommenden zwei Wochen vollständig die Kontrolle übernehme, hieß es am Freitag in einem Update des britischen Verteidigungsministeriums. Diese taktischen Fortschritte, die durch die Konzentration russischer Truppen in einer einzigen Region erreicht worden seien, hätten Moskau aber erhebliche Ressourcen gekostet, hieß es weiter. An allen anderen Fronten sei es den Russen nicht gelungen, Fortschritte zu machen. Dort seien sie stattdessen mittlerweile in der Defensive.

"80 Prozent der Stadt von Russen kontrolliert"

In den vergangenen hundert Tagen hätten die russischen Angriffe in der Region 33 Krankenhäuser, 237 ländliche Gesundheitseinrichtungen, fast 70 Schulen und 50 Kindergärten zerstört, so Gajdaj. Sjewjerodonezk ist die letzte Bastion der Ukrainer in der Region Luhansk. Nach Gajdajs Angaben vom Vortag kontrollieren die russischen Truppen 80 Prozent der Stadt. Ukrainische Soldaten halten sich demnach noch im Industriegebiet der Stadt verschanzt.

"Im Zentrum von Sjewjerodonezk halten die Kämpfe an", teilte der ukrainische Generalstab in seinem Lagebericht am Freitag mit. Der Feind beschieße die ukrainischen Stellungen in der Stadt, in den Vororten Boriwsk und Ustyniwka sowie in der Zwillingsstadt Lyssytschansk, die mit Sjewjerodonezk einen Ballungsraum bildet.

Zudem berichtete der Generalstab von Luftangriffen auf die Ortschaft Myrna Dolyna und erfolglosen Erstürmungsversuchen der städtischen Siedlungen Metjolkine und Bilohoriwka in unmittelbarer Nähe von Sjewjerodonezk. Auch der Versuch, durch Angriffe im Raum Bachmut den Ballungsraum weiter westlich von den Versorgungslinien abzuschneiden, ist nach Angaben aus Kiew bisher gescheitert.

Fünf Angriffe zurückgeschlagen

In Richtung Slowjansk, Teil eines Ballungsraums im Gebiet Donezk mit etwa einer halben Million Einwohner, kommen die russischen Angriffe ebenfalls nur langsam voran. Von Lyman aus seien Sturmversuche unternommen worden, die Kämpfe hielten an, teilte der Generalstab mit. Angriffe von Norden aus seien unter hohen feindlichen Verlusten abgewehrt worden.

An anderen Frontabschnitten gibt es aufgrund der russischen Konzentration auf Sjewjerodonezk keine aktiven Bodenoffensiven. Allerdings ist vielerorts die russische Artillerie im Einsatz, teilweise auch die Luftwaffe. Die ukrainischen Truppen hätten innerhalb der vergangenen 24 Stunden fünf Angriffe zurückgeschlagen und dabei fünf Kampfpanzer, drei Artilleriesysteme und zwei Schützenpanzer vernichtet, heißt es aus dem Generalstab. Für sämtliche Angaben gibt es keine Bestätigung aus unabhängiger Quelle.

Zu Sjewjerodonezk sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in der Nacht, die Verteidiger hätten im Kampf einige Erfolge erzielt. Es bleibe jedoch "derzeit das schwierigste Gebiet". Am Donnerstag hatte Selenskyj gesagt, dass die russischen Streitkräfte mittlerweile "rund 20 Prozent" des ukrainischen Staatsgebiets kontrollierten. Vor dem Einmarsch am 24. Februar seien es gut 43.000 Quadratkilometer gewesen, mittlerweile hätten sie fast 125.000 Quadratkilometer erobert. Russland hatte bereits 2014 die Halbinsel Krim annektiert und im Osten kontrollierten pro-russische Separatisten rund ein Drittel der Bergbauregion Donbass.

ribbon Zusammenfassung
  • Mit Durchhalteparolen haben die ukrainischen Behörden den 100. Tag der russischen Invasion begonnen.
  • "Heute kämpfen und halten wir jeden Meter der Region Luhansk", sagte Regionalgouverneur Serhij Gajdaj am Freitagmorgen.
  • Das ukrainische Militär hält nach eigenen Angaben weiter Stellungen in der schwer umkämpften Großstadt Sjewjerodonezk, dem Verwaltungszentrum von Luhansk im Osten der Ukraine.