APA - Austria Presse Agentur

Donald Trump und seine "Proud Boys"

01. Okt 2020 · Lesedauer 3 min

Der US-Präsident appellierte bei der TV-Debatte gegen Joe Biden an die "Proud Boys" – kurz darauf will er sie nicht kennen.

"Proud Boys – haltet euch zurück und haltet euch bereit", sagte US-Präsident Donald Trump bei der TV-Debatte gegen Joe Biden. Am Tag danach ließ Trump verlauten: "Ich weiß nicht, wer die 'Proud Boys' sind." Bevor er das tat, meldeten sich mehrere hochrangige Vertreter der Republikaner mit harscher Kritik an der Aussage Trumps. Unter anderem Mich McConnell, Mehrheitsführer der Republikaner im Senat, der laut "New York Times" sagte: "Er sagte, es sei inakzeptabel, weiße Rassisten nicht zu verurteilen, und das sage ich auch auf die schärfste Art und Weise."

Hinweis: Die zitierte Passage findet sich im Video unten bei 1:05:40.

Trump vs. Biden: Das TV-Duell im Originalton

Wer sind die "Proud Boys"?

Vom FBI als "extremistische Gruppe mit Verbindungen zum weißen Nationalismus" klassifiziert, bezeichnen sie sich selbst als "westliche Chauvinisten". Gegründet wurden die "Stolzen Jungs" 2016 von Gavin McInnes, der ein Mitgründer vom Medienunternehmen "Vice" war, das er 2007 verließ. McInnes orientierte sich anschließend immer mehr nach rechts und schuf den Männerclub. 2017 bezeichnete er sich selbst als "islamophob". Nachdem einige seiner "Boys" 2018 in Manhatten Antifa-Anhänger verprügelten, kehrte er ihnen den Rücken.

Aktuell gilt der Exil-Kubaner Enrique Tarrio als Anführer. Von Rassismus will der nichts wissen, die "Proud Boys" würden Rassismus ebenso wie Sozialismus ablehnen. Die Hautfarbe sei der Gruppe egal, es gehe um die Liebe zu Amerika. Auf ihrer offiziellen Webseite lacht einem derzeit (01.10. 10:30 Uhr) die schwarze Schauspielerin Whoopi Goldberg umringt von weißen Männern in Fred-Perry-Polos (Fred Perry kämpft seit Jahrzehnten gegen die Einvernahme durch nationalistische und rassistische Bewegungen) – ihre Uniform – und mit dem Handzeichen für "White Power" entgegen. Auf der Seite finden sich auch ihre Gründsätze: "Minimale Regierung. Maximale Freiheit. Anti-politische Korrektheit. Anti-Drogen-Krieg. Geschlossene Grenzen. Antirassische Schuld. Anti-Rassismus. Pro-Freie Rede (1. Verfassungszusatz). Pro-Waffen-Rechte (2. Verfassungszusatz). Verherrlichung des Unternehmers. Die Hausfrau verehren. Den Geist des westlichen Chauvinismus wiederherstellen."

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Anhänger der "Proud Boys" mit dem Handzeichen, das für "White Power" steht. Es wird auch in Österreich von Rechtsextremen regelmäßig gezeigt.

Also nur eine Gruppe von Chauvis?

Geben sie sich harmlos, sehen das die US-Behörden anders. Das FBI macht die "Proud Boys" für "Gewalt-Eskalationen bei politischen Kundgebungen in Städten wie Charlottesville, Virginia, Portland, Oregon und Seattle" mitverantwortlich. Und auch McInnes erklärte 2018: Um ein Proud Boy vierten Grades, der höchsten Stufe, zu werden, müssen Mitglieder "sich verprügeln lassen, die Scheiße aus einer Antifa heraustreten". Nicht nur das FBI, sondern zahlreiche Medienberichte zeugen von der Gewaltbereitschaft der Gruppe. Fotos zeigen sie schwer bewaffnet. Das "Southern Poverty Law Center" bezeichnet sie als "hate group" – gegen diese Charakterisierung reichte McInnes eine Klage ein.

Heidi Beirich von der Organisation "Global Project Against Hate and Extremism" erklärte, Trump habe mit seiner Ansage einer paramilitärischen Gruppe gesagt, sie solle sich bereithalten. Gruppen wie die "Proud Boys" könnten am Wahltag Wähler einschüchtern, sagt sie. Trump und die Republikaner hoffen auf eine niedrige Wahlbeteiligung, da sie sich dadurch höhere Gewinnchancen erwarten.

Quelle: Redaktion / moe