APA - Austria Presse Agentur

Trump: Afghanistan "eine der größten Niederlagen" in der US-Geschichte

16. Aug 2021 · Lesedauer 3 min

Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan verschärft sich die Kritik an der Afghanistan-Politik von US-Präsident Joe Biden.

"Was Joe Biden mit Afghanistan gemacht hat, ist legendär. Es wird als eine der größten Niederlagen in die amerikanische Geschichte eingehen", sagte der frühere US-Präsident Donald Trump nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan. Trump übt, wie auch andere prominente US-Republikaner, seit Tagen Kritik an der Afghanistan-Politik von US-Präsident Joe Biden.

Dabei war es das im Februar 2020 von Trump abgeschlossene Abkommen mit den Taliban, das den internationalen Truppenabzug überhaupt erst einleitete. Biden hatte den Abzug der US-Truppen aus Afghanistan immer wieder vehement verteidigt. Ein weiteres Jahr oder fünf weitere Jahre US-Militärpräsenz würden keinen Unterschied machen, hatte er erst am Samstag betont.

"Verpfuschter Abzug"

Der Minderheitsführer der Republikaner im US-Senat, Mitch McConnell, sprach am Sonntag (Ortszeit) von einem "verpfuschten Abzug". Die "hektische Evakuierung" von Amerikanern und afghanischen Helfern sei ein "beschämendes Versagen der amerikanischen Führung", sagte er. Die USA hätten die Möglichkeit gehabt, "diese Katastrophe zu vermeiden".

Die radikalislamischen Taliban übernahmen am Sonntag die Macht in Afghanistan.

Die prominente Republikanerin Liz Cheney, Tochter des früheren Vize-Präsidenten Dick Cheney, erklärte: "Was wir gerade in Afghanistan erleben, ist das, was passiert, wenn sich Amerika aus der Welt zurückzieht." Der damalige Präsident Donald Trump und Biden würden dafür die Verantwortung tragen, sagte sie dem Sender ABC. Die republikanische Senatorin Lindsey Graham warf Biden vor, sich der "terroristischen Bedrohung, die von einem von den Taliban regierten Afghanistan ausgeht, nicht bewusst zu sein."

Ex-Minister Hagel: "Sind vom Weg abgekommen"

Der ehemalige republikanische US-Verteidigungsminister Chuck Hagel hat dem US-Militäreinsatz in Afghanistan ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. "Wir haben die Kultur nie verstanden, wir haben die Religion nie verstanden, das Stammesdenken, die Geschichte", sagte der Republikaner Hagel am Sonntagnachmittag (Ortszeit) dem Sender CNN.

"Man ist zum Scheitern verurteilt, wenn man das nicht versteht. Und wenn man 20 Jahre lang als Besatzungsmacht an einem Ort bleibt, werden die Dinge nicht gut ausgehen (...), weil man am Ende von vielen Menschen als Besatzer angesehen wird."

Die Entwicklungen in Afghanistan im Liveblog

Hagel betonte zwar, dass die USA viele gute Dinge getan hätten, um ein besseres Land zu schaffen. Allerdings sagte er auch: "Ich glaube, wir sind vom Weg abgekommen und haben nicht wirklich verstanden, was wir da machen." Mit Blick auf die Entscheidung zum Truppenabzug erklärte er, dass es wohl kaum eine gute Lösung gegeben hätte.

Sollte der Flughafen von Kabul an die militant-islamistischen Taliban fallen, würde das eine "sehr gefährliche Dynamik" in Gang setzen, sagte Hagel. "Ohne ihre Zustimmung und ihr Einverständnis kann man dann nichts rein- oder rausbringen." Wenn es dort zu gewalttätigen Auseinandersetzungen käme, wäre das ein echtes Problem, "weil wir dann 6.000 Militärs da haben". Hagel war von 2013 bis 2015 unter dem damaligen demokratischen Präsidenten Barack Obama Pentagon-Chef.

Quelle: Agenturen / Redaktion / apb