APA/ROLAND SCHLAGER

"Denkzettel für die ÖVP": Stimmen zur historischen NÖ-Wahl

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Wie wird über die Niederösterreich-Wahl berichtet? Ein Pressespiegel.

Die Niederösterreich-Wahl ist geschlagen. Mit einem Ergebnis von 39,94 Prozent erlebt die ÖVP einen historischen Wählerstimmenverlust. Profitiert davon hat insbesondere die FPÖ mit dem Spitzenkandidaten Udo Landbauer, sie gewann fast zehn Prozent. Die Sozialdemokratie geht wie die Volkspartei als Verliererin aus dem Wahlabend, die Führungsfrage wird in der SPÖ nicht nur im Bund, sondern auch in den Ländern wieder laut gestellt.

Österreichische und deutsche Medien betonen insbesondere das Erstarken der FPÖ - und die Schwäche der anderen Parteien, die Unzufriedenheit mit der Volkspartei für sich zu nutzen. 

Pressespiegel

"Der Standard":

"Der große Wahlsieger in Niederösterreich ist eindeutig die Freiheitliche Partei. Das hat weit über Niederösterreich hinaus Bedeutung. Zum einen zeigt es, wie rasch die FPÖ in der Lage ist, sich nach Skandalen zu regenerieren. Das wird auch den bundespolitischen Vormarsch unterstützen. Zum anderen geraten jene Parteien und deren Chefs in Bedrängnis, die bislang kein Rezept gefunden haben, um der FPÖ etwas entgegenzusetzen."

"Die Presse":

"An der Spitze bleibt Niederösterreich weiterhin schwarz. Doch der Nimbus der nahezu unumschränkt herrschenden ÖVP, die weiß, was gut für ihr Volk ist und von diesem auch entsprechend gewürdigt wird, ist vorbei. Niederösterreich, das schwarze Kernland, ist auf einmal eine freiheitliche Hochburg. Weil sich viele Menschen von der ÖVP, aber auch den anderen Parteien nicht entsprechend ernst genommen gefühlt haben. Mit ihren teils berechtigten, teils irrationalen Sorgen. Die FPÖ hat sich dieser angenommen – mit teils berechtigter, teils irrationaler Politik."

"Falter":

"Man kann das schon machen: Das eigene Land in Europa blamieren, das Leben von Tausenden EU-Bürgern aus Rumänien und Bulgarien erschweren und das Kanzleramt zu einer Vorfeldorganisation der niederösterreichischen ÖVP deklassieren. Man sollte sich dann nur nicht wundern, warum Menschen das Vertrauen in die Politik verlieren."

"Kurier":

"Für Parteichefin Pamela Rendi-Wagner wird so die Luft immer dünner. Es fehlt eine klare Parteilinie. Diese ist zerrissen zwischen dem Modell des Traiskirchner Bürgermeisters Andreas Babler und Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. Babler, der für einen Linkskurs steht, war mit seinem Ein-Mann-Wahlkampf erfolgreich. Doskozil – migrationspolitisch rechts, wirtschaftspolitisch links – gilt als Rendi-Wagners Widerpart."

"Kleine Zeitung": 

"Die anderen – alle anderen (Anm: außer der FPÖ)– Parteien sind derzeit nicht in der Lage, diesen Frust und die manifeste Schwäche der Volkspartei für sich zu transformieren. Weder die SPÖ, die sich in Niederösterreich genauso glaubhaft als Oppositionskraft darstellen hätte können wie die Freiheitlichen, noch die Grünen, denen das Wählern wichtige Klimathema naheliegt, noch die Neos mit ihrer Kernkompetenz Sauberkeit konnten am Sonntag punkten. Die FPÖ hat als einzige verstanden, die Denkzettel für die ÖVP in Wahlzettel für Udo Landbauer zu verwandeln. Liederbücher, Autoritarismus- und Rassismusvorwürfe hielten die Wähler davon genauso wenig ab wie absurde Slogans wie "Festung Österreich": Wer frustriert ist, wählte FPÖ."

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