APA - Austria Presse Agentur

Corona: Deutschland erklärt Österreich zu Hochrisikogebiet

12. Nov 2021 · Lesedauer 4 min

Aufgrund der gestiegenen Infektionszahlen hat Deutschland Österreich erneut auf die Liste der Hochrisikogebiete gesetzt. Ab Sonntag gilt eine Quarantänepflicht für Ungeimpfte. Geimpfte und Genesene müssen sich vor der Einreise anmelden.

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bestätigte die Einstufung Österreichs als Corona-Hochrisikogebiet während einer Pressekonferenz am Freitag. Der neue Status soll ab Sonntagnacht gelten.

Quarantänepflicht für Ungeimpfte

Die Einstufung bedeutet, dass nicht geimpfte und nicht genesene Österreicher bzw. deutsche Urlaubsrückkehrer nach der Einreise in Deutschland in Quarantäne müssen. Ein Freitesten aus der zehntägigen Quarantäne ist frühestens nach dem fünften Tag möglich.

Geimpfte und Genesene sind von der Quarantänepflicht ausgenommen. Sie müssen sich künftig vor der Einreise verpflichtend digital anmelden und dabei ihr Impf- oder Genesungszertifikat hochladen. Bei der Einreise ist die Bestätigung der Anmeldung mitzuführen.

Österreich war erst vor fünf Monaten - im Juni - von der deutschen Risikoliste gestrichen worden. Im vergangenen Herbst hatte die Bundesrepublik die österreichischen Bundesländer nacheinander auf die Risikoliste gesetzt und schließlich am 1. November ganz Österreich - mit Ausnahme des Kleinwalsertals und Jungholz - zum Risikogebiet erklärt.

Hoteliers rechnen mit Stornowelle

Für die heimische Tourismus- und Gastrobranche ist die Einstufung eine Hiobsbotschaft. Die Einschränkung trifft zwar in erster Linie ungeimpfte Gäste, das Problem ist aber, dass sich Kinder unter zwölf Jahren in Deutschland immer in eine fünftägige Quarantäne begeben müssen, unabhängig davon, welche Maßnahmen für die Eltern gelten. Damit könnte es dennoch Stornierungen hageln.

Touristiker befürchten daher, dass Urlauber mit Kindern unter zwölf Jahren den Winterurlaub in Österreich nun absagen. "Österreich tut alles dafür, umso rasch wie möglich wieder von der Liste der Hochrisikostaaten gestrichen zu werden", sagte Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) am Freitag in einer Stellungnahme. Köstinger will in Bezug auf die Kinder unter 12 Jahren für eine gleichlautende Regelung wie in Österreich einsetzen. Laut einer aktuellen Umfrage der Österreich Werbung, auf die das Tourismusministerium verweist, machen Familien mit Kindern unter 12 Jahren knapp 22 Prozent der deutschen Gäste aus.

Opposition sieht Regierungsversagen

Zeitgleich mit der deutschen Reisewarnung für Österreich hat es am Freitag Kritik der Oppositionsparteien an der Corona-Politik gehagelt. Die FPÖ meinte, die türkis-grüne Regierung habe erneut mit ihren falschen Maßnahmen kläglich versagt. Laut NEOS müssten es nun wieder Unternehmen und Mittelstand ausbaden, weil es die Regierung nicht geschafft habe, die Menschen zum Impfen zu bewegen. Die SPÖ monierte, dass es im Tourismusbudget keinen Cent für Corona-Einnahmenentfall gebe.

Regierung nicht überrascht

Das Bundeskanzleramt reagierte am Freitag gefasst auf die Entscheidung des für den heimischen Tourismus wichtigen Nachbarlandes: "Wir haben die Entscheidung des Robert-Koch-Institut erwartet und wurden von unseren Nachbarn darüber auch vorab informiert", hieß es in einer Stellungnahme. Die Einstufung zeige die Wichtigkeit der Impfung - egal ob ersten, zweiten oder dritten Stich. "Denn für die voll immunisierten Menschen hat die Einstufung aus Deutschland keine Auswirkung, sie müssen auch weiterhin nicht in Quarantäne. Das entspricht im Übrigen der in Österreich geltenden Regelung von 2G im Freizeitbereich", hieß es gegenüber der APA.

Auch Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) zeigte sich nicht überrascht. Die Reisewarnung habe sich "bereits abgezeichnet", sagte Platter auf APA-Anfrage. Der Landeshauptmann, dessen Bundesland zu den besonders von der Maßnahme betroffenen zählt, betonte aber, dass für Geimpfte und Genesene der Urlaub ohne große Einschränkungen möglich sein wird. "Sicherheit ist das Herzstück des heurigen Winterurlaubs", meinte Platter, der darauf verwies, dass Deutschland aktuell rund 70 Länder als Hochrisikogebiete einstufe. Die Tiroler Tourismusbetriebe und Skigebiete hätten sich jedenfalls mit "umfassenden Hygiene- und Sicherheitskonzepten" akribisch vorbereitet.

Quelle: Redaktion / apb