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China: Ende der Null-Covid-Politik in Sicht?

01. Dez. 2022 · Lesedauer 3 min

Die derzeitigen Demonstrationen gegen die strengen Corona-Maßnahmen sind die größten Proteste, die China seit Jahrzehnten gesehen hat. Nun häufen sich Spekulationen darüber, dass ein Ende der Null-Covid-Politik in Sicht sein könnte.

Nach Protesten gegen die strikten Corona-Maßnahmen hat Chinas Vize-Premierministerin und ranghöchste Beamtin, Sun Chunlan, die für die Covid-Bekämpfung zuständig ist, von einem "neuen Stadium der Pandemie" gesprochen und damit erneut Spekulationen über ein mögliches Ende der Null-Covid-Politik ausgelöst.

Verringerung der Massentests?

"Da die Omikron-Variante weniger pathogen geworden ist, mehr Menschen geimpft werden und wir mehr Erfahrungen in der Covid-Prävention gesammelt haben, befindet sich unser Kampf gegen die Pandemie in einem neuen Stadium und bringt neue Aufgaben mit sich", sagte Sun Chunlan.

China werde in den kommenden Tagen eine Lockerung seiner Covid-19-Quarantäneprotokolle und eine Verringerung der Massentests ankündigen, berichtet die Nachrichtenagentur "Reuters" unter Berufung auf ihre Quellen. 

Bestimmte Lockerungen bereits angekündigt

In mindestens sieben Bezirken der Stadt Guangzhou sollen die chinesischen Behörden schon eine Aufhebung der Sperrungen angekündigt haben. Das berichtet "Sky News". In einem der Bezirke soll der Schulunterricht wieder aufgenommen werden, Restaurants und andere Geschäfte sollen wieder öffnen können.

In der Stadt Chongqing sollen Behörden erklärt haben, dass bestimmte Kontaktpersonen von infizierten Personen künftig zu Hause in Quarantäne bleiben können. Im Osten Pekings sollen sich Menschen mit leichten Corona-Symptomen ebenfalls zu Hause isolieren dürfen, so die zuständigen Gemeinden.

In der zentralchinesischen Stadt Zhengzhou wurde die "geordnete" Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebs (Supermärkte, Restaurants und Fitnessstudios etc.) angekündigt.

Expertin: Chinas Bevölkerung "leidet"

Chinas Bevölkerung "leidet aufgrund der strikten Corona-Maßnahmen" der Regierung in Peking, ist die Journalistin und ehemalige Leiterin des Hongkong-Büros der BBC, Vivan Wu, überzeugt. Zwar sei es schwierig zu sagen, was in der Bevölkerung wirklich vorgehe, da die Gesellschaft sehr divers sei und die Propaganda alles kontrolliere, betonte Wu in einer Online-Veranstaltung des Presseclubs Concordia, doch die Kommentare in sozialen Medien wiesen darauf hin.

Die Konsequenzen der durch die Regierung veranlassten Covid-Maßnahmen seien jedenfalls dramatisch, die Bevölkerung verzweifelt, so Wu. Jeden Tag müssten sich die Menschen stundenlang für einen Covid-Test anstellen. Die Quarantänemaßnahmen seien so streng, dass bei einem Covid-Fall ganze Stadtteile abgeriegelt würden.

Massenproteste in mehreren Millionenmetropolen

Die rigorosen Maßnahmen der Behörden als Reaktion auf die neue Corona-Welle führten zu Protesten in mehreren Millionenmetropolen. Es war die größte öffentliche Unmutsbekundung in China seit Jahrzehnten. Als Reaktion auf die Versammlungen wurde eine massive Polizeipräsenz auf den Straßen von Peking, Shanghai und anderen Städten mobilisiert, um ein Wiederaufflammen der Demonstrationen zu verhindern.

Auslöser der Demonstrationen war ein tödlicher Brand am 24. November in Urumqi, der Hauptstadt der westlichsten Region Xinjiang. Bei dem Brand in einem Wohnhaus kamen mindestens zehn Menschen ums Leben, neun weitere wurden verletzt. Die öffentliche Wut wurde immer größer, nachdem Videos des Vorfalls gezeigt hatten, dass die Feuerwehr aufgrund von Abriegelungsmaßnahmen nicht zu den Opfern vordringen konnte. Die Stadt war zu dem Zeitpunkt seit über 100 Tagen abgeriegelt.

Dijana DjordjevicQuelle: Agenturen / Redaktion / ddj