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Bürgermeister Luger: Eltern schuld an Linzer Krawallen

11. Nov. 2022 · Lesedauer 3 min

Seit der Halloween-Nacht, als großteils Jugendliche randalierten, suchen offizielle Stellen händeringend nach Lösungsansätzen - und Schuldigen. Der Linzer Bürgermeister will sie gefunden haben. Schuld seien weder Polizei noch Politiker, sondern die Eltern.

Anfang November wollte der Linzer SPÖ-Bürgermeister Klaus Luger dem Problem in einer ersten Reaktion begegnen, indem man jungen Asylwerbern die Möglichkeit zu arbeiten gibt und früher Sprachkurse anzubieten. Am Donnerstag bekräftigte er das in einem Interview, das er dem "Kurier" gab. Das System, dass Asylwerber nicht arbeiten dürfen, sei "verheerend". "Sie sitzen zu Hause, treffen sich mit Freunden, kommen aus ihren Cliquen nicht heraus."

Es sei unfair, der Polizei vorzuwerfen, die Anzeichen nicht erkannt zu haben. "Wenn zwei oder drei so eine Idee haben, finden sich über TikTok schnell 200 Leute zusammen."

Kein einziger Politiker schuld

Für die Erziehung, so Luger, seien in erster Linie die Eltern zuständig. Ein Fünftel der Jugendlichen seien unbegleitet und Minderjährig. "Für diese Leute kann man zu Recht fragen, ob das System seit ihrem Ankommen förderlich für ihre Integration war. Für die anderen 80 Prozent gibt es Familien, die verantwortlich sind." Für  Luger ist klar, dass "kein einziger Politiker in Österreich" daran schuld sei, dass "Kinder, die in Familien aufwachsen, kriminell werden".

"Liebevoll bei der Hand nehmen" reicht nicht

Auch bei Bildung und Sozialarbeit müsse man ansetzen. Projekte mit Vereinen hätten aber gezeigt, dass der Erfolg sich nicht immer einstellt. "Der Versuch, sie in Ausbildung zu bringen, war nicht so erfolgreich, wie wir uns das alle gewünscht hätten." Man dürfe nicht nur Angebote machen, sich in die Gesellschaft einzubringen müsse "in einer Form der Verpflichtung" kommen. "Dass wir sie liebevoll bei der Hand nehmen und glauben, mit der Kraft der Argumente zu punkten, wird nicht massenhaft erfolgreich sein bei Leuten, die auf die Straße gehen, um sich mit den Polizisten zu prügeln."

Luger sei bereit, weiter Flüchtlinge aufzunehmen, allerdings nur bei gerechter Verteilung in Oberösterreich. Über ein Viertel der Flüchtlinge in Landesbetreuung sei in Linz, ein Jahr nach Verfahrensende seien 40 Prozent der Bleibenden in der oberösterreichischen Hauptstadt. 

Falsch fand Luger jedoch bereits Anfang November, den Leuten vorzumachen, dass die Vorfälle zu Abschiebungen führen. "Jeder Jus-Student im dritten Semester" wisse, dass das nicht stimmt. Damit bezog sich der Bürgermeister auf Innenminister Gerhard Karner (ÖVP), der ankündigte, die "Härte des Gesetzes voll ausschöpfen" zu wollen. 

Quelle: Redaktion / lam