Sultan bin Salmeen Al-MansouriEmbassy of the State of Qatar

Botschafter von Katar: "Enorme Verbesserungen für die Arbeiter"

22. Nov. 2022 · Lesedauer 5 min

Botschafter Sultan bin Salmeen Al-Mansouri dementiert im Gespräch mit PULS 24, dass Arbeitsmigranten im Emirat Katar systematisch ausgebeutet werden.

Sultan bin Salmeen Al-Mansouri ist Botschafter von Katar in Wien. PULS 24 hat mit ihm am Rande eines Empfangs im Hotel Marriott anlässlich der Eröffnungszeremonie und des Eröffnungsspiels Katar-Ecuador gesprochen.

PULS 24: Herr Botschafter, die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) anerkennt, dass die katarische Regierung seit 2017 Reformen eingeleitet hat, sagt aber auch, dass die Arbeitnehmerrechte sich in vielen Bereichen nicht effektiv verbessert hätten. AI schreibt von "unerträglichen und gefährlichen" Arbeitsbedingungen, und es heißt, "die Menschenrechtsverstöße dauern in signifikantem Maßstab an". Was antworten Sie auf diese Vorwürfe?

Al-Mansouri: Ich denke, man muss wissen, dass es für den Staat Katar als ein kleines Land, das die Weltmeisterschaft zugesprochen bekommen hat, eine große Herausforderung in Bezug auf die Personalressourcen war. Katar hat nicht viele Einwohner. Daher waren wir bei der Errichtung der Gebäude auf Arbeiter aus anderen Ländern angewiesen.

Aber offenkundig sind alle Errichtungen von Gebäuden an internationale Firmen vergeben worden. Es waren hauptsächlich nicht Katarer damit betraut. Es waren diese internationalen Firmen, die die Arbeiter eingesetzt haben. Im Jahr 2020 hat Katar jedenfalls neue Gesetze für Arbeitskräfte geschaffen. Wir sind zu einem Gesetz gelangt, das Mindestlöhne für Arbeitskräfte festsetzt. Es ist vielleicht das erste Land der Welt, das Mindestlöhne für Arbeitskräfte eingeführt hat.

Wir haben auch eine Beschwerde-Hotline eingerichtet für Arbeitskräfte in Katar, die von ihrem Unternehmen misshandelt worden sind, um uns solche Situationen anzusehen. Am Beginn der WM-Vorbereitungen gab es ein bisschen Probleme, aber wir haben enorme Verbesserungen für die Arbeiter erzielt, in Hinblick auf ihre Rechte, ihre Arbeitszeiten und ihre Löhne. Das ist im Staat Katar jetzt sehr fortschrittlich.

PULS 24: Verstehe ich Sie richtig, dass Sie sagen, die Arbeiter auf den WM-Baustellen sind von großen Baufirmen beschäftigt worden?

Al-Mansouri: Ja. Und wir haben davon gelernt. Aber wie Sie wissen, Medien beherrschen manchmal eine Situation. Es kann im Zusammenhang mit Mega-Baustellen einen Unfall geben, aber offenkundig haben Medien das missbraucht und etwas hervorgehoben, das nicht so war.

Ich denke aber, dass alle Medien, die in Katar waren und die Baustellen selbst angeschaut haben, viel Fortschritt und viele Veränderungen gesehen haben.

PULS 24: Amnesty International berichtet dennoch von andauernden Menschenrechtsverletzungen. Dabei geht es zum Beispiel um Zwangsarbeit bei Hausangestellten und Sicherheitsmitarbeitern. Es heißt, die Haushaltshilfen müssten 14 bis 18 Stunden am Tag arbeiten. Es gebe außerdem hohe Vermittlungsgebühren für Arbeitsmigranten zu zahlen. Und es heißt, wenn Arbeitsmigranten später oder niedriger als vereinbart bezahlt werden, haben sie keine rechtlichen Möglichkeiten, zu ihrem Einkommen zu gelangen. Was antworten Sie auf diese Vorwürfe?

Al-Mansouri: Es ist sehr komplex, weil alle Arbeitskräfte von Unternehmen angestellt werden. Und diese Unternehmen wurden von der Regierung mit dem Errichten der Gebäude betraut. Diese Firmen sind keine katarischen Firmen. Es sind internationale Unternehmen, auch eine österreichische Firma hat an einem Stadion in Katar gebaut.

Man kann offenkundig auch nicht sagen, dass alle Unternehmen missbräuchlich gehandelt haben. Aber ein paar von ihnen dürften das getan haben. Ich weiß nicht, wie diese ihre Projekte berechnen. Aber wenn jemand zu uns kommt und wir von einem Verstoß erfahren, dann greifen wir ein, beenden das und verändern die Situation.

PULS 24: Meinen Sie damit, die Hausangestellten sind auch von Subunternehmen angestellt?

Al-Mansouri: Ich sehe hier keine Verbindung zu den Hausangestellten. Es gibt ein umfangreiches Gesetz für Hausangestellte in Katar. Und dieses ist sehr fortschrittlich. Ich kann Ihnen sagen, Hausangestellte haben in Katar eine Menge Privilegien. Ich weiß nicht, woher diese Informationen kommen. Amnesty ist eine Organisation, aber offenkundig gibt es auch andere.

PULS 24: Sie meinen, Sie fragen sich, was die Quelle der Informationen ist?

Al-Mansouri: Ja, Sie können sich nicht völlig darauf verlassen, weil diese Kritik kommt von Einzelpersonen. Und diese Einzelpersonen sind nicht berechtigt, sich aufzuspielen.

PULS 24: Eine andere Frage: Was bedeutet es für Ihr Land, die Fußball-Weltmeisterschaft, dieses große Turnier, auszutragen?

Al-Mansouri: Ich denke, es ist wichtig zu sagen, dass ein kleines Land solche Mega-Events wie eine Weltmeisterschaft oder Olympische Spiele ausrichten kann. Es sind nicht allein die großen Länder, die das können. Ich denke, wir öffnen damit die Tür für weitere kleine Länder und ermutigen diese, künftig solche Mega-Events zu veranstalten.

Auch ein kleines Land wie Katar hat es geschafft. Es war aber nicht Katar alleine, sondern wir hatten die Hilfe von vielen Nationen. Wir hatten viele gute Freunde und hilfreiche Länder, die uns unterstützt haben und uns beraten haben, um das zu vollbringen.

Ich denke, das ist das Ziel des Sports. Er soll Menschen und Nationen zusammenbringen, zum Wohle der Zivilisation.

PULS 24: Wie ist Ihr Tipp für das Spiel heute?

Al-Mansouri: Ich wünsche beiden Teams das Beste. Ich wünsche mir natürlich immer, dass mein Nationalteam gewinnt. Aber wenn wir verlieren oder Unentschieden spielen, so ist Fußball. Er ist nicht vorhersehbar. Man kann sich vorbereiten, aber das Ergebnis steht erst am Ende des Spiels fest. Ich wünsche beiden das Beste. Ecuador hat ein starkes Team mit sehr guten Spielern, und wir werden ihnen einen guten Wettkampf liefern.

Lukas KapellerQuelle: Redaktion / kap