Faßmann: Schulschließungen keine Lösung, weil Kinder nicht zuhause bleiben

15. Nov 2021 · Lesedauer 3 min

Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) erteilt im Gespräch mit PULS 24 Anchor Thomas Mohr Schulschließungen eine Absage und erklärt, warum es so lange dauert, bis PCR-Testungen österreichweit aufgestockt werden.

Die Altersgruppe der Pflichtschüler hat enorme Inzidenzen, trotzdem sollen die Schulen offen bleiben. "Man muss berücksichtigen, dass in den Schulen systematisch getestet wird", gibt Bildungsminister Heinz Faßmann zu bedenken. Das würde die Zahlen bei den Jungen in die Höhe treiben. Außerdem würden Schüler selbst bei Fernunterricht nicht zuhause bleiben. In den Herbstferien hätten die Inzidenzen besonders stark zugenommen. "Die Schule ist ein kontrollierter Raum, wo getestet werden kann und das ist sehr wichtig bei der Pandemiebekämpfung", verteidigt er den Status quo. 

Aktuell seien 150 von 58.000 Klassen und etwa sechs von 6.000 Schulen wegen Corona-Fällen geschlossen. "Das ist ein System, das funktioniert. Wenn es überbordend wird, wird geschlossen und wenn es geht, kann man diese wieder öffnen." Zwei Wochen lang bis Ende November soll im Rahmen der aktuellen Sicherheitsphase noch alle Kinder getestet werden. Man lasse sich von Epidemiologen und Kinderärzten beraten, dann werde man neu bewerten. 

PCR-Test-Aufstockung "unglaublicher Kraftakt"

Erst in zwei Wochen müssen alle Bundesländer mehr PCR-Tests ausrollen. Das liege daran, dass die Kapazitäten erweitert werden müssen, begründet der Minister. Das sei ein "unglaublicher Kraftakt", für die ersten PCR-Tests seien die Kapazitäten verzehnfacht worden. Man müsse 1,1 Millionen Schüler testen. Laut Faßmann gibt es keinen anderen Bereich, wo das in einer vergleichbaren Größenordnung stattfindet. 

Das Ministerium hat Ex-NEOS-Chef Matthias Strolz als Berater für das Pädagogik-Paket engagiert. Inzwischen ließ der ehemalige Politiker aufhorchen, weil er sich für eine kontrollierte Corona-Durchseuchung am Beispiel Indiens ausspricht und bei Genesenen impfskeptisch ist. "Ich hab ihn bei der Lehrplanentwicklung um Rat gefragt und bei Kommunikationskonzepten, aber das ist etwas ganz anderes", so Faßmann. In Pandemiefragen hätte er "sicher nicht die Kompetenz, die Kinderärzte und Epidemiologen haben".

Uneinigkeit in der Koalition

Gesundheitsminister Mückstein brachte noch am Sonntagabend eine nächtliche Ausgangssperre für alle ins Gespräch. Dieser Vorschlag wurde am Montagmorgen von der ÖVP abgeschmettert. Die momentan herrschende politische Uneinigkeit zwischen den Koalitionspartnern sei "natürlich ein kommunikatives und inhaltliches Problem", man hätte aber "einschneidende Maßnahmen" gesetzt und man müsse nun den Effekt abwarten, bevor man über die nächste öffentlich nachdenke. "Das führt zum Stolpern."

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam