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Berg-Karabach räumt Verlust von wichtiger Stadt Schuschi ein

09. Nov 2020 · Lesedauer 2 min

Die umkämpfte Südkaukasusregion Berg-Karabach hat den Verlust der strategisch wichtigen Stadt Schuschi eingeräumt. Die Stadt sei nicht mehr unter Kontrolle von Berg-Karabach, teilte ein Sprecher mit. Bereits am Sonntag hatte der aserbaidschanische Präsident Ilham Aliyev die Eroberung der Stadt verkündet. Die Führung in Berg-Karabach räumte zudem ein, dass die aserbaidschanischen Truppen kurz vor der Hauptstadt Stepanakert stünden.

Schuschi gilt als Schlüsselstadt, die Behörden in Berg-Karabach hatten selbst mitgeteilt, dass ihr Verlust am Ende auch eine Niederlage im Kampf um die ganze Region bedeuten könnte. Der Sprecher der Karabach-Führung schrieb bei Facebook: "Leider verfolgt uns eine Serie der Misserfolge, und die Stadt Schuschi ist komplett außerhalb unserer Kontrolle. Der Feind steht vor Stepanakert, nun ist schon unsere Existenz in Gefahr."

Aliyev verkündete, dass der Sieg in dem Konflikt mit Armenien nah sei. Er teilte mit, dass weitere 23 Ortschaften unter aserbaidschanischer Kontrolle seien. Berg-Karabach verlor bei den anhaltenden Kämpfen mit Aserbaidschan nach eigener Darstellung erneut Dutzende Soldaten. Die Zahl der Getöteten stieg um 44 auf 1.221, wie die Behörden der umkämpften Region am Montag mitteilten.

Im Konflikt um die Südkaukasus-Region Berg-Karabach ist am Montagabend ein russischer Militärhubschrauber Mi-24 abgeschossen worden. Er sei auf armenischem Gebiet abgestürzt, teilte das russische Verteidigungsministerium in Moskau mit. Dabei seien zwei Besatzungsmitglieder getötet, ein weiteres verletzt worden. Der Hubschrauber habe nach einem Raketenbeschuss die Kontrolle verloren und sei in einer Bergregion nahe der Grenze zur aserbaidschanischen Exklave Nachitschewan abgestürzt.

Zu dem Vorfall sei es außerhalb der Kampfzone in Berg-Karabach gekommen, hieß es. Armenien als Verbündeter Russlands sicherte Unterstützung bei der Aufklärung zu. Das Außenministerium von Aserbaidschan sprach in der Hauptstadt Baku wenig später von einem versehentlichen Abschuss, wie die russische Staatsagentur Tass meldete. Baku sei bereit, eine Entschädigung dafür zu bezahlen. "Die aserbaidschanische Seite entschuldigt sich (...) für diesen tragischen Vorfall." Dieser sei nicht gegen Russland gerichtet gewesen, hieß es.

Die schweren Gefechte um Berg-Karabach dauern seit dem 27. September an. Aserbaidschan verlor in einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor rund 30 Jahren die Kontrolle über das bergige Gebiet mit etwa 145.000 Bewohnern. Seit 1994 galt eine brüchige Waffenruhe. Aserbaidschan kann sich in dem Konflikt auf seinen "Bruderstaat" Türkei berufen. Russland wiederum ist Schutzmacht Armeniens.

Quelle: Agenturen