Zogg: Krieg wird noch härter, denn Donbass-Eroberung "ist Putins Minimalziel"

21. Apr. 2022 · Lesedauer 3 min

Benno Zogg, Senior Researcher des CSS Zürich, zeigt sich im PULS 24 Interview überzeugt, dass man einen "harten Kriegsverlauf" in der Ukraine erwarten kann. Ein großes Problem für einen "nachhaltigen Frieden" sieht er in den Zielen des Kremls - diese gehen weit über die Eroberung hinaus.

Anfang der Woche erklärte Benno Zogg im Zuge seiner Arbeit im CSS Zürich, dass er einen harten Kriegsverlauf in der Ukraine erwartet. Im PULS 24 Interview meint er, dass Russland "tendenziell (…) die Umorientierung der Kriegsziele angekündigt und auch ein Stück weit umgesetzt" hat. Man konzentriere sich momentan auf den Donbass – dort wo auch der ursprüngliche Konflikt angefangen hat.

Laut Zogg weiß man inzwischen auch, dass Kriegsmaterial an die Frontlinien im Osten und Süden verlegt worden sind. "Diese massive Offensive ist jetzt langsam angelaufen" und sie werde mit der Zeit noch zunehmen. "Den Donbass zu erobern ist fast das Minimalziel für Wladimir Putin", erklärt Zogg der überzeugt ist, dass sich die Kampfhandlungen auch deswegen "intensivieren" werden.

Ungleicher Kampf im Donbass

Für Zogg wird es für die Ukraine außerdem sehr schwierig sein, die Donbass-Region zu halten. Die Feuerkraft auf russischer Seite ist "ungleich stärker" als jene der Ukraine. Zwar erhält die Ukraine weiterhin schweres Material – vor allem im Artillerie-Bereich – von Partnern aus dem Westen. Diese Zahlen sind allerdings immer noch "zu gering" um mit jenen des russischen Militärs mithalten zu können, analysiert Zogg.

Aufgrund der flachen Lage des Donbass-Gebietes könne die russische Armee dort auch ihre "Stärke" mit Artillerie und Luftangriffen "ausspielen".

Mariupol als "Etappensieg" 

Angesprochen auf die Situation in der Hafenstadt Mariupol ist es für Zogg "absehbar", dass die Stadt in nächster Zeit fallen wird. Von ukrainischen Kräften wird dort nur mehr das Gebiet des Asovstal-Werks kontrolliert, welches allerdings schon "seit Monaten" von Nachschub abgeschlossen ist und belagert wird. "Es ist fast nicht denkbar, dass sich hier etwas anderes ergeben wird", meint Zogg.

Ein Fall von Mariupol werde "bestimmt" von der russischen Propaganda genutzt, so Zogg. Gerade um darzustellen, dass man die gesamte Landmasse rund um das Asowsche Meer erobert hat – "befreit hat, wie der Kreml beschönigend" sagen wird. Das ist zwar eine "Art Etappensieg", aber Mariupol alleine "reicht dem Kreml natürlich nicht" – man möchte nämlich im gesamten Donbass "Fortschritte erzielen" und die Gebiete der selbsternannten Volksrepubliken erobern.

Zogg sieht hier allerdings, dass das Erreichen dieser Ziele noch länger dauern wird. Die Ukraine wird "erbittert und wohlorganisiert Widerstand leisten".

Ukraine "nachhaltig schwächen"

Das Hauptproblem für einen nachhaltigen Frieden sieht Zogg in den politischen Zielen des Kremls. Diese gehen weit über das "militärische" hinaus, erklärt er. Man will die Ukraine "nachhaltig schwächen". In Russland wird die Ukraine "nicht als überlebensfähiger Staat angesehen". Die politische Kontrolle über das Land ist das eigentliche Ziel und auch der Machterhalt des Putin-Regimes, welche auch die Rolle der NATO und die Rolle Russlands in Europa betreffen. Diese lassen sich allerdings nicht durch diesen Krieg lösen und werden uns "noch Jahre beschäftigen", zeigt sich Zogg überzeugt.

Quelle: Redaktion