Kurz kann Lockdown-Verlängerung im Dezember "nicht ausschließen"

02. Nov 2020 · Lesedauer 3 min

Bundeskanzler Sebastian Kurz spricht im Interview mit PULS 24 Infochefin Corinna Milborn über den zweiten Lockdown. Für Lockerungsschritte brauche es eine deutliche Reduktion der Neuinfektionen, sagt er.

Mit Punkt Mitternacht tritt in Österreich der zweite Lockdown in Kraft - Ausgangsbeschränkungen inklusive. Wie es weitergeht und ob der Lockdown tatsächlich mit Ende November wieder außer Kraft gesetzt wird, spricht Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) mit PULS 24 Infochefin Corinna Milborn.

Öffnungsschritte könne man erst setzen, wenn die Zahlen stark sinken. Kurz will die Zahlen auf unter hundert Neuinfizierte pro Tag bringen. "Ideal für Österreich wäre eine Zahl im zweistelligen Bereich", sagt er. Ob das gelinge stehe in den Sternen.

Für die nächsten ein bis zwei Wochen prognostiziert Kurz ein weiteres Ansteigen der Zahlen. Die Neuinfektionen könnten zwischen 6.000 und 14.000 pro Tag liegen. "Dann braucht es die Trendwende", sagt er. Nach dem ersten Lockdown sei diese nach zehn Tagen eingetreten. Spätestens nach vierzehn Tagen müsse es aber zu einer Wende kommen. "Wenn sie dann nicht eintritt, haben wir ein massives Problem. Dann müssen wir massiv nachschärfen, weil dann funktioniert etwas nicht", sagt Kurz. Dabei stellt er auch klar, dass er eine Verlängerung des Lockdowns im Dezember "jetzt nicht ausschließen" kann.

Strafen bei Verstößen gegen die Ausgangsbeschränkung

Die meisten Ansteckungen würden im privaten Bereich passieren, "wenn man etwas trinkt oder wenn man gesellig beisammen sitzt", sagt Kurz. Deshalb habe die Regierung die Ausgangsbeschränkungen beschlossen. Strafen werden laut Kurz dann fällig, wenn ein Polizist zwischen 20 Uhr und 06 Uhr feststellt, dass eine Person auf dem Weg ist, eine andere zu besuchen. "Jeder kann natürlich zur Arbeit fahren. Jeder kann spazieren gehen und laufen gehen. Was gilt ist ein Besuchsverbot", sagt der Kanzler.

Hätte die Polizei keine Möglichkeit private Feiern zu verbieten, wären die Menschen laut Kurz auch "frustriert".

Keine Erfahrungswerte mit zweiter Welle

"Wir haben sehr wenig Erfahrungswerte was den zweiten Lockdown betrifft", sagt Kurz. Nur in Israel habe es in September einen solchen gegeben. Dort seien die Neuinfektionen auch stark zurückgegangen.

Vergleichen könne man die beiden Länder aber nur schwer. "In Israel im September sind die Temperatur anders als bei uns im November", sagt der Kanzler. Eine Frage sei auch, wie stark die Bevölkerung mitmache und welche Auswirkungen es habe, dass die Schulen offenbleiben.

Die Maßnahmen sollen jedenfalls nach ein bis zwei Wochen bewertet werden.

"Wir sollten uns nichts vorlügen"

Angesprochen auf das Contact Tracing, dass in manchen Bundesländern nicht mehr funktioniert, appellierte Kurz erneut an die Länder, sie sollen auf die angebotenen Ressourcen von der Polizei und dem Bundesheer zurückgreifen. Man solle "die Zeit, die wir haben, entsprechend nutzen, um das so gut wie möglich umzusetzen", sagt Kurz.

Im selben Atemzug stellt er aber auch klar: "Wir sollten uns aber auch nichts vorlügen, jedes Land der Welt, jedes Bundesland der Welt, jede Region der Welt wird ab einem gewissen Infektionsgeschehen kein funktionierendes Contact Tracing mehr durchführen können."

Soraya PechtlQuelle: Redaktion / spe