Bei "Licht ins Dunkel" lassen sich "Politiker als Wohltäter feiern"

01. Dez. 2022 · Lesedauer 2 min

Wer profitiert von Licht ins Dunkel? Die Kritik an der ORF-Spendengala wächst wieder - angestoßen von einer Recherche des Mediums "andererseits".

Die "ORF"-Spendengala Licht ins Dunkel hat 2019 3,6 Millionen Euro Spenden gesammelt. Der Verein wird jedoch seit Jahren von Menschen mit Behinderung kritisiert - durch Recherchen des Mediums "andererseits" ist diese Debatte erneut entfacht.  Bei "andererseits" arbeiten Journalist:innen mit und ohne Behinderung gleichberechtigt zusammen.

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Viele Bereiche der Grundversorgung von Menschen mit Behinderung seien auf Spenden angewiesen, erklärt die "andererseits"-Journalistin Katharina Brunner im Gespräch mit PULS 24 Anchorwoman Bianca Ambros. Das betrifft Einrichtungen, aber auch Einzelpersonen, die sich "Rollstühle oder andere Geräte, die eine Teilhabe an der Gesellschaft ermöglichen", schlicht nicht leisten könnten.

Dass dieses Geld aus Spenden und nicht aus "öffentlichen Töpfen" kommt, sei ein Problem, so die Journalistin. "Das ist Staatssache", betont auch Brunners Kollege Sebastian Gruber. 

Geldervergabe aus Fördertöpfen?

Durch die Vergabe von Geldern im Rahmen von Fördertöpfen könnte ein transparenterer Prozess mit offenen Kriterien geschaffen werden -  und Anträge nicht mehr wie bisher bei Licht ins Dunkel "ohne Begründung" abgelehnt werden, wie der "andererseits"-Journalist Gruber kritisiert.  

Problematisch sei aber nicht nur die politische Implikation, sondern auch die grundsätzlich Darstellung von Menschen mit Behinderung bei Licht ins Dunkel. Sie werden sie dort "als Bittsteller bezeichnet" und in eine Opferrolle gesteckt, so Gruber.   

Wer hat etwas von Licht ins Dunkel?

"Menschen und Projekte profitieren von den Spenden", sagt Brunner. "Aber noch viel, viel mehr profitieren Politiker:innen davon, wenn sie sie sich einmal im Jahr auf die Bühne stellen und dort als Wohltäter gefeiert werden." 

Die Logik des Spendens sei per Definition ein problematisches Konzept, erklärt Brunner. Das Konzept funktioniere durch das Erzeugen von "Mitleid und bestimmter Emotionen". Dadurch werde verhindert, Personen auf "Augenhöhe" zu begegnen.  

"Wir wollen Gleichberechtigung, so wie jeder andere auch", erklärt Gruber. "Wir sind nur äußerlich verschieden, innerlich sind wir alle gleich." Das sei aber nicht das Gefühl, das durch Licht ins Dunkel vermittelt wird, so der Journalist. Man könne Licht ins Dunkel zwar erhalten, aber das ganze Prinzip hinter der Spendengala "muss sich verändern". 

Magdalena BergerQuelle: Redaktion / mbe