Pekanov: Bulgarien ist auf die EU angewiesen

27. Apr. 2022 · Lesedauer 2 min

Der Gas-Stopp in Bulgarien werde kurzfristig keine "katastrophalen" Folgen für Bulgarien haben, ist sich der Ex-Vizepremier und nunmehrige WIFO-Ökonom Atanas Pekanov im Newsroom LIVE sicher. Ohne europäische Solidarität werde die Situation aber nicht bewältigbar sein.

Russland hat am Montag auch Bulgarien das Gas abgedreht. Der Gas-Stopp habe das Land "teilweise überrascht", sagt der ehemalige bulgarische Vizepremier Atanas Pekanov, inzwischen WIFO-Ökonom, im PULS 24 Newsroom LIVE. Der Stopp werde als "Drohung gegenüber Bulgariens, aber auch gegen andere EU-Länder" gesehen und zeige, dass Gaslieferungen von Russland als "geopolitische Waffe" eingesetzt werden. 

Bulgarien "hat die alten Verträge erfüllt", beharrt Pekanov. Russland benütze seine eigenen Forderungen, zwei Konten bei der Gazprom-Bank haben zu müssen, als Ausrede und als Drohung, auch an andere Länder, um zu zeigen, dass es bereit sei, Schritte zu setzen.

Preise werden steigen

Der Gas-Stopp werde zu deutlichen Kosten führen, es werde zu Preiserhöhungen kommen, kurzfristig werde die Lage aber nicht "katastrophal" sein. Bulgarien sei zwar "extrem abhängig" von Russlands Gas, 90 Prozent des Erdgases werde von dort importiert, jedoch mache der Erdgasanteil nur 20 Prozent kompletten des Energiemixes aus.

"Alternative Quellen" bis Winter

Einige energieintensive Industriesektoren werde die Regierung wohl subventionieren müssen. Da nun aber Sommer sei, sollte es bei den Haushalten nicht zu Rationierungen kommen. Bis zur nächsten Heizsaison "sollten wir schnellstmöglich andere, alternative Quellen finden", so der Ökonom. Dabei zählt man auf Lieferungen aus Aserbaidschan über Griechenland. Wenn man sich bemühe, könnte diese Anbindung in drei Monaten fertig sein. Das könne auch eine Möglichkeit sein, die Abhängigkeit von Russland "endlich zu minimieren".

Man rechne jedoch auch damit, dass der Gas-Stopp eine kurzfristige Drohung Russlands sei.

Hilfe der EU notwendig 

Diese Krise werde Bulgarien nicht allein überwinden können. Es sei in den nächsten Monaten auf europäische Solidarität angewiesen, langfristig beim Ausbau erneuerbarer Energie, kurzfristig bei Kompensationsmaßnahmen.

Pekanov befürchtet, dass die russische Bevölkerung sehr lang bereit sei, unter wirtschaftlichen Verlusten zu leiden, wenn der Staat das so entscheide. Der Krieg könne sich also also noch hinziehen.

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam