APA - Austria Presse Agentur

Armin Laschet im Porträt: "Rheinische Frohnatur" will nach Berlin

23. Sept 2021 · Lesedauer 4 min

Armin Laschet gibt sich gern als umgänglich und volksnah. Nach gewonnener Kampfabstimmung beim CDU-Parteitag kam Laschet vor allem wegen eines Fauxpas bei der Flutkatastrophe in seinem Heimatbundesland Nordrhein-Westfalen ins Stolpern.

Einen erfolgreichen Wahlkampf hat Armin Laschet schon geführt. Bei der nordrhein-westfälischen Landtagswahl 2017 schaffte es der damalige christdemokratische Oppositionsführer, die Sozialdemokraten (SPD) in ihrer Hochburg zu besiegen. Seither regiert Laschet mit einer christlich-liberalen Koalition Deutschlands bevölkerungsreichstes Bundesland. Nun strebt der Rheinländer aus der Düsseldorfer Staatskanzlei ins Kanzleramt in Berlin.

Geboren wurde Laschet vor 60 Jahren im äußersten Westen der Republik, der alten Kaiserstadt Aachen, nur wenige Kilometer entfernt vom Dreiländereck zwischen Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Er wuchs in einem katholisch geprägten Elternhaus auf, machte seine mittlere Reife (Abitur) an einem bischöflichem Gymnasium und arbeitete nach seinem Jus-Studium zunächst als Journalist.

Mehre Jahre war er Chefredakteur der "Kirchenzeitung für das Bistum Aachen". Über die kirchliche Jugendarbeit fand er früh den Weg zur Christdemokratie. Mit 28 zog er für die CDU in den Stadtrat von Aachen ein.

Der "Türken-Armin" von Nordrhein-Westfalen

1994 schaffte es Laschet in den damals noch in Bonn tagenden Bundestag, aber nur für eine Wahlperiode. 1999 zog er für die CDU ins EU-Parlament. Nach einem CDU-Wahlsieg bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2005 wurde er unter Ministerpräsident Jürgen Rüttgers Minister für Generationen, Familie, Frauen und Integration. Wegen seiner liberalen Positionen in der Einwanderungsfrage bekam er den Spitznamen "Türken-Armin".

Nach nur fünf Jahren schickten die Wähler die CDU zurück in die Opposition. In den CDU-internen Machtkämpfen setzte sich Laschet 2012 im Ringen um den nordrhein-westfälischen Landesvorsitz durch. Fünf Jahre später führte er seine Partei zurück an die Macht in Düsseldorf.

Als Kanzlerin Angela Merkel ihren Rückzug einläutete und Ende 2018 zunächst den Parteivorsitz abgab, wurde die frühere saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer neue CDU-Chefin. Als "AKK" Anfang 2020 nach einer politischen Krise in Thüringen, bei der sie keine gute Figur abgab, das Handtuch warf, bewarb sich Laschet.

Kampfabstimmung gegen Friedrich Merz

Bei einem Online-Parteitag im Jänner setzte er sich in einer Stichwahl gegen den CDU-Wirtschaftspolitiker Friedrich Merz durch. Damit war der Weg zur Kanzlerkandidatur vorgezeichnet. Am Ende akzeptierte auch der Chef der bayerischen CDU-Schwesterpartei CSU, Markus Söder, Laschet als gemeinsamen Spitzenkandidaten der Unions-Parteien.

Nach den langen Jahren unter der ostdeutschen Protestantin Merkel kehrte mit Laschet - wie schon zu Zeiten der Bundeskanzler Konrad Adenauer (1949-1963) und Helmut Kohl (1982-1998) - ein Vertreter des rheinischen Katholizismus an die Spitze der deutschen Christdemokraten zurück. Medien berichteten über Verbindungen in Laschets Umfeld zur erzkonservativen katholischen Vereinigung Opus Dei, doch steht Laschet eher für einen liberalen Katholizismus. Der "Markenkern" der CDU sei nicht das Konservative, sondern das christliche Menschenbild, sagte er einmal.

Die "rheinische Frohnatur" mit den Fettnäpfchen

Ansonsten pflegt Laschet gerne das Bild einer "rheinischen Frohnatur", die den heimischen Karneval liebt und dem lokalen Fußballklub - dem Viertligisten Alemannia Aachen - die Daumen drückt. In einem TV-Gespräch offenbarte er sich als Fan von Fernsehserien und Gegner von Gender-Sternchen. Laschet ist verheiratet und hat drei Kinder, sein Sohn Johannes machte sich als Modeblogger einen Namen.

Im Wahlkampf versuchte Laschet, mit seiner Regierungserfahrung zu punkten. Allerdings gab er als Landesvater nach der Flutkatastrophe im Juli nicht immer ein gutes Bild ab, die Umfragewerte der CDU/CSU sanken seit Mitte Juli drastisch. Kritiker warfen Laschet auch vor, als Spitzenkandidat zu wenig Position zu beziehen.

Nach Einschätzung mancher Kommentatoren war es Laschets bewusste Strategie, sich möglichst wenig festzulegen, so wie es auch schon bei Merkel war. Zuletzt zeigte er sich aber im Bundestag und bei TV-Diskussionen durchaus angriffslustig.

Quelle: Redaktion / APA / hos