Hacker bei Milborn: Warum die Philharmoniker früher geimpft wurden

19. Apr 2021 · Lesedauer 4 min

Bei PULS 24 Infochefin Corinna Milborn waren am Montagabend Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker, die Epidemiologin Eva Schernhammer und die Allgemeinmedizinerin Lisa-Maria Kellermayr zu Gast und diskutierten über die aktuelle Corona-Situation.

Gleich zu Beginn fragte Milborn den Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ), ob er die Lage auf Intensivstationen als "katastrophal" bezeichnen würde. "Ich würde nicht von katastrophal reden, weil wir uns nicht in diesen Superlativen bewegen", antwortete Hacker. Aber die britische Variante habe die Kontrolle übernommen. Das führe zu mehr schweren Verläufen. Wien würde außerdem zusätzlich auch Patienten aus anderen Bundesländern versorgen.

"Wir sind darauf vorbereitet gewesen, aber wir hätten uns gewünscht, dass wir den Stufenplan nicht so weit ausschöpfen müssen." Zwei weitere Stufen gebe es im Wiener Stufenplan für zusätzliche Intensivbetten noch auszuschöpfen, das sei aber glücklicherweise aktuell nicht notwendig.

Wie es zur Philharmoniker-Impfung kam

Hacker wurde auch auf den zunächst nicht publik gemachten Impftermin für die Wiener Philharmoniker angesprochen. Hacker verteidigte die Impfung mit einem Auftritt der Philharmoniker im Ausland, sagte Hacker. Hätten sie das Konzert im Mai aufgrund des Infektionsrisikos ohne Impfung absagen müssen, hätten die Philharmoniker eine sehr hohe Summe wegen Vertragsbruchs zahlen müssen.

Deshalb habe man sie unterstützen wollen. Die Philharmoniker seien auch ein Aushängeschild Wiens im Ausland. Wie die Impfaktion gehandhabt wurde, sei aber unglücklich gewesen, gestand Hacker ein. Wäre sie aber publik gemacht worden oder die Philharmoniker nicht vorgereiht worden, hätte es wohl die selben Debatten über Prioritäten gegeben, zeigte er sich aber überzeugt.

Bedenken wegen AstraZeneca nicht "vom Tisch wischen"

Die Impfbereitschaft sei sehr hoch. Dass Impftermine wegen AstraZeneca abgesagt werden, käme zwar vor, "die Debatte findet aber sehr viel mehr in der Theorie statt als in der Praxis", meinte Hacker.

Epidemiologin Eva Schernhammer sagte, man solle Bedenken wegen des Thromboserisikos bei AstraZeneca durchaus ernst nehmen. "Ich würde das nicht vom Tisch wischen", sagte sie. Für junge Menschen, die nicht so eine hohe Wahrscheinlichkeit hätten, an Corona zu sterben, sei die Gefahr von Blutgerinnseln nicht zu vernachlässigen.

Die Impfbereitschaft sei auch am Land "sehr hoch", sagte die Ärztin Lisa-Maria Kellermayr. Aber sie merke schon einen Unterschied, etwa ob sie in ihrer Praxis impfe, wo die Patienten ein hohes Vertrauen hätten, oder in Impfstraßen. Bei AstraZeneca würden die Patienten außerdem viel mehr Fragen stellen als bei mRNA-Impfstoffen.

Unterstützung der Politik "könnte besser sein"

Kellermayr hat vor allem in der zweiten Welle viele Corona-Patienten auf dem Land betreut. Von Mitte Oktober bis Ende November habe sie 618 Patientenkontakte in 92 Diensten gehabt. Daher habe sie sehr viele unterschiedliche Krankheitsverläufe und Symptome gesehen.

Sie betonte, dass es viele mögliche Symptome gebe, die nicht alle mit den Atemwegen zu tun hätten, etwa Magenprobleme. Und sie beklagte, dass die Patienten zu wenig über mögliche Symptome und Verhaltensweisen sowie Risikofaktoren bei einer Infektion informiert würden. Als größte Risikofaktoren nannte Kellermayr Alter, Diabetes und vor allem Übergewicht.

Ob sie sich von Politik und Behörden ausreichend unterstützt fühlt? "Es könnte besser sein, um es diplomatisch zu sagen", meinte Kellermayr. Viele Teile der Bevölkerung würden kaum erreicht. Stadtrat Hacker betonte daraufhin, dass es in Wien sehr wohl öffentlich zugängliche Informationen gebe. Auf Kellermayrs Frage, wo dies geschehe, antwortete Hacker, dass dies auf der Website der Stadt Wien geschehe. Kellermayr: "Ja, wie soll denn eine 90-Jährige da drankommen?"

Öffnungen im Mai?

Befragt dazu, ob Öffnungen im Mai zu erwarten seien, sagte Hacker, er sei kein Freund von so konkreten Zeitprognosen, man müsse vor allem die Intensivstationen im Auge behalten. Bei entsprechender Durchimpfung sei er aber auf jeden Fall ein Vertreter des Grünen Passes.

Auch Epidemiologin Schernhammer wünschte sich "einen stabilen Abwärtstrend" bevor man an Öffnungen denkt. Das sei aktuell in Wien noch nicht der Fall. Schulöffnungen könne sich Schernhammer mit entsprechenden Tests vorstellen. Auch wenn die britische Variante die Verbreitung bei Kindern und Jugendlichen erhöht habe, sei das Infektionsgeschehen bei diesen nach wie vor niedriger. Bei den Testungen und der Quarantäne müsse man aber die Eltern bzw. Haushalte von corona-positiven Kindern viel mehr einbeziehen.

Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos