APA - Austria Presse Agentur

Armenien: Proteste gegen Waffenstillstand mit Aserbaidschan

13. Nov 2020 · Lesedauer 2 min

In Armenien sind den vierten Tag in Folge tausende Menschen aus Protest gegen das Waffenstillstandsabkommen mit Aserbaidschan auf die Straße gegangen. Mehrere tausend Demonstranten versammelten sich am Freitag im Zentrum der Hauptstadt Eriwan und forderten den Rücktritt von Regierungschef Nikol Paschinjan.

Die verfeindeten Nachbarstaaten Armenien und Aserbaidschan hatten sich in der Nacht zum Dienstag nach wochenlangen schweren Kämpfen auf einen Waffenstillstand in der umstrittenen Kaukasus-Region Berg-Karabach geeinigt. Armenien musste dabei schwere Gebietsverluste hinnehmen.

Auf dem Freiheitsplatz in Eriwan hielten Demonstranten am Freitag Plakate mit der Aufschrift "Nikol Verräter" hoch. Der Oppositionspolitiker Wardan Woskanyan von der Heimatland-Partei sagte, Paschinjan habe nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens nicht mehr das Recht, in Armenien zu leben. Verschiedene Oppositionsgruppen hatten dem Regierungschef bis Donnerstag Zeit gegeben, um zurückzutreten. Die Regierung wies das Ultimatum aber zurück.

Das unter russischer Vermittlung getroffene Waffenstillstandsabkommen sieht vor, dass beide Kriegsparteien jene Gebiete behalten dürfen, in denen sie derzeit die Kontrolle haben - für Armenien bedeutet das große Gebietsverluste. Aserbaidschan hatte im Laufe der Kämpfe mit den pro-armenischen Truppen gut 15 bis 20 Prozent des Territoriums von Berg-Karabach erobert.

Zur Kontrolle des Waffenstillstands kündigte Russland die Entsendung von rund 2.000 Soldaten und hunderten Armeefahrzeugen an die Frontlinien an. Sie sollen unter anderem einen Korridor absichern, der den Bezirk Latschin in Berg-Karabach mit dem armenischen Staatsgebiet verbindet.

Berg-Karabach hatte während des Zerfalls der Sowjetunion einseitig seine Unabhängigkeit erklärt. Darauf folgte in den 90er Jahren ein Krieg mit 30.000 Toten. Die selbsternannte Republik wird bis heute international nicht anerkannt und gilt völkerrechtlich als Teil Aserbaidschans. Sie wird aber mehrheitlich von Armeniern bewohnt. Die Kämpfe waren Ende September wieder voll entbrannt. Seither wurden nach Angaben beider Seiten mehr als tausend Menschen getötet.

Quelle: Agenturen