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Mattle Tiroler ÖVP-Obmann - Nehammer regt mit "Alkohol oder Psychopharmaka"-Sager auf

09. Juli 2022 · Lesedauer 4 min

Anton Mattle zeigte sich beim Tiroler Landesparteitag schon vorab siegesgewiss und behielt recht. Er bekam 98,9 Prozent der Stimmen und wurde zum Landesparteiobmann der Tiroler ÖVP gewählt. Standing Ovations gab es auch für Vorgänger Günther Platter, von Kanzler Karl Nehammer kam viel Lob. Selbiger meinte, sollte man bei der Teuerung so weitermachen, bleibe noch "Alkohol oder Psychopharmaka".

Der neue Landesparteiobmann der Tiroler ÖVP heißt Anton Mattle. Der Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 25. September und Wirtschaftslandesrat wurde am Samstag bei einem Ordentlichen Landesparteitag in Alpbach mit 98,9 Prozent der Delegiertenstimmen für fünf Jahre gewählt. Damit ist die Parteichef-Ära des scheidenden LH Günther Platter nach mehr als 13 Jahren beendet.

Im Vorfeld hatte der frühere Bürgermeister von Galtür ein Ergebnis über 90 Prozent als Zielvorgabe ausgegeben. Platter hatte bei seiner ersten Obmannwahl im Jänner 2009 96,3 Prozent erreicht.

Eindringlich bat Mattle vorab um größtmögliche Unterstützung bei der Obmannwahl: "Wenn es heute gut geht, wird das ein Turbo für die Wahl". Nur wenn die Partei geeint sei, könne man die Wahl mit einem "guten Ergebnis gewinnen". Dann werde man eine "Wahlbewegung" auf die Beine stellen können, die viele Tirolerinnen und Tiroler überzeugen werde. Der 59-jährige, frühere Bürgermeister von Galtür legte seine Rede, die er mitunter völlig frei hielt, großteils sehr pragmatisch und nachdenklich an. 

Mehr Wasser- und Sonnenkraft, Absage an Windräder

Ein zentrales Element war die sogenannte "Energiewende": "Das ist die Chance schlechthin für Tirol". Eine deutliches Bekenntnis legte er zum Ausbau der Wasserkraft ab: "Das ist der Bodenschatz Tirols". Das Bundesland habe aber auch das "Potenzial, Weltmeister im Ausbau von Fotovoltaikanlagen" zu werden. Der Windkraft attestierte der mögliche künftige Landeschef in Tirol hingegen nur "bescheidenes Potenzial".

Thema waren auch Transit (Verkehr nahm zu, Schadstoffbelastung aber ab), die Dauercausa Wolf und Bär ("Großraubtiere haben keinen Platz in Tirol") und die die Gründung von Immobiliengenossenschaften. In Sachen (Teuerungs)-Krise lobte Mattle den Bund. Bund und Land könnten aber nicht alles abfedern: "Wir müssen solidarisch sein und zusammenhalten. Dafür bitte ich um Verständnis".

Neues Führungsteam erst im August

Mattle will erst im August sukzessive sein mögliches neues Team präsentieren, wie er am Mittwoch klarmachte. Der Tiroler Ex-EU-Kommissar und Parteigrande Franz Fischler hatte bereits jetzt einen Ratschlag parat. "Um erfolgreich zu sein, muss Mattle ein komplett neues Führungsteam aufbauen", sagte er der "Tiroler Tageszeitung" (Samstagsausgabe). In einer derart mediatisierten Welt könnten nur neue Gesichter neue Inhalte vermitteln.

Platter forderte emotional Unterstützung

Tirols Landeshauptmann und ÖVP-Parteichef Günther Platter hat in einer emotionalen Rede in Alpbach einen "enormen Rückenwind" durch den Parteitag für seinen designierten Nachfolger Anton Mattle beschworen. Dies sei entscheidend, um mit voller Kraft in die Wahl zu gehen. Mattle bringe alles mit, was es braucht. Der Opposition gehe es nur darum, die "ÖVP weg zu haben", egal mit welchen Mitteln. Dem müsse man alles entgegensetzen, so Platter.

Standing Ovations für Platter: "Wir haben es gut gemacht"

Am Schluss wurde Platter besonders emotional. "Was bleibt", habe er sich gefragt. Er sei kürzlich in seinem Heimatort Zams auf den Berg gegangen und habe sich gedacht: "Wir haben es gut gemacht. Meine Enkel werden es auch so gut haben wie wir". "Es war mir jeden Tag eine Ehre, Landeshauptmann von Tirol zu sein. Passt mir gut auf - auf das Land Tirol und unsere Volkspartei". Standing Ovations folgten auf den Mann, der Tirol 14 Jahre lang regierte.

Viel Lob von Nehammer

Bundeskanzler und ÖVP-Bundesparteiobmann Karl Nehammer lobte Mattle über den grünen Klee. Er sei "mehr als beeindruckt" gewesen, als er gehört habe, dass Mattle Günther Platter nachfolgen soll. Denn dieser habe bereits "unglaubliche Herausforderungen" meistern müssen, meinte Nehammer in Bezug auf die Lawinenkatastrophe in Galtür 1999.

Nehammer: Ohne Maßnahmen gegen Teuerung bleiben "Alkohol oder Psychopharmaka"

Nehammer nutzte sein Statement, um auf die Teuerungen einzugehen. Sie und die Inflation seien "der Feind". Maßnahmen müssten die Inflation drücken, denn denn wenn "wir jetzt so weitermachen, gibt's für euch nur zwei Entscheidungen - Alkohol oder Psychopharmaka." Alkohol sei ja grundsätzlich ok, so der Kanzler weiter, aber man solle nur anstoßen, wenn es einem gutgeht.

ÖVP abgestürzt und unter Zugzwang

Zweieinhalb Monate vor der vorgezogenen Landtagswahl am 25. September ist die Tiroler ÖVP in den Umfragen abgestürzt und unter Zugzwang. Bei der Wahl 2018 stimmten noch 44,26 Prozent für die ÖVP, laut neuesten Umfragen liegt die Partei nun nur noch bei rund 30 Prozent. Die Wahl von Spitzenkandidat und Wirtschaftslandesrat Anton Mattle zum Landesparteiobmann, der nach 13 Jahren Günther Platter ablöst, soll eine Aufholjagd starten. 

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam