Anschober: "Lasse mich von Zwischenrufen der Opposition nicht beeinträchtigen"

19. Feb 2021 · Lesedauer 5 min

Gesundheitsminister Anschober verteidigt im PULS-24-Interview das harte Durchgreifen gegen Corona-Maßnahmenverweigerer in Kärnten. Er gibt an, sich von der Opposition nicht unter Druck setzen zu lassen. Falls gesundheitliche Maßnahmen wie in Tirol notwendig seien, würde er zwar auf Konsens setzen, aber auch zur Not allein entscheiden.

Im Newsroom LIVE auf PULS 24 am Freitag bei Anchorwoman Sabine Loho zog Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) nach einem Jahr Covid-19-Pandemie in Österreich eine Zwischenbilanz. Klar sei, auch wenn man im Sommer, "mit den Impfungen durch ist", dass das Virus nicht verschwinden wird. Der Gefahr eventuell auftretender, weiterer Mutationen - nach der britischen und der südafrikanischen - wolle man vorbeugen, indem man "sehr präzise" kontrolliert. Damit erhofft der Politiker sich, "möglichst schnell neue Mutationen zu entdecken." Österreich sei momentan das einzige Land, das jeden positiven PCR-Test auf Mutationsverdacht untersuche. 

Drei Millionen Tests wöchentlich "ziemliche Spitzenklasse"

Anschober gab zu, auf fehlendes Equipment oder Internet in den Schulen angesprochen, bei dem "Riesentempo" in dem sich die Krise entwickle, "nicht immer alles aufholen" zu können. Der Minister wies stattdessen auf die enormen Fortschritte beim Testen hin. "Erinnern wir uns an den Frühling des letzten Jahres. Als die Pandemie losgegangen ist, haben wir ein paar hundert tagtäglich gehabt. Jetzt sind wir täglich bei 250.000 und mehr." In einer Woche würden in Österreich drei Millionen Tests gemacht. Das sei schon "ziemliche Spitzenklasse". 

Quarantäne nicht so wichtig wie "sehr, sehr, sehr viele Testungen"

Die momentan im Österreichvergleich extrem hohe 7-Tage-Inzidenz im Kärntner Bezirk Hermagor sieht Anschober nicht als Grund, eine Quarantäne verhängen zu müssen. Entscheidend sei "weniger die Frage, ob man einen Bezirk absperrt oder nicht. Wichtig ist, rasch zu reagieren mit Contact Tracing und mit sehr, sehr, sehr vielen Testungen. Wenn das gut funktioniert, dann werden die Zahlen sehr rasch wieder runtergehen." 

"Dann kann ich selbstverständlich auch allein entscheiden"

Auf die zögerlichen Maßnahmen und das politische Hickhack in Tirol angesprochen, bekundete Anschober: "Der Bundeskanzler und ich haben gemeinsam auf den Tiroler Landeshauptmann recht intensiv eingeredet. Da ist dann einiges passiert, was die regionalen Maßnahmen in Tirol betrifft." Die Testungen bei der Ausreise aus Tirol seien "so ziemlich die gravierendsten Maßnahmen, die man diesbezüglich verankern kann." Er setzte auf Konsens, "weil ja die Akzeptanz besser ist, wenn die Region eine Maßnahme mitträgt und unterstützt". Aber falls eine Region dies nicht tue, "dann kann ich selbstverständlich auch allein entscheiden."

Tirol: "Viel zu früh für eine Entwarnung"

Am Freitag wurde eine Verlängerung der Ausreisetest-Pflicht in Tirol beschlossen. "Es ist so, dass es nach wie vor ein Ausbreitungsgeschehen gibt", begründete Anschober die Entscheidung. "Das ist stabilisiert im Augenblick, aber es ist viel zu früh für eine Entwarnung. Da ist noch sehr viel Dynamik da und so lange wir keine Entwarnung haben, müssen wir derartige Maßnahmen auch verlängern."

"Aktion scharf", wenn sich Menschen nicht an Corona-Vorgaben halten

Im Bezirk Hermagor gibt es viele Anzeigen gegen Lokale, Beherberger und private Feiern. Viele Menschen ignorieren die Maßnahmen. "Ich halte es aber für wichtig und richtig, dass die Bundesländer jetzt dazu übergehen, die Exekutive und die Gesundheitsbehörden dorthin zu schicken, wo es stark steigende Zahlen gibt. Damit man rasch kontrollieren und sehen kann, ob die Akzeptanz hier wirklich im Sinken ist. 

Dann gibt es 'Aktionen scharf'". Das hält Anschober für "richtig'", denn "die entsprechenden Maßnahmen sind für die ganze Bevölkerung da. Alle müssen sie umsetzen und es kann nicht sein, dass eine kleine Gruppe verhindert, dass diese Maßnahmen auch tatsächlich wirken.

Zwischenrufe der Opposition beinträchtigen Anschober "nicht im Mindesten"

Auf Rücktrittsforderungen ihm gegenüber angesprochen, reagierte Anschober gelassen. "Was mich betrifft, so lasse ich mich von Zwischenrufen, die von der Opposition kommen, absolut nicht im Mindesten beeinträchtigen. Ich gehe meinen Weg. Ich versuche, Österreich mit ruhiger Hand durch diese Krise zu führen."

"Lasse mich von niemandem unter Druck setzen"

Über einen Termin für die Gastro-Öffnung soll am 1 März. entschieden werden. In der Opposition gibt es Stimmen, die auf eine sofortige Öffnung pochen. Anschober entgegnet, dass er sich "von niemandem unter Druck setzen" lassen will. Die Opposition selbst sei uneinig. "Wir gehen da einen ganz klaren Kurs und der heißt, wir werden am 1. März überprüfen, ob Öffnungsschritte verantwortbar sind." 

FFP2-Maskenpflicht im Freien teilweise sinnvoll

Die Idee, im Freien FFP2-Maskenpflicht einzuführen, mache nicht generell Sinn, so führte er fort. Aber wo eine große Dichte von Menschenansammlungen sei, wie zum Beispiel beim Warten in Einkaufszentren, schon. "Wir haben einen entsprechenden Erlass und die Landeshauptleute versandt und die können jetzt entscheiden, ob und wo sich entsprechende Bereiche in ihrem Landesgebiet befinden."

Gegnern des Impfstoffs von AstraZeneca, hält der Gesundheitsminister entgegen, dass man keine Wahlmöglichkeit zwischen Impfstoffen hat. "Das würde zu einem Chaos in der Verteilung führen." Deshalb sei es "ganz, ganz wichtig, sich nicht irritieren zu lassen". 

 

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam