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Amnesty: Ukrainische Kampftaktik gefährdet Zivilisten

04. Aug. 2022 · Lesedauer 3 min

Militärische Stützpunkte in Wohngebieten, Schulen und Krankenhäusern: Die Taktik der ukrainischen Truppen gefährdet die eigene Zivilbevölkerung, die dann bei Gegenangriffen der Russen getötet würden, kritisiert Amnesty International. Die Kriegsverbrechen der Russen würde das freilich keinesfalls rechtfertigen.

"Bei der Abwehr des völkerrechtswidrigen russischen Angriffskriegs hat das ukrainische Militär wiederholt aus Wohngebieten heraus operiert und damit Zivilpersonen in Gefahr gebracht", kritisiert Janine Uhlmannsiek, Europa- und Zentralasien-Expertin von "Amnesty International". Die Folge der ukrainischen Strategie wären einerseits tote Zivilisten, es würde dadurch aber auch mehr zivile Infrastruktur zerstört. 

Verstoß gegen Völkerrecht

Außerdem sei die Taktik laut der "Amnesty"-Expertin ein Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht. "Dass die ukrainischen Streitkräfte sich in einer Verteidigungsposition befinden, entbindet sie nicht von ihrer Pflicht, sich an völkerrechtliche Regelungen zu halten." Russische Truppen, so der Amnesty-Bericht, würden aber auch unabhängig davon zivile Ziele angreifen. Bei den Angriffen in der Region Charkiw etwa habe es keine Hinweise auf die Anwesenheit von ukrainischem Militär gegeben, wie "diepresse.com" berichtet. 

Ukraine: AKW als russisches Schutzschild

Russen begehen Kriegsverbrechen

Die Taktik der Ukraine würde aber keinesfalls das Verhalten der russischen Seite rechtfertigen. Das russische Militär mache sich vieler "wahlloser Schläge" mit zivilen Opfern schuldig, die Amnesty in den vergangenen Monaten dokumentiert habe. "Wahllose Angriffe, bei denen Zivilpersonen verletzt oder getötet werden, sind Kriegsverbrechen." Seit Beginn des russischen Angriffskriegs Ende Februar wurden wiederholt Fälle schwerster Verbrechen an Zivilisten öffentlich, für die die Ukraine - aber auch große Teile der internationalen Gemeinschaft - Russland verantwortlich machen. Zu den schockierendsten Fällen zählen etwa der Fund Hunderter Leichen im Kiewer Vorort Butscha oder ein Raketenangriff, der im April fliehende Ukrainer in der östlichen Stadt Kramatorsk traf.

Aktuelle Informationen zum Krieg in der Ukraine im PULS 24 Liveblog: 

Russland schlachtet Kritik aus, Ukraine empört

Während der Bericht von kremltreuen russischen Medien ausführlich thematisiert wurde, zeigte sich Kiew empört. Der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak warf Amnesty eine Beteiligung an einer russischen Propaganda-Kampagne vor, mit welcher die westlichen Waffenlieferungen gestoppt werden sollen.

"Die einzige Gefahr für Ukrainer ist die russische Armee aus Henkern und Vergewaltigern, die in die Ukraine kommen und einen Genozid verüben", schrieb Podoljak auf Twitter. Er verwies zudem darauf, dass immer wieder Bewohner aus frontnahen Städten evakuiert würden - eben weil das Leben der Zivilbevölkerung für die Ukraine Priorität habe.

Marianne LamplQuelle: Agenturen / Redaktion / lam