Dubowy: Deserteure bedeuten "größte politische Probleme für Putin"

27. Sept. 2022 · Lesedauer 2 min

Alexander Dubowy, Politikanalyst und Osteuropaexperte, meint im PULS 24 Interview, dass die Teilmobilmachung für großen Druck in der russischen Gesellschaft sorgen dürfte. Das liege vor allem daran, dass der Krieg nun "in den Wohnzimmern" der Russ:innen angekommen sei.

Dass im Rahmen der Mobilmachung bereits über hunderttausend Männer Russland verlassen haben, beweise für den Politikanalysten und Osteuropaexperten Alexander Dubowy, dass die Teilmobilmachung für Putin und die politische Führung "größte politische Probleme" bereitet.

Westen könnte Russ:innen proaktiv Asyl anbieten

Mittel- bis langfristig würden die Fahnenflüchtigen ein "sehr großes Problem für Russland" werden - "kurzfristig ist die Moral die russischen Armee sehr niedrig". Für Dubowy könnte auch der Westen den Druck auf Russland weiter erhöhen. Nämlich dann, "wenn der Westen aktuell die Chance nützen würde und auch proaktiv den Menschen in Russland anbietet, das Land zu verlassen und Asyl im westlichen Ausland zu erhalten". Das würde "die Moral der Streitkräfte weiter schwächen und die Proteststimmung im Land weiter anheizen".

Generalmobilmachung auf Raten

Der Krieg ist für Dubowy "in den Wohnzimmern" der russischen Bevölkerung angekommen. Dubowy meint auch, dass es sich bereists um eine "Generalmobilmachung auf Raten" handle - die "apolitische Bevölkerung" werde zunehmend empfänglicher für Informationen zum Krieg. Die Proteste im Nordkaukasus hält Dubowy für derzeit am wichtigsten und könnten die Stimmung weiter anheizen, handle es sich beim Kaukasus doch generell um "ein Pulverfass".

Dass das russische Regime die "militärische Spezialoperation" als Krieg benennen könnte, hält Dubowy für unwahrscheinlich. Denn dann müsste Russland wohl den Kriegszustand in den Grenzgebieten verhängen - junge Männer dürften dann nicht mehr ausreisen, das würde den "Druck in der Gesellschaft weiter erhöhen".

Mit den Scheinreferenden wolle Putin zum einen Zeit gewinnen und zum anderen dem Westen vor Augen führe, dass nur mehr wenig Zeit für Deeskalation bleibe, so Dubowy.

Maximilian SperaQuelle: Redaktion / msp