AKW Saporischschja ohne Strom

03. Nov. 2022 · Lesedauer 3 min

Das AKW Saporischschja im Süden der Ukraine ist nach russischem Beschuss vom Stromnetz getrennt. Die verbliebenen Hochspannungsleitungen seien getroffen und beschädigt worden, teilt der ukrainische Betreiber Energoatom mit.

Das AKW werde nur noch über Dieselgeneratoren versorgt. Berichte über schwere Explosionen gibt es aus der russisch besetzten Stadt Melitopol. Angriffe gab es zudem im Donbass sowie in der Zentralukraine.

AKW wiederholt Geschossen ausgesetzt

Das Atomkraftwerk Saporischschja ist das größte in Europa. Der Diesel-Vorrat für die Generatoren reiche für 15 Tage, hieß es. Das AKW ist seit längerem von russischen Truppen besetzt, wird aber von den ukrainischen Beschäftigten betrieben. Das Gelände des Kraftwerkes in der Stadt Enerhodar wurde wiederholt getroffen, wofür sich die Kriegsparteien gegenseitig verantwortlich machen. Sie werfen einander vor, damit eine atomare Katastrophe zu riskieren.

Explosionen in Melitopol 

Unklar ist die Lage in Melitopol. Zwar bestätigten Vertreter beider Seiten die Explosionen, die Darstellungen darüber gehen aber auseinander. Die russische Flugabwehr habe anfliegende ukrainische Raketen abgeschossen, schrieb etwa ein Vertreter der Besatzungsverwaltung auf Telegram. Der vertriebene ukrainische Bürgermeister von Melitopol, Iwan Fedorow, sagte hingegen, es sei ein Fabrikgebäude mit einem russischen Stab darin beschossen worden. Russland nutzt Melitopol als Verwaltungssitz für das teilweise eroberte Gebiet Saporischschja, das es für annektiert erklärt hat.

Russische Angriffe in Bachmut und Awdijiwka

Der ukrainische Generalstab berichtete zudem in seinem morgendlichen Lagebericht von russischen Angriffen bei den Städten Bachmut und Awdijiwka im Donbass. Aus der zentralukrainischen Stadt Krywyj Rih wurden Zerstörungen an einem Objekt der Stromversorgung gemeldet. Dort sei eine russische Drohnen eingeschlagen. Auch Sumy und Charkiw im Nordosten seien angegriffen worden.

In den Regionen Luhansk und Donezk im Osten hielten die Kämpfe ebenfalls an. "Der Feind versucht, die vorübergehend eroberten Gebiete zu halten", teilte der ukrainische Generalstab mit. "Er konzentriert seine Bemühungen darauf, die Aktionen der Verteidigungskräfte in bestimmten Gebieten einzudämmen."

Britischer Geheimdienste: Russland fehlt es an modernen Kampffahrzeugen

Nach enormen Verlusten fehlen Russland nach Einschätzung britischer Geheimdienste offenbar moderne Kampffahrzeuge. Russische Soldaten seien mutmaßlich frustriert, dass sie alte Infanterie-Fahrzeuge nutzen müssten, die "Aluminiumdosen" genannt würden, hieß es am Donnerstag im täglichen Kurzbericht des britischen Verteidigungsministeriums.

Mitte Oktober hätten die russischen Einheiten im Angesicht ukrainischer Gegenangriffe mehr als 40 Fahrzeuge pro Tag verloren, was den Briten zufolge etwa der Ausrüstung eines gesamten Bataillons entspricht. In den vergangenen Woche habe Moskau mindestens 100 zusätzliche Panzer und Infanterie-Kampffahrzeuge aus belarussischen Beständen gekauft. Mutmaßlich sei es jedoch schwierig für die russischen Einheiten, ausreichend geeigneten Ersatz für das beschädigte Material zu beschaffen, was der Offensive Probleme bereite.

Quelle: Agenturen / frn