49 Prozent für Verbot von gendergerechter Sprache in Ämtern

24. Okt. 2022 · Lesedauer 3 min

Meinungsforscher Christoph Haselmayer präsentiert im neuen PULS 24 Format "Herr Haselmayer, Zahlen bitte" Umfrageergebnisse zum Thema "Gendern". Es zeigt sich, dass es in Österreich noch immer stark auseinandergehende Meinungen zu gendergerechter Sprache gibt.

Das Institut für Demoskopie und Datenanalyse (IFDD) hat im Auftrag der "Kronen Zeitung" eine repräsentative Umfrage zum Thema "Gendern" durchgeführt.

Umso jünger, desto mehr Verständnis fürs "Gendern"

Grundsätzlich sind 54 Prozent der befragten Personen gegen bundesweit einheitliche Regeln für eine gendergerechte Schreibweise. Acht Prozent haben dazu keine Meinung. Haselmayer erklärt, dass sich Personen, die formal gebildeter - "also mit Matura" - und unter 30 Jahre alt sind, eher für das "Gendern" aussprechen und "mehr Verständnis haben".

Die 30- bis 50-Jährigen seien da schon kritischer und bei den sogenannten "Älteren" (50 bis 70 Jahre) sei es noch schwieriger. Diese können dem Meinungsforscher zufolge "mit dem Thema gar nichts mehr anfangen". 

Hinsichtlich der politischen Präferenzen sei laut Studie erkennbar, dass unter den Anhänger:innen der Grünen eine hohe Zahl an Befürworter:innen ist - im Gegensatz zu den anderen politischen Parteien.

Sollte es Ihrer Meinung nach bundesweit einheitliche Regeln für eine gendergerechte Schreibweise geben?

Haselmayer betont, dass es sich hier um ein "sensibles Thema" handelt und man "die Guillotine in den Innenhof stellen kann". Selbstironisch fügt er noch hinzu, dass er "als Mann" die Umfrageergebnisse zwar präsentiert, hebt jedoch hervor, dass die Studienleitung eine Frau - Nadine Ejupi - hatte. 

"Gendern ist eine heftige und emotionale Debatte" - dieser Aussage stimmen 76 Prozent zu bzw. eher zu. "Das Ergebnis ist hier sehr sehr eindeutig", sagt Haselmayer. "Da fliegen oft natürlich auch die Fetzen in der Familie". Besonders in den Medien sorge das Thema immer wieder für Unmut, wenn zum Beispiel Moderator:innen gendersensible Sprache verwenden. 

„Gendern ist eine heftige und emotionale Debatte.“

Mehrheit gegen gendersensible Sprache in den Medien

Das IFDD hat auch auf diesen Themenaspekt Bezug genommen und gefragt, ob die befragten Personen eine gendersensible Sprache in den Medien gut finden würden. Hier war ein klare Positionierung erkennbar: Nur 23 Prozent beantworteten diese Frage mit einem "Ja", 71 Prozent sind dagegen. Bei den unter 30-Jährigen werde dies mit 38 Prozent noch eher akzeptiert, doch bei der 50+ Generation befürworten lediglich 18 Prozent eine gendersensible Sprache. 

Finden Sie eine gendersensible Sprache in den Medien gut?

Gendern in öffentlichen Einrichtungen verbieten

Ein Verbot der gendergerechten Sprache in öffentlichen Einrichtungen halten 49 Prozent der Befragten für sinnvoll, 40 Prozent für nicht sinnvoll und 11 Prozent haben keine eindeutige Position. Dass geschlechtergerechte Sprache ein wichtiger Aspekt sei, um die Gleichbehandlung der Geschlechter zu fördern, sehen nicht alle ein. Dieser Aussage stimmen 64 Prozent der Befragten eher nicht bzw. gar nicht zu. 

Studienleiterin Ejupi sagt zu der Thematik: "Sprache ist ein Experimentierfeld und ist Ausdruck ihrer Zeit und der Gesellschaft. Den wenigsten Menschen ist es bewusst, dass sie jeden Tag intuitiv viele gendersensible Formen verwenden und sich ihre Sprachgewohnheiten verändern. Doch bis Gendern zur Alltagssprache gehört, dauert es noch."

Nächste Woche widmet sich Christoph Haselmayer dem Thema, wie aus Liebe Hass werden kann. Dabei nimmt Haselmayer auch Bezug auf die Kurz-Schmid-Causa. Zudem präsentiert er die Studie eines anderen Instituts, die sich damit befasst hat "was uns so richtig stört".

Zu der Befragung: 

An der Online-Befragung im Zeitraum 17. Oktober 2022 – 20. Oktober 2022 nahmen 1.250 Wahlberechtigte Österreicher:innen ab 16 Jahren teil. Es besteht eine Schwankungsbreite von +/- 2,8 Prozent. Das Gewichtungsverfahren bezog nach Geschlecht, Alter, Bildung, Berufstätigkeit, Haushaltsgröße, Kinder im Haushalt, Bundesland und Wahlverhalten bei der Nationalratswahl 2019.

Astrid PozarekQuelle: Redaktion / poz