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Johnny Ertls EM-Tagebuch: Die Renaissance Italiens unter Mancini

06. Juli 2021 · Lesedauer 3 min

PULS 24 Experte Johnny Ertl analysiert täglich während der EURO 2020 exklusiv aktuelle Themen rund um die Europameisterschaft. Dieses Mal spricht der Ex-Nationalspieler über die Renaissance des italienischen Fußballs unter Roberto Mancini.

Die Auferstehung des italienischen Nationalteams in den letzten drei Jahren ist einem Mann zu verdanken: Roberto Mancini. Der Mann, der in Bolognas Jugendakademie liebevoll "il Bimbo" genannt wurde, leitete eine der größten Renaissancen des italienischen Fußballs ein. Sein Team besticht durch eine wahre Siegermentalität, die er selbst bei jeder Pressekonferenz verkörpert und von jedem seiner Spieler einfordert.

Seine Ambitionen bei seinem Amtsantritt im Jahr 2018 waren klar: Italien wieder an die Spitze des Weltfußballs bringen. Zum damaligen Zeitpunkt waren das große Worte. Mancini übernahm eine desolate Truppe, die sich zuvor erstmalig seit 60 Jahren nicht für eine Weltmeisterschaft qualifizieren konnte. Er krempelte sein Team gewaltig um, gab Youngstars wie Nicolo Zaniolo oder Sandro Tonali internationale Debüts bevor sie überhaupt ihre Erfahrungen in der Serie A feiern durften.

APA - Austria Presse Agentur

Roberto Mancini coacht sein Team während dem Spiel gegen die Schweiz.

Mancini impft Team neue Identität ein

Mancini gab fortan der Squadra Azzurra eine Identität und Spielphilosophie. Das Mittelfeld-Trio mit Jorginho, Marco Veratti und Nicolo Barella sollte das Herzstück des neuen italienischen Motors werden. Ein Trio, das sich so wunderbar am Spielfeld komplementiert: Der eine organisiert das Spiel, der andere ist ein Meister der Balleroberungen, der letztere bricht gegnerische Linien durch seine immense Laufarbeit auf.

Lorenzo Insignie und Federico Chiesa geben der Mannschaft in der Offensivbewegung viel Dynamik, kommen oft über die Außenbahnen und bewegen sich flink in das Zentrum durch ihre kraftvollen Vorstöße. Ciro Immobilie ist gesetzt. Der Stürmer gewann nicht nur den goldenen Schuh in der letzten Saison, er ist die lebende Torversicherung von Lazio Rom und ein wahres Unikat.

Spinazzola muss ersetzt werden

Roberto Mancini wird keine großen taktischen Veränderungen im heutigen Halbfinale machen und sein Team gegen Spanien wie gewohnt in einem 4-3-3 System auf das Feld schicken. Diese Grundformation ändert sich sehr schnell im Ballbesitz zu einem 3-2-4-1, wobei einer der beiden Außenverteidiger noch offensiver als der andere agiert. Diese offensivere Rolle hat im Normalfall Leonardo Spinazzola inne, eine schwere Verletzung im Spiel gegen Belgien bedeutet für ihn eine längere Pause. Emerson oder Rafael Toloi werden ihn ersetzten, eine qualitative Schwächung in der Offensivbewegung wird dies allemal mit sich bringen.

Die Spanier werden zu Beginn das Spiel kontrollieren wollen und wie gewohnt eine Dominanz im Ballbesitz ausstrahlen. Die Statistik spricht für das Team von Luis Enrique. Mit einem durchschnittlichen Ballbesitz von 67,2 Prozent über den ganzen Turnierverlauf weiß man über die hohe Qualität der Ballzirkulation in den eigenen Reihen Bescheid. Ein Schwächeanfall wie im Achtelfinale gegen Kroatien, wo man eine Führung gegen Ende des Spiels leichtfertig aus der Hand gab, darf dem Team gegen Italien nicht passieren.

Das letzte Drittel am Spielfeld müsste energischer bespielt werden, die fehlende Kreativität in dieser Zone ist für mich ein großes Manko der spanischen Mannschaft. Und dann laufen Alvara Morata & Co noch gegen das italienische Defensiv-Bollwerk an: Die ehrenwerten Herren Giorgio Chiellini und Leonardo Bonucci bringen es gemeinsam auf 70 Jahre und verdammt viel internationale Erfahrung.

Um 21 Uhr also startet für mich also der erste Halbfinal-Leckerbissen Italien gegen Spanien. (Verfolgen Sie das Spiel im PULS 24 Liveticker)Ich überlege noch, ob ich heute zum Hauptabendprogramm eine Paella oder doch lieber Spaghetti Carbonara machen sollte. Lieber wäre mir die italienische Variante.

Johnny ErtlQuelle: Redaktion