APA - Austria Presse Agentur

238 Tage im Hungerstreik: Inhaftierte türkische Anwältin tot

28. Aug 2020 · Lesedauer 3 min

Nach 238 Tagen im Hungerstreik ist die inhaftierte türkische Anwältin Ebru Timtik gestorben. "Ebru Timtik, Mitglied unserer Kanzlei, ist den Märtyrertod gestorben", schrieb die Anwaltskanzlei Halkin Hukuk Bürosu am Donnerstagabend auf Twitter. Auch während Timtiks Beerdigung am Freitag in Istanbul ging die Polizei hart gegen ihre Anhänger vor.

Nach 238 Tagen im Hungerstreik ist die inhaftierte türkische Anwältin Ebru Timtik gestorben. "Ebru Timtik, Mitglied unserer Kanzlei, ist den Märtyrertod gestorben", schrieb die Anwaltskanzlei Halkin Hukuk Bürosu am Donnerstagabend auf Twitter. Auch während Timtiks Beerdigung am Freitag in Istanbul ging die Polizei hart gegen ihre Anhänger vor.

Die Juristin war im Februar nach ihrer Verurteilung in den Hungerstreik getreten, um ein faires Gerichtsverfahren zu erzwingen.

Die Istanbuler Polizei feuerte Tränengas ab und verjagte hunderte von Trauernden, die zu Timtiks Beerdigung am nördlichen Rand von Istanbul gekommen waren. "Ebru Timtik ist unsterblich" und der "mörderische Staat wird zur Rechenschaft gezogen", skandierten Anhänger. Freunde und Unterstützer von Timtik, die nach Angaben aus ihrem Umfeld Jahrgang 1978 war, hatten zuvor die Anwaltsrobe sowie Blumen auf ihrem Grab niedergelegt.

Die Einsatzkräfte der Istanbuler Polizei drohten der Menge damit einzugreifen, sollten die Rufe nicht aufhören. Mindestens ein junger Mann wurde bei den Zusammenstößen festgenommen, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Die zeremonielle Begräbnisfeier von Timtik fand in einer alevitischen Moschee in Istanbul statt. Die Polizei riegelte das Areal ab und platzierte mehrere Wasserwerfer vor Ort. Ein Polizeihubschrauber kreiste in der Luft.

Wie Freunde von Timtik vor der Beerdigung sagten, wog die Anwältin kurz vor ihrem Tod nur noch 30 Kilogramm. Zuletzt habe sie nichts außer Zuckerwasser, Kräutertee und Vitaminen zu sich genommen. Ihr Tod löste in der Türkei Empörung unter Oppositionspolitikern aus. "Ebru Timtik wurde vor unseren Augen in den Tod geschickt", schrieb Sezgin Tanrikulu, Politiker der sozialdemokratischen Oppositionspartei CHP, auf Twitter. Garo Paylan von der pro-kurdischen HDP twitterte: "Ebru Timtik wurde von den Tyrannen an der Macht massakriert!"

Der Rat der Anwaltschaften der Europäischen Gemeinschaft, der Anwaltskammern in 45 europäischen Ländern repräsentiert, wandte sich wegen des Todes von Timtik in einem Brief an den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Der Rat nannte ihren Tod einen "Schock" und appellierte an den Präsidenten, nun Aytac Unsal einen fairen Prozess zu garantieren. Ihn solle nicht das selbe Schicksal ereilen wie seiner Kollegin. Unsal war mit Timtik zusammen in den Hungerstreik getreten.

Timtik war im September 2018 festgenommen und im Jahr darauf von einem Istanbuler Gericht zusammen mit 17 weiteren Anwälten wegen "Gründung und Leitung einer Terrorgruppe" sowie der "Mitgliedschaft in einer Terrorgruppe" für schuldig befunden worden. Konkret wurde Timtik zur Last gelegt, als Mitglied einer linken Gruppierung Verbindungen zur verbotenen linksextremen DHKP-C zu haben. Die DHKP-C bekannte sich in der Vergangenheit zu mehreren tödlichen Anschlägen in der Türkei.

Timtik wurde zu einer Haftstrafe von 13 Jahren und sechs Monaten verurteilt - ein Berufungsgericht bestätigte das Urteil. Die Anwältin forderte daraufhin einen fairen Prozess und trat im Februar zusammen mit einigen anderen Anwälten in den Hungerstreik.

Im Juli hatte sich ein Gericht in Istanbul geweigert, Timtik freizulassen, obwohl ein ärztliches Gutachten zu dem Schluss kam, dass ihr Gesundheitszustand eine Inhaftierung nicht mehr erlaubte. Später, noch im Juli, wurde Timtik schließlich aus dem Gefängnis in ein Krankenhaus verlegt.

Quelle: Agenturen