APA - Austria Presse Agentur

Corona: Mehr als die Hälfte der über 14-Jährigen mit depressiver Symptomatik

02. März 2021 · Lesedauer 3 min

Mehr als die Hälfte aller Jugendlichen über 14 leidet unter depressiver Smptomatik, hat Angstsymptome, zu einem geringeren Teil sogar Selbstmordgedanken. Durch Corona habe sich diese Zahl verfünft- bis zehnfacht, wie eine Studie zeigt.

Die psychische Gesundheit von Schülern hat sich durch die Corona-Pandemie massiv verschlechtert. Laut einer Studie der Donau-Uni Krems und der Medizin-Uni Wien (rund 3.000 Befragte) zeigen 56 Prozent der Über-14-Jährigen eine depressive Symptomatik, die Hälfte zeigt Angstsymptome. Die Häufigkeit dieser Beschwerden hat sich, wie auch jene von Schlafstörungen, demnach verfünft- bis verzehnfacht. Bereits 16 Prozent haben suizidale Gedanken, auch das ist ein deutlicher Anstieg.

16 Prozent denken täglich oder jeden zweiten Tag an Selbstmord

"Die Ergebnisse sind besorgniserregend", wird Studienleiter Christoph Pieh von der Donau Universität Krems in einer Aussendung zitiert. "Ganz besonders alarmierend ist die Tatsache, dass rund 16 Prozent entweder täglich oder an mehr als der Hälfte der Tage suizidale Gedanken angeben", betont Studienautor Paul Plener, Leiter der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Medizinischen Universität Wien. "Das ist im Vergleich zu den letzten verfügbaren Daten aus Österreich ein deutlicher Anstieg."

Fünf Stunden oder mehr am Smartphone - doppelt so viel wie 2018

Die von 3. bis 28. Februar durchgeführte Studie, die am "Social Science Research Network" (SSRN) veröffentlicht wurde, belegt auch einen deutlichen Anstieg der Handynutzung: Mittlerweile verbringe rund die Hälfte der Schülerinnen und Schüler täglich fünf Stunden oder mehr am Smartphone, das ist doppelt so viel wie 2018. "Das ist umso bedenklicher, als dass mit steigender täglicher Handynutzung auch die Häufigkeit psychischer Beschwerden deutlich zunimmt", betont Pieh. Auch wenn die Mobiltelefone dabei auch genutzt werden, um soziale Kontakte aufrechtzuerhalten, scheine dies den persönlichen Kontakt nicht ersetzen zu können. Gleichzeitig zeigt die Studie eine deutliche Abnahme der körperlichen Bewegung.

Mehr Bewegung und Öffnung der Schulen als Ausweg

Pieh ortet dringenden Handlungsbedarf und appelliert, bei zukünftigen Entscheidungen die psychosozialen Folgen der Pandemie stärker zu berücksichtigen. Neben einer raschen und an die Schwere der Beschwerden angepassten psychischen Betreuung solle auch körperliche Bewegung gefördert werden. Eine wichtige Rolle spielen hier die Schulen, und zwar weit über den Unterricht hinaus: Die Öffnung der Schulen ermögliche sozialen Kontakt und persönlichen Austausch und biete den Schülern gleichzeitig eine regelmäßige Tagesstruktur, so der Experte für Gesundheitsforschung.

Schlaf, Bewegung und Kontakt zu anderen

Paul Plener von der Medizinischen Universität Wien plädiert angesichts der Häufung psychischer Auffälligkeiten für einen Fokus auf die Einhaltung eines Tag-Nacht-Rhythmus' mit ausreichend Schlaf, körperliche Betätigung und eine Wiederaufnahme der sozialen Kontakte. Gerade in schweren Fällen und vor allem dann, wenn Gedanken auftauchen, nicht mehr weiterleben zu wollen, sei jedoch professionelle Hilfe wichtig und auch möglich.

Sie sind in einer verzweifelten Lebenssituation und brauchen Hilfe? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Hilfsangebote für Personen mit Suizidgedanken und deren Angehörige bietet das Suizidpräventionsportal des Gesundheitsministeriums.

Link zur Studie
 

Quelle: Agenturen / lam