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Weltgrößtes Bibelmuseum ringt um Reputation

09. Juli 2020 · Lesedauer 3 min

Die Staatsanwaltschaft ist aktiv, das Renommee angeschlagen: Das weltweit größte Bibelmuseum in Washington hat seit seiner Eröffnung 2017 so viele Skandale um Fälschungen und Raubkunst ausgelöst, dass die Justiz nun hart durchgreift. Die Bundesbehörden verordneten dem "Museum of the Bible" die komplette Überprüfung jedes einzelnen der 40.000 Exponate, wie die Kathpress berichtet.

Identifiziert werden sollen nicht nur Fälschungen, sondern vor allem potenzielle Raubkunst, die an ihre Herkunftsländer zurückgegeben werden soll. Wissenschaftliche Experten fragen sich, warum dieser Schritt so lange auf sich warten ließ. Auslöser ist eine Intervention der New Yorker Staatsanwaltschaft im Mai, die die Rückgabe der sogenannten "Gilgamesch-Traumtafel" an den Irak anordnete. Die Tafel hatte sie schon Monate zuvor beschlagnahmt.

Die 3.500 Jahre alte Tontafel stammt aus dem heutigen Irak. Sie gilt als eine der ältesten literarischen Werke. Steve Green, Vorstandsvorsitzender des Washingtoner Bibelmuseums und milliardenschwerer Besitzer der Bastelwaren-Kette "Hobby Lobby", erwarb sie 2014 in einer privaten Versteigerung für knapp 1,7 Millionen Dollar. Ein Fall von Raubkunst, so die Staatsanwaltschaft.

Green ist nicht nur Gründer, sondern auch Finanzier des für 500 Millionen Dollar errichteten Museums. Darüber hinaus unterstützen er und seine Familie im großen Stil evangelikale Organisationen. Als die großen Bronzetüren des imposanten Baus an der National Mall im November 2017 für Besucher öffneten, war es das erklärte Ziel Greens, die Geschichte der Bibel einem breiteren Publikum näher zu bringen.

Bereits kurz nach der Öffnung stellten Wissenschafter die unbequeme Frage: Sind alle Exponate echt, und wie kamen sie in den Besitz des Museums? Noch im März sah sich der Gründer des Museums als Opfer. "Ich vertraute den falschen Leuten und hatte es in den frühen Jahren mit skrupellosen Händlern zu tun", erklärte Green.

Archäologen vermuten, dass die "Gilgamesch"-Keilschrifttafel aus dem irakischen Nationalmuseum stammt, das wie viele andere Museen 2003 beim Einmarsch der US-Truppen Plünderern zum Opfer fiel. Schon im Eröffnungsjahr schaltete sich das US-Justizministerium ein und ordnete nicht nur die Rückgabe von Tausenden Exponaten an die irakische Regierung an. Es verhängte im Rahmen eines Vergleichs auch noch ein Bußgeld von drei Millionen Dollar gegen das Museum. Peinlich auch die Enttarnung von 16 Schriftrollen vom Toten Meer als Fälschung. Wissenschafter verweigerten 2018 den sogenannten "Qumran"-Schriftrollen das Echtheitszertifikat.

Green gesteht "einige Fehltritte" beim Erwerb von Ausstellungsstücken ein. Im März kündigte er an, nur noch Exponate mit "zuverlässiger, dokumentierter Herkunft" zu erwerben. Um aus den Negativschlagzeilen herauszukommen, haben sich Green und sein Kurator Hilfe von externen Wissenschaftern geholt und darüber hinaus das Auktionshaus Christies verklagt, bei dem sie die "Gilgamesch-Tafel" ersteigerten.

Steve Green spielt in der Fälschungs- und Raubkunstdebatte auch persönlich eine fragwürdige Rolle. US-Zöllner erwischten ihn 2017 bei der Einreise in die USA mit einer Bibel im Wert von einer Million Dollar im Gepäck, für die er keine Zollerklärung abgegeben hatte. Der Qumran-Schriftrollen-Experte der New York University, Lawrence Schiffman, meint, das Museum habe glaubwürdige Korrekturen unternommen. Neue Mitarbeiter und eine strengere Einkaufspolitik seien positive Zeichen.

Quelle: Agenturen