Weiter Streit um Russland-Präsenz bei Kunstbiennale Venedig
Gregoretti habe ihn weder über die mögliche Präsenz Russlands informiert, noch im Biennale-Verwaltungsrat gegen die russische Teilnahme gestimmt. Die Betroffene weigert sich jedoch, zurückzutreten. Sie erklärte, sie handle im Einklang mit der Satzung der Biennale und der Autonomie der Institution. Mitglieder des Verwaltungsrats, so Gregoretti, seien nicht denjenigen verpflichtet, die sie ernannt hätten.
Auch die Europäische Union schaltet sich inzwischen ein. Nach einem Brief von 22 Kulturministern - darunter aus der Ukraine - kündigte die EU an zu prüfen, ob die Biennale gegen Fördervereinbarungen verstoßen habe. Sollte dies der Fall sein, könne die Europäische Kommission den Vertrag aussetzen oder auflösen, erklärte Sprecher Thomas Regnier.
Protest ertönte erneut auch aus der Ukraine. Die ukrainische Vizepremierministerin und Kulturministerin Tetyana Berezhna hat in einem Telefonat mit dem italienischen Kulturminister Giuli scharfe Kritik an der Teilnahme Russlands an der Kunstbiennale geäußert. Berezhna erklärte, die russische Teilnahme an der Biennale stehe im Widerspruch zur Linie der starken Unterstützung für die Ukraine, die die italienische Regierung bisher verfolgt habe.
Giuli antwortete, dass der Verwaltungsrat der Biennale seine Entscheidungen "in völliger Autonomie" von der Regierung getroffen habe. Derzeit werde geprüft, ob die angekündigte Teilnahme Russlands mit den geltenden internationalen Sanktionsbestimmungen vereinbar sei, sagte Giuli laut Medienangaben.
Das Kulturministerium habe die Biennale aufgefordert, "mit höchster Dringlichkeit" Informationen über die russische Teilnahme zu liefern. Dabei gehe es insbesondere um die Organisation und Verwaltung des russischen Pavillons sowie um deren Vereinbarkeit mit dem aktuellen Sanktionsregime, so Giuli. Außerdem habe das Ministerium eine vollständige Kopie der Korrespondenz zwischen der Biennale und den russischen Behörden angefordert, um die organisatorischen und administrativen Strukturen der möglichen Präsenz der Russischen Föderation in Venedig zu klären.
Der stellvertretende Ministerpräsident und Vorsitzende der italienischen Regierungspartei Lega, Matteo Salvini, kündigte indes an, im Mai die Biennale besuchen zu wollen. Damit distanzierte er sich von der kritischen Linie gegenüber Russland innerhalb der Regierung von Giorgia Meloni. Kultur vermittle - ebenso wie Sport - eine universelle Botschaft des Zusammenhalts, sagte Salvini, "niemand darf ausgeschlossen werden".
Der Präsident der Biennale, Pierangelo Buttafuoco, verteidigte unterdessen die Autonomie der Institution. Die Kunstbiennale finde seit 130 Jahren in Venedig statt, Zensur habe dort keinen Platz, erklärte er bei der Präsentation des italienischen Pavillons.
Zusammenfassung
- Nach einem Brief von 22 Kulturministern – darunter aus der Ukraine – prüft die EU, ob die Biennale gegen Fördervereinbarungen verstoßen hat und droht bei Verstößen mit einer Aussetzung oder Auflösung des Vertrags.
