APA/EVA MANHART

Verena Titze bringt Alkohol und Burnout auf die Bühne

03. Nov. 2022 · Lesedauer 4 min

Von der "Überholspur" schlitterte Verena Titze in Burnout und Alkoholabhängigkeit. Ein persönliches Tief, aus dem die 37-jährige Wienerin mit harter Arbeit wieder herausfand, wie sie im APA-Interview sagte. Ihre Geschichte erzählt sie ab Dienstag (8. November) unter dem Titel "Burnt.Out" in Buchform und bei einer "One-Woman-Show" auf der Bühne der Kulisse Wien - und will zur Entstigmatisierung beitragen.

Jetzt gehe es ihr sehr gut, berichtete sie. Um hierhin zu gelangen, seien ein dreimonatiger Aufenthalt in einer Alkoholreha, zweieinhalb Monate in einer Burnoutklinik, Therapie, Naturspaziergänge, Meditation und Tagebuchschreiben notwendig gewesen. Es sei ein Irrglaube, man könne mit ein bisschen Achtsamkeit und positivem Denken aus der Problematik hinausfinden. "Da steckt ganz viel Arbeit dahinter."

Wie es dazu kam, dass all das notwendig war? Titze beschrieb den Weg in Richtung Burnout und Alkoholsucht als "schleichenden Prozess". Schon lange vor dem Burnout sei die damals in der PR-Branche tätige Wienerin in einen Strudel von "sehr viel Trinken, sehr viel Arbeit" geraten. "Solange du aber in der Gesellschaft funktionierst, sagt keiner was." Dass sich ein Burnout anbahnte, das sich schließlich in einer auch körperlich schmerzhaften "Watschen des Universums" entlud, nach der sie nicht mehr so weitermachen konnte, wie zuvor - im Buch berichtet Titze etwa von einer "Panik, die immer wieder von hinten über meine unbewegliche Wirbelsäule hinauf zu meinen kribbelnden Ohren schießt" -, habe sie schlichtweg übersehen.

Alkohol helfe schnell: "Man trinkt ein, zwei Gläschen und es geht einem besser. Das ist tückisch", sagte Titze, die das Trinken in Österreich für "bagatellisiert" hält. Die starke Trinkkultur im Land sei aber nicht die einzige Problematik. Sobald das Trinken zum Hindernis werde, würden sich Scham und Versagensängste einstellen. Sie selbst habe zu Beginn nicht über ihr Problem sprechen können. "Ich will, dass wir darüber reden", antwortete sie auf die Frage, was sich in der Gesellschaft ändern müsse. "Damit Menschen wie ich diesen Schritt schaffen und sagen: 'Okay, ich brauche Hilfe'."

Im Job sei sie ständig erreichbar gewesen, habe dauernd ihre E-Mails gecheckt. "Ich wusste damals nicht, wie ich meine eigenen Grenzen stecke. Das mache ich jetzt sehr bewusst." Nach langem Krankenstand sei ihr Vertrag nicht verlängert worden, sie habe sich schließlich als Künstlerin selbstständig gemacht. "Im ersten halben Jahr habe ich ein Angebot einer PR-Firma erhalten und gleich eine Panikattacke bekommen", sagte sie.

Das Buch habe sich aus ihren Tagebüchern entwickelt, erzählte Titze, die ihre Situation immer schon "mit einer gewissen Prise Humor" genommen habe. Ein Manuskript schickte sie an Burgschauspieler und Regisseur Itay Tiran, der ihr dann ihre jetzige Regisseurin Almuth Hattwich vorstellte. Aus dem Plan, Lesungen abzuhalten, sei schließlich eine "One-Woman-Show" geworden. "Meinen ersten Open-Mic-Auftritt hatte ich im Februar. Das waren fünf Minuten, jetzt sind es 80", lachte Titze.

Dabei will die 37-Jährige ihr Gesicht zeigen, und Alkoholsucht und Burnout entstigmatisieren: "Ich war erfolgreich und jung und hatte eine schöne Kindheit. Und ich hatte ein Alkoholproblem." Neben der Unterhaltung soll dem Publikum auch Mut gemacht werden, bei sich selbst genauer hinzusehen, ohne jedoch mit dem Finger zu zeigen. "Ich für mich weiß aber: Der Alkohol kann jetzt kein Teil meines Lebens sein", sagte Titze, die seit zwei Jahren davon Abstand hält. Bei ihrer Premiere dürfe aber jeder, der wolle, ein Gläschen trinken.

(Das Gespräch führte Ines Garherr/APA)

(S E R V I C E - "Burnt.Out" von Verena Titze, Buchschmiede, 166 Seiten, 18,90 Euro, Veröffentlichung am 8. November, Buchpräsentation und Gespräch mit Suchtexperte Michael Musalek am 15. November im Café Phil, Gumpendorfer Straße 10-12, Wien 6. Premiere des Programms am 8. November um 20 Uhr in der Kulisse Wien. www.kulisse.at, www.verenatitze.com)

Quelle: Agenturen