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Valencia ist 2022 Welthauptstadt des Designs

18. Mai 2022 · Lesedauer 5 min

Was haben Teekannen, Stifte, Kleiderbügel oder Plastiktaschen in einer Ausstellung über Design zu suchen? Eine ganze Menge, meint Juli Capella. "Die meisten denken beim Wort Design immer nur an Luxus-Artikel. Aber hinter jedem Alltagsgegenstand steckt Design. Das wollen wir mit dieser Schau veranschaulichen", erklärt der Kurator der Schau im Kunstzentrum Centre del Carme von Valencia. 2022 ist die spanische Mittelmeermetropole offiziell "Welthauptstadt des Designs".

In dem ehemaligen Kloster aus dem 13. Jahrhundert werden sogar Rollschuhe, Kochlöffel, Flipflops und Orangenpressen auf beleuchteten Vitrinen gezeigt. "Warum bin ich so?" heißt die Ausstellung im gotischen Kreuzgang. Dieser Einführungscharakter ins Thema Design macht die Exposition vielleicht zum perfekten Auftakt in dieses sehr spezielle Jahr. Vor allem ab Sommer finden heuer bis zu 200 Workshops, Ausstellungen, Street-Festivals und Konferenzen rund um das Thema Design in Valencia statt.

Mitte Juni beginnt das "Experience Valencia 2022"-Festival. Es gehört zu den sieben sogenannten "Signature Events", die gemeinsam mit der World Design Organisation umgesetzt werden. Im September treffen sich dann Experten und Organisatoren internationaler Design Weeks zum "World Design Exchange" in Bombas Gens. Bei der ehemaligen Pumpenfabrik von 1930 handelt es sich um eines der spannendsten Kunstzentren Valencias.

Design-Cities aus der ganzen Welt werden sich in Valencia vorstellen. Im Oktober wird auch eine Delegation der Creative Industries Styria (CIS) aus der UNESCO-Designstadt Graz anreisen. Die Cluster- und Netzwerkgesellschaft steirischer Design-Unternehmen will sich unter anderem auf einer sogenannten "Designers' Night" nicht nur in Valencia vorstellen, sondern sich auch mit lokalen Unternehmen und Kreativen vernetzen, erklärt CIS-Geschäftsführer Eberhard Schrempf, dessen Netzwerkgesellschaft derzeit das noch bis zum 12. Juni laufende Grazer Designfestival organisiert.

Valencia habe 2022 eine außerordentliche Gelegenheit, der Welt ihre Kreativität zu zeigen. Doch sollte die Stadt diese auch nutzen, um Strategien und Projekte für die Zukunft auszuarbeiten, denn Design sei ein "Treiber für Innovation", der die nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft und des Lebensraums voranbringe, so Schrempf.

Genau das haben die Organisatoren auch im Sinn. "In den vergangenen zehn Jahren hat sich Valencia architektonisch wie vom Innendesign seiner Restaurants und Geschäfte enorm verwandelt, was den Tourismus und die Lebensqualität eindeutig gesteigert hat", versichert auch Xavi Calvo, der Generaldirektor des Design-Welthauptstadtjahres.

So werden Förderprogramme, Events oder beispielsweise Veranstaltungen wie das vom 19. bis 25. September stattfindende "World Design Street Festival" auch über das Design-Welthauptstadtjahr hinaus am Leben erhalten. Gerade das Design Street Festival sei dabei enorm wichtig, damit nicht nur Design-Fans und Branchenmitglieder auf die Veranstaltungen und lokalen Designer aufmerksam werden, erklärt Clara Icardo von der Kreativagentur Signne Creative House, die für das Festival verantwortlich ist.

"Wir wollen das valencianische Design demokratisieren, es allen Bürgern nahebringen und die Menschen zum Nachdenken darüber bringen, was überhaupt Design ist und wie es unseren Alltag verändert", sagt Icardo. So sollen die Valencianer auf den verschiedensten öffentlichen Plätzen sowie im alten Turia-Flussbett mit in Szene gesetzten "Design"-Produkten überrascht werden. Sie spricht von einer unheimlich aktiven, dynamischen und branchenübergreifend zusammenarbeitenden Design-Szene, welche Valencia als Design-Standort so attraktiv mache.

Doch um zu verstehen, warum gerade Valencia eine derart große und kreative Designszene habe, müsse man sich die Geschichte und Tradition von Spaniens drittgrößter Stadt anschauen, meint Boris Strzelczyk. So beginnt der valencianische Architekt mit deutschen Wurzeln, der dem internationalen Architektennetzwerk "Guiding Architects" angehört, seine architektonischen Stadtführungen auch in der "Seidenbörse". Der Ende des 15. Jahrhunderts fertiggestellte Prachtbau gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und zählt wahrscheinlich zu den eindrucksvollsten gotischen Zivilbauten Europas.

"Valencia war damals auf der Seidenstraße eine der wichtigsten Handelsstädte Europas und bedeutender als Barcelona", erklärt Strzelczyk. Es war das Goldene Zeitalter Valencias. Über die Hafenstadt kamen die Waren von Asien nach Spanien. Die Textil- und Möbelbranche blühte. Auch die Kachel-, Porzellan- und Lederindustrie, die vor allem in Valencia reiche Kundschaft fand.

"Deshalb hat Valencia nicht nur so eine lange und stark ausgeprägte Kunsthandwerkstradition, sondern heute auch so viele Designunternehmen. Denn Produkte müssen designt werden, um sie besser verkaufen zu können", erklärt der Architekt.

Auf seiner architektonischen Design-Stadtführung zeigt Strzelczyk die über 2.000 Jahre alte Entwicklung der Handelsstadt - von römischen Fundamenten über die gotische Kathedrale und die mittelalterlichen Stadttore bis hin zur futuristischen "Stadt der Künste und Wissenschaften". Die spektakulären Gebäude des valencianischen Stararchitekten Santiago Calatrava sind heute ein Touristenmagnet. Das 75 Meter hohe Opernhaus gleicht einem riesigen Alien-Kopf. Dahinter ragen das eiförmiges Planetarium und das Wissenschaftsmuseum in Form eines Dinosaurierskeletts hervor.

"Die Touristen kommen wegen Calatravas Gebäude aber nicht wieder. Deshalb bedarf es einer nachhaltigen Stadtplanung, kulturell interessanter Projekte. Und hier kann Design zweifellos seinen Beitrag leisten", versichert Boris Strzelczyk. Gerade in der architektonischen Vielfalt Valencias spiegle sich auch die Kreativität der lokalen Künstler, Kunsthandwerker und Designer wider. seinen Beitrag leisten", versichert Boris Strzelczyk. Gerade in der architektonischen Vielfalt Valencias spiegle sich auch die Kreativität der lokalen Künstler, Kunsthandwerker und Designer wider.

(S E R V I C E - www.wdcvalencia2022.com ; www.visitvalencia.com/.de)

Quelle: Agenturen