Ungarischer Filmemacher Béla Tarr ist tot
"Die Europäische Filmakademie trauert um einen herausragenden Regisseur und eine Persönlichkeit mit starker politischer Stimme, der nicht nur von seinen Kollegen hoch geschätzt, sondern auch vom Publikum weltweit gefeiert wurde", hieß es in einer Stellungnahme der Akademie.
Tarr ist einer der bekanntesten Regisseure des europäischen Autorenkinos. Seine Filme charakterisierten sich durch die Verwendung von schwarz-weiß, abstrakten Bildern und langen Einstellungen. Studiert hatte er an der Hochschule für Film und Theater in Budapest, zu seinen weiteren bekannten Filmen gehören u.a. "Verdammnis" (1988) und "Die Werckmeisterschen Harmonien" (2000). Sein letzter Film "Das Turiner Pferd", das auf einem Drehbuch von Krasznahorkai basiert, erschien 2011. Damals gewann er bei der Berlinale dafür den Großen Preis der Jury. Wie er danach mehrfach erklärte, habe er "alles gesagt", was er mit dem Kino ausdrücken wollte.
In seiner letzten Lebensphase widmete sich Tarr vor allem der Filmausbildung und kulturellen Arbeit. Eine zentrale Rolle spielte dabei die "film.factory" in Sarajevo, eine internationale Filmschule, die er 2013 zusammen mit anderen Regisseuren gründete. Als Lehrer wollte er vor allem ethische und philosophische Haltung zum Filmemachen vermitteln. 2023 erhielt Tarr beim Europäischen Filmpreis einen Ehrenpreis.
2019 realisierte Tarr mit "Missing People" im Rahmen der Wiener Festwochen ein Projekt über Obdachlose. Damals sagte er zur APA: "Ich kenne Wien jetzt - aber anders, als die Touristen. Wahrscheinlich auch anders als die Wiener."
Zusammenfassung
- Der ungarische Regisseur Béla Tarr ist nach langem, schwerem Leiden im Alter von 70 Jahren verstorben, wie die ungarische Nachrichtenagentur MTI unter Berufung auf die Familie berichtet.
- In den letzten Jahren engagierte sich Tarr in der Filmausbildung, gründete 2013 die internationale Filmschule 'film.factory' in Sarajevo und wurde 2023 mit einem Ehrenpreis beim Europäischen Filmpreis ausgezeichnet.
