APA - Austria Presse Agentur

Townshend schrieb "Kunstroman": Kein literarisches "Tommy"

18. Sept 2020 · Lesedauer 3 min

Pete Townshend, Gitarrist von The Who und Schöpfer legendärer Rock-Opern, hat sein erstes fiktives Buch geschrieben. Es geht um Musik, Kreativität und eine Dreiecks-, nein eher eine (mindestens) Sechsecksbeziehung. "Das Zeitalter der Angst", so der Titel, ist kein literarisches "Tommy", sondern über weite Strecken langweilig, plump und mit unfreiwillig komischen Wendungen.

Da gibt es den Erzähler Louis und sein Patenkind Walter. Louis verkauft Outsider Art, Walter spielt in einer Pubrock-Band und ist mit Siobhan verheiratet. Siobhan ist die Chefin von Louis' Tochter Rain, die eigentlich Walter liebt. Aber nach der Scheidung heiratet der Musiker Floss, Freundin von Siobhans Schwester Selena, die Engel sieht und Walter ebenfalls begehrt. Ach ja, man munkelt über ein Verhältnis von Floss mit ihrem schwulen Reitfreund.

Und dann gibt es noch einen ehemaligen Rockstar Paul, der eines Tages in eine Höhle im britischen Lake District zieht und nach Visionen Bilder malt. Diese Gemälde bietet Maud, Frau des Künstlers, der sich nun Nik nennt, Louis an (der übrigens Maud begehrt). Dieser führt Walter, der eigenartige Dinge hört, mit Nik zusammen. Worauf Walter sich eine 15-jährige Auszeit vom Pubrock-Business nimmt, Gärtner wird und schließlich "Soundscapes" nach den fremdartigen Klängen in seinem Ohr komponiert.

Klingt der Plot schon so recht befremdlich, tauchen am Ende noch zwei zur Adoption freigegebene Töchter auf, die ins muntere Beziehungsspiel involviert sind (mehr sei nicht verraten, hartgesottenen Townshend-Fans soll nicht die "Spannung" genommen werden). Die weiteren Zutaten des "Kunstromans", wie er angepriesen wird, sind Drogen, ein Schuss Esoterik, eine im Raum stehende Vergewaltigung und mühsame Zwischenpassagen, die Walters Klänge im Kopf wiedergeben.

Über die Namensgebungen mag man noch lachen (Walters Eltern heißen Harry und Sally, der Manager Lovelace und ein Ire ausgerechnet Michael Collins), über viele Passagen und Townshend unbeholfenen Stil kann man nur den Kopf schütteln - Beispiel: "Er weinte wie eine Frau, die eine ihr bislang unbekannte Wonne und Intensität des Orgasmus erlebte, die ihre Emotionen oder die Dankbarkeit nicht zurückhalten kann, nicht ihrem Liebhaber dankend, sondern dem Wunder, entfesselt in ihrem Körper."

Die Frauenfiguren werden mit Sätzen wie "mit 36 Jahren war sie noch wunderschön, trotz des minimalen Übergewichts" beschrieben. Louis wiederum sei ein "schmutziger, lüsterner alter Mann", heißt es an einer Stelle. Wie viel von Townshend im Erzähler steckt, bleibt offen, jedenfalls wird er im Roman mit einer schwerwiegenden Tat konfrontiert. Der Neo-Autor selbst musste sich in der Realität ja wiederholt verteidigen, nachdem Kinderpornos auf seinem PC gefunden worden waren (die kamen nur zu Recherchezwecken dorthin, schrieb Townshend in seiner Biografie).

Von "Das Zeitalter der Angst" ist Townshend jedenfalls überzeugt: "Ich hoffe, dass diese verschlungene Geschichte eines Tages Basis einer Oper sein wird", schreibt er im Postskriptum. Das ist nun wirklich zum Fürchten.

Quelle: Agenturen