APA/APA/La Strada Graz/Nikola Milatovic

Straßentheaterfestival "La Strada" in Grazer Oper eröffnet

30. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

Sommerzeit in Graz ist Straßenfestival-"La Strada"-Zeit. Eröffnet wurde mit einem Auftragswerk von Christian Muthspiel, "La Melodia della Strada", dirigiert von ihm selbst, umgesetzt vom Orjazztra Vienna. Ein Sinnbild: So wie die unterschiedlichsten Performer "La Strada" seit 25 Jahren zu einem stets Staunen machenden Ganzen zusammenspielen, so spielten die 18 hervorragenden Jazz-SolistInnen Freitagnacht in der Oper Graz in einem faszinierend zersplitternden Klangkörper.

"La Melodia della Strada" entstand aufgrund langjähriger Verbundenheit der Intendanz mit Muthspiel, als man vor Jahrzehnten gemeinsam Binge watching von Federico Fellini-Filmen betrieb. Auch Fellinis Leibkomponist Nino Rota spielte dabei seine Rolle, so klang am Freitag in der Grazer Oper denn auch ein bisweilen wüstes Sammelsurium von Musikrichtungen, Stilen und Inspiration durch die Hallen der Hochkultur, einem eher unüblichen Ort für ein Straßentheaterfestival.

"Weniger eine Melodie als ein abendfüllendes Programm", sagte Muthspiel im Vorfeld. In der Tat. Eine eingängige Festivalmelodie wurde das Auftragswerk nicht, sollte es wohl auch nicht, es klang wie ein sorgfältig verworrenes Crossover von u. a. Ragtime, Speakeasy-Sound, Improjazz, mit Anklängen aus 25 Jahren "La Strada" mit Roma-Orchester-Klang, New Orleans-Funeral March und all den Tönen und Klängen, die das Festival seit 25 Jahren an sieben viel zu kurzen Tagen über Plätze und Playgrounds schickt: Hupen, knirschen, raspeln, tröten, kreischen, flöten, hämmern, pochen, schmeicheln ... und auf den Bannern im Hintergrund mischen sich Projektionen von jenen öffentlichen Plätzen in Graz, die einem Straßentheaterfestival der Rahmen sind. Dazu gehört auch das häufig wiederkehrende Sujet von einer urban gewordenen Scheußlichkeit, dem nur in der Nacht einigermaßen erträglichen Jakominiplatz. Jakomini und Fellini, das harmoniert, auch wenn's auf der Opernbühne nicht sofort so klingt.

Nicht alle Besucher konnten damit etwas anfangen, der Schwund zur Pause war doch merklich, obwohl Organisatorin Diana Brus scherzhaft über den Opernvorplatz wirbelte: "Bitte nicht gehen".

Und weil sich für ein Geburtstagsfest gehört, dass alte Freunde mit dabei sind, hat das dem Konzert vorangestellte Intro mehrere langjährige Gäste und Performer von "La Strada" auf die Bühne gelockt, wie etwa zwei Drittel der Berliner Pantomimen-Truppe "Familie Flöz" oder die Barcode Circus Company aus Montreal. Auch der Vizechef der Republik, Werner Kogler, kam da nicht aus und wurde auf die Bühne gebeten. Der frühere Extrem-Filibuster im Parlament und jetzige Grünen-Vizekanzler wurde ins Intro eingebaut und zeigte sich sowohl wortwitzig und auch überraschend als in der Kunst des "Fasse dich kurz" bewandert - der Lohn, der im politischen Alltag oft ausbleibt: freundlicher Applaus.

Wie beiläufig schildert Intendant Werner Schrempf zusammen mit Organisatorin Diana Brus auch, wie das Festival vor 25 Jahren zu seinem Namen kam: Man saß in kleiner Runde zusammen und diskutierte griffige Bezeichnungen wie etwa "Vogel im Kopf", als Günter Brus - offenbar etwas knurrig - vernehmen ließ: "Ein Straßentheaterfestival heißt 'La Strada'". Seltsam, aber so steht es seither geschrieben.

(S E R V I C E - "La Melodia della Strada", am Sonntag 31. Juli, 16.30 Uhr. Straßentheaterfestival "La Strada", u.a. auf öffentlichen Plätzen in Graz bis 6. August. , nähere Info unter http://www.lastrada.at)

Quelle: Agenturen