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Schweiz: Konzert-Abbruch, weil weiße Bandmitglieder Dreads tragen

27. Juli 2022 · Lesedauer 2 min

Nachdem sich Gäste aufgrund von Dreadlocks auf den Häuptern der weißen Mundart- Reggae-Musiker "unwohl" fühlten, beendete der Veranstalter das Konzert.

Dürfen weiße Menschen Dreadlocks tragen? Dürfen sie sich dann auch noch von Reggae-Musik beeinflussen lassen? Eine Diskussion die bereits im März den Anfang nahm. Damals luden Klimaaktivisten von Fridays for Future (FFF) die Musikerin Ronja Maltzahn aus, weil sie als weiße Frau die Haare in FFF-Augen falsch trägt. Als Dreadlocks nämlich. Eine "kulturelle Aneignung", ohne die systematische Unterdrückung von schwarzen Menschen erlebt zu haben, erklärten FFF damals.

"Unwohlsein" bei Besuchern

Ein paar hundert Kilometer südlicher in der Schweiz gibt es nun einen ähnlichen Fall. Wie u.a. die NZZ berichtet, wurde das Konzert der Mundart-Band Lauwarm abgebrochen, weil: Sie tragen die Haare falsch und lassen sich von der falschen Musikrichtung inspirieren. Ein Teil der Band trägt Dreadlocks, ihre Musik ist von Reggae inspiriert und sie trugen offenbar afrikanische Kleidung.

Die Veranstalter erklärten via Facebook, dass während dem Auftritt der Band zahlreiche Besucher ihr "Unwohlsein mit der Situation" geäußert hätten – eben wegen der Frisur, der Musik, der Kleidung. Es handle sich um kulturelle Aneignung, Dreadlocks und Reggae sei grundsätzlich indigenen Jamaicanern vorbehalten, so die Argumentation.

"Leute haben nicht verstanden, dass abgebrochen wird"

Die Band selbst versteht die Aufregung nicht wirklich. Man habe weder beim Konzert noch danach negative Rückmeldungen erhalten, sagt Bandleader Dominik Plumettaz im Interview mit dem Online-Portal "20min.ch". "Das Publikum tobte. Die Leute haben nicht verstanden, dass das Konzert abgebrochen wird", so der Bandleader. Man sei nach Abbruch vor Ort geblieben und habe drei Stunden lang Gespräche mit dem Publikum geführt. Von den Kritikern sei niemand auf sie zugekommen. "Dass die Kritiker sich nicht zu erkennen geben, sondern im Versteckten bleiben, stört mich sehr."

Es gehe bei den Auftritten seiner Band weder um Provokation, noch um kulturelle Aneignung. "Wir inspirieren uns von anderen Kulturen und anderen Musikrichtungen, entwickeln diese weiter und machen so unsere Musik", wird Plumettaz auch von der NZZ zitiert. Man werde auch in Zukunft mit der Musik in dieser Form weitermachen. Die Gesellschaft befinde sich in einem multikulturellen Wandel, Kulturen würden verschmelzen, erklärt er weiter.

Quelle: Redaktion / moe / hos